Besuch
Mir schwirren heute viele Gedanken im Kopf herum, unter anderem auch der, daß ich nicht mehr jeden Tag hier einen Eintrag hinterlassen kann, wie in einem Papier-Tagebuch, das man abends mitsamt Stift noch eben mit ins Bett nehmen kann, um zu schreiben. Es macht mich irgendwie ganz kribbelig, daß ich neuerdings jeden Tag im Internet bin, und sei es auch nur, um den neuesten Eintrag hochzuladen. Immer öfter habe ich das Gefühl, dadurch Zeit zu verplempern—tippen, speichern, ASCII-Umlaute einsetzen, kopieren, Korrektur lesen… Wie oft denke ich mittlerweile: “In der Zeit hättest Du gemütlich noch ein Lied oder zwei hören können…” Tja, so geht das nicht weiter, das muß ich stoppen, bevor das Online-Tagebuch noch zur lästigen Pflicht wird. Ab sofort werde ich also nur noch dann die neuen Einträge abtippen und hochladen, wenn ich ohnehin im Net wäre. Dann aber eben alle gleichzeitig.
Saubermachen muß ich auch noch, morgen kommt A. zu Besuch. Da gäb’s dann sowieso schon mal keinen Eintrag im Web-Tagebuch. Ich freu’ mich ja, daß sie kommt, nur wäre es mir lieber, wenn’s nicht ausgerechnet ein Wochentag gewesen wäre, nach der Arbeit, vor der Arbeit. Aber ewig kann und will ich ja auch nicht nein sagen.
Da sie einen Schlüssel zu meiner Wohnung hat und schon vor dem Berufsverkehr kommen will, wird sie wohl abends vor mir da sein, was bedeutet, daß ich an dem Tag bis zur Schlafenszeit keine einzige Sekunde für mich alleine haben werde. Dabei hätte ich noch jede Menge zu tun und ich bin ohnehin diese Woche so müde. Wohl fühle ich mich nicht dabei, und bis in die Nacht quatschen wird wohl auch nicht gehen. Ich muß am Donnerstag um sechs wieder raus und dabei fit sein, aber A. versteht das irgendwie nicht so ganz, sie hat noch nie Vollzeit gearbeitet. Naja, lieb ist sie—und wie!
Nun fehlt bloß noch, daß morgen mal wieder der Zug am Abend eine Stunde Verspätung hat. Na, wird schon schiefgehen.
Fragen über Fragen
So langsam dämmert es mir erst einmal, auf was ich mich da eingelassen habe und wie viel ich in den nächsten 11 Wochen noch zu tun haben werde. Bei der neuen Wohnung fängt es schon mal an—für die Suche werde ich wohl den Urlaub im August verwenden müssen, wenn ich bis Oktober eine Bleibe haben will. Dann ein Konto eröffnen, mich erkundigen wegen der Versicherungen, Telefon beantragen, Wasser und Elektrizität, eventuell die neue Wohnung renovieren, auseinanderklamüsern, welche Ausgaben über mein deutsches Konto weiterlaufen müssen und welche über das belgische. Wie mache ich das mit der SOS-Kinderdorf-Patenschaft? Wie mit der Fernuni Hagen? Wie mit Puretec? Was mit der Kreditkarte? Dann ein Umzugsunternehmen suchen, die Sachen zusammenpacken, ausmisten, was nicht mehr gebraucht wird, evtl. den Sperrmüll bestellen. Dann die Rennerei zu den Rathäusern: Abmelden, anmelden, neuer Personalausweis. Puuuuuuuuuuuuuuh! Dem Himmel sei dank, daß mir sowohl A. als auch M. schon ihre Hilfe angeboten haben. Und was hat Belgien eigentlich für ein Fernseh-Format? PAL oder SECAM?
Brüssel ist eine tolle Stadt, aber ich werde auch hier vieles vermissen. Mit meinen Freunden fängt es schon mal an, obwohl man sich natürlich immer noch besuchen kann. Bei den kleinen gemütlichen Kneipen sieht’s da schon ein bißchen anders aus, da muß ich mir wohl ganz neue suchen. Und den kleinen Zierapfelbaum vor dem Schlafzimmerfenster sehe ich jetzt auch nicht mehr weiterwachsen. Manchmal frage ich mich, wie lange ich eigentlich noch so durch die Gegend zigeunern will. England, Frankreich, nochmal England, wieder Frankreich, dann Deutschland, jetzt Belgien. Sobald ich irgendwo fest im Sattel sitze, geht’s auch schon wieder auf und über alle Berge. Warum mache ich das eigentlich? Herausforderung, sicher. Neugier, ganz klar. Karriere, logisch. Aber kann es nicht auch sein, daß ich vielleicht vor irgendetwas davonlaufe? Vielleicht versuche, Schönes hinter mir zu lassen, bevor es mich hinter sich läßt? Oder denke ich jetzt zu kompliziert?
Ja, ich geb’s zu, ich bin momentan auch etwas traurig. Weil M. für so lange Zeit nach Japan geht. Weil P. mich ganz offenbar einfach so weggeworfen hat, es ihn nicht mehr interessiert, was ich mache und wie es mir geht. Nach einigen Anläufen habe ich dann endlich eine Mail geschrieben und ihm von dem neuen Job erzählt. Angeblich wollte er es ja unbedingt wissen. Keine Reaktion, noch nicht einmal ein kleines “Herzlichen Glückwunsch”—hätte ich mir ja denken können. Nun gut, solange ich von ihm nichts mehr höre, hört er ab jetzt auch nichts mehr von mir. Die alte Einladung für Ende Juli kann ich vermutlich mitsamt Ticket auch demnächst in den Papierkorb werfen. Hätte ich bloß gar nicht erst gebucht.
Kaputt ist auch die Freundschaft mit J., die auch wieder nur darauf wartet, daß ich mich bei ihr melde, weil ihr gar nicht der Gedanke kommt, es könnte mir wichtig sein, daß auch sie einmal etwas tut, um den Kontakt aufrecht zu erhalten. Auch von ihr kam nicht der leiseste Kommentar zum Jobwechsel, obwohl ich mich mit ihr immer über jeden noch so belanglosen Quark gefreut habe, solange es ihr wichtig war. Aber das ist wohl auch schon keine Freundschaft mehr. Eineinhalb Jahre lang war ich diejenige, die sich immer und immer wieder bemüht hat, und jetzt mag ich einfach nicht mehr. Das hat nichts mit Trotz zu tun, sondern einfach nur mit Resignation und mit dem Vorsatz, niemandem mehr hinterherzulaufen. Komischerweise trifft mich die Stille von P. und J. noch viel mehr als der Neid von Cl. Warum? Weil Neid wenigstens noch voraussetzt, daß der Neider sich mit seinem Gegenüber befaßt. Weil er den Wert dessen erkannt hat, was man erreicht hat. Für den Gleichgültigen hat man aber selbst schon gar keinen Wert mehr.
Einige Dinge, die mir wichtig sind/waren, zerbröseln einfach um mich herum, inklusive der Abteilung, in der ich bisher gearbeitet habe, und ich kann es nicht aufhalten. Da ist es vielleicht wirklich auch in dieser Hinsicht besser, ich mache einen glatten Schnitt durch alle Ebenen. Wenn sich die Gelegenheit gerade so schön bietet.
Die ungeschminkte Wahrheit
Oh weh, da hat mich der eine oder andere wohl gründlich mißverstanden. LOL! Stimmt, ich schminke mich nicht, aber ich mute meiner Umwelt auch keinen unappetitlichen Anblick zu. Es würde mir nie in den Sinn kommen, ungeduscht oder mit ungewaschenen Haaren oder schmutziger Kleidung herumzulaufen, sonst würde ich mich selbst nicht mehr wohl fühlen. Ein gewisses Maß an Hygiene und Ästhetik muß man schon einhalten, finde ich. Es ist ganz einfach auch ein Zeichen von Respekt den Mitmenschen gegenüber, eine Art zu sagen: “Eure Wertschätzung bedeutet mir etwas.” Das kann sogar sehr viel Spaß machen, nämlich dann, wenn man seine Vorzüge leicht betont und weniger Schönes dezent kaschiert. Also: Ich gebe mir durchaus Mühe, nur eine Vorspiegelung falscher Tatsachen bzw. clownhafte Auftritte sind nicht mein Ding.
Schade finde ich es bloß, wenn jemand rein äußerlich piekfein getrimmt ist und gut aussieht, und dann durch sein Verhalten wieder alles kaputt macht. Die junge Dame im Zug zum Beispiel, die ich alle paar Tage morgens sehe. Gut gekleidet, adrette Frisur, hübsch noch dazu—alles wunderbar. Bis sie sich hinsetzt. Von da an wird dann an den Händen geknibbelt, an den Fingernägeln genagt, der Kopf gekratzt, die Nase gerieben, auf der Lippe gekaut, mit den Füßen gezappelt… Die Frau ist ein einziges Nervenbündel, man mag gar nicht hinsehen.
Naja, dafür denkt der eine oder andere von mir vermutlich, daß ich eigentlich in eine Gummizelle gehöre. So, wie heute morgen zum Beispiel. Da saß so ein verschlafener Typ mit tranigem Blick mir gegenüber, der sich im krassen Gegensatz zu Frau Nervenbündel so gut wie gar nicht rührte. Und ich mußte so sehr grinsen, weil ich aus irgendeinem unerfindlichen Grund an diese eine Kurzgeschichte aus Melody’s Buch dachte… Was wäre wohl passiert, wenn ich zu Herrn Schlafmütze gegangen wäre, mich wie ein Kätzchen an ihm gerieben und die “Zauberformel” rezitiert hätte: “Alles was ich will, ist jemand, den ich liebhaben darf und der zu mir gehört…” Ob da wohl Leben in diesen Mann gekommen wäre, oder ob er so tranig da sitzen geblieben wäre? *prust*
Meine Güte, mir kann es aber auch offenbar überhaupt niemand recht machen. Denn irgendwie habe ich mich in der Geschichte schon wiedererkannt, das muß ich gestehen. Deshalb spukte sie mir vermutlich auch schon heute morgen im Kopf herum. Nun ja, es ist schon ein paar Jahre her, daß ich einer Freundin die Ohren vollgeheult habe (da war ich sinnigerweise noch verlobt), aber sonst stimmt der Grundtenor schon irgendwie. Warum ist mir niemand gut genug? Wonach suche ich eigentlich? Oder besser gesagt: Warum irre ich mich, denke, es sei der Richtige, und dann stellt sich heraus, daß das doch nicht der Fall ist? Und warum zögere ich in anderen Fällen so lange?
Kein Wunder.
Wenn man seinen Körper mal versucht so zu betrachten, als säße man selbst nicht drin, sehen Arme ziemlich merkwürdig aus. Und der Bauchnabel erst… *g* Und das Spiel der Knochen unter der Haut der Hände, wenn man die Finger bewegt… Und die pulsierenden Adern, dieses feine Netz… Wie sich das alles dreht und verschiebt und faltet und streckt! Wie warm das ist—so viel Energie!
Die Augen fangen bestimmte Wellen auf und machen daraus Bilder, die wir verstehen können. Die Ohren verarbeiten noch andere Wellenlängen und lassen uns hören. Die Nase sorgt dafür, daß schon ein paar Moleküle eines Duftstoffes ausreichen können, um uns vor Gefahren wie einem Brand zu warnen. Die Haut sagt uns, wie kalt oder warm es ist.
Eigentlich ein faszinierendes Gebilde, so ein Mensch, sogar, wenn man es selbst ist, den man sich anschaut. Da werden kleine Makel dann noch unbedeutender.
Funkstille
Hoffentlich wird mir verziehen werden, daß ich mich heute bei niemandem gemeldet habe, den ich eigentlich noch über Brüssel hätte informieren müssen oder den ich eigentlich noch irgendwann anrufen wollte. Nicht heute. Ich hatte einfach keine Lust mit jemandem zu reden. So ist das… Es war ein richtig schöner Tag, nur mit Musik, Lesen, Essen und Eressea-Spielen verbracht. Das ewige Lächeln und die Gespräche über alles und nichts gehen spätestens morgen im Büro wieder los. Sind nette Leute, die Kollegen, und auch S., D., Ch. und Konsorten, aber es kann so schön sein, mal einen ganzen Tag lang nichts sagen zu müssen. Tagebuch zählt nicht, auch wenn jetzt seit ein paar Wochen auch noch andere mitlesen können. *g*
Die Schreckenstein-Mailingliste wird langsam etwas unverständlich. Da bieten zwei, die einander auch noch kennen, für den selben Artikel auf E-Bay und der erste der beiden Bieter regt sich dann öffentlich darüber auf, daß die alte Abmachung gebrochen wurde und einer den anderen überboten und den Preis in die Höhe getrieben hat. Leute, redet doch einfach mal miteinander! Noch im April habt Ihr beim Listentreffen jede Menge Jux miteinander gemacht—es kann doch nicht so schwer sein, sich dann bei zwei so läppischen Auktionen zu einigen? OK, ich überbiete auch kein anderes Listenmitglied, aber wenn ich es wollte, oder wenn einer mich überbietet, spreche ich doch denjenigen erstmal persönlich an, statt verbissen weiterzubieten, bis die Auktion gelaufen ist und die ganze Angelegenheit dann öffentlich breitzutreten.
Manchmal frage ich mich, ob ich eigentlich zu überheblich bin oder was sonst mit mir los ist, daß ich über solche Probleme nur den Kopf schütteln kann. Fehlt mir einfach das Verständnis für andere und ihre Sorgen? Bin ich zu eingebildet? Zu egozentrisch? Ich meine, mein “Standard” kann ja auch nicht das Maß aller Dinge sein, und wenn es Menschen gibt, die sich über solche Dinge wie verkorkste Auktionen aufregen, dann kann es doch sein, daß das tatsächlich irgendwie wichtig ist und ich nur zu blöd bin, das zu erkennen, oder? Was ist bloß mit mir los, daß ich das nicht nachempfinden kann? Und was halten andere von meinen eigenen Problemen? Einige denken doch mit Sicherheit auch, daß ich mich nur über belanglosen Unfug aufrege, oder? Was ist denn nun wirklich wichtig?
Kreiselknöpfe
Eigentlich hatte ich mir gestern abend ja vorgenommen, früh ins Bett zu gehen, aber dann rief M. an, um wieder mal so “richtig” zu quatschen, nicht nur kurz, wie vorgestern—und wie immer, wenn ich mit ihm telefoniere, ging es natürlich mal wieder bis tief in die Nacht. Schön war’s trotzdem; ich liebe es einfach, mit M. herumzualbern! Mit ihm kann ich mich über Gott und die Welt unterhalten, ohne daß da irgendwelche schrägen Zwischentöne drin wären—im Gegensatz zu den Gesprächen mit P. in letzter Zeit. Der lauert nur noch, ob ich ihn eventuell “einfangen” will, ich hingegen werde schon fuchsig, wenn ich auch nur den Verdacht habe, daß mir wieder eine seiner Predigten halten möchte, mir erzählen will, was wahre Liebe angeblich ist, oder mich sonstwie mit Weisheiten bombardiert. Die Spannung ist dabei direkt greifbar.
Richtig geschrieben haben wir uns schon seit drei Wochen nicht mehr, und mir fällt auch ehrlich gesagt fast nichts mehr ein, das ich ihm erzählen könnte. Das heißt, es gibt eine Menge, das ich ihm gerne erzählen würde, wenn ich nicht mit jedem Mal mehr Angst hätte, ruckzuck wieder in die Defensive gedrängt zu werden. Wenn ich da an das letzte Telefonat denke… Uff!
P. ist schon jemand Besonderes für mich, ich will diese Freundschaft auf jeden Fall erhalten (Himmel, wir kennen uns seit 25 Jahren!)—wenn ich bloß wüßte wie!!! Ein paar Mal habe ich diese Woche versucht ihm zu schreiben und saß noch nach einer halben Stunde vor dem leeren Fomular, so wie gestern am frühen Abend. Einen kleinen Zwischenbericht wollte ich ihm schicken, da ich ihm versprochen hatte, ihn über eine bestimmte Sache auf dem Laufenden zu halten—aber noch nicht einmal dazu fiel mir mehr etwas ein. Nach der Anrede war ich wie ausgelaugt. Solange ich nichts Abgeschlossenes und Unabänderliches nennen kann, will ich doch lieber gar nichts sagen, um nicht schon wieder rechtfertigen zu müssen, warum dieses so und anderes anders ist. Sie lähmt mich, die Vorstellung, ihn in mein Inneres schauen zu lassen und zu befürchten, daß es wie eine Zeichnung in der Schule bewertet wird, er versucht, daran herumzuradieren und Striche neu zu ziehen, die mir selbst aber gut gefallen, so wie sie sind. Ich habe noch nicht einmal mehr den Mut, ihm von Alltagsbegebenheiten zu erzählen, denn auch da waren in letzter Zeit mehr und mehr Belehrungen die Folge. Urlaub absagen oder nicht, Hotel in B. oder nicht… Woher will er wissen, wie ich mich am wohlsten fühle? Und warum muß ich das überhaupt erklären? Nicht, daß mir das an sich etwas ausmachen würde, aber wenn es fast unweigerlich dazu führt, daß meine Beschlüsse gleich wieder in Frage gestellt und mit Alternativen pariert werden (die ich schließlich auch schon kenne und erkenne, aber begründet verworfen habe!)... Das nervt. Es fühlt sich an, als dächte P., daß mir diese Alternativen gar nicht erst bekannt sind. Das ist es wohl, was mich so auf die Palme treibt, das Gefühl, unterschwellig bevormundet zu werden, nicht für voll genommen zu werden. Die implizierte Annahme, meine Überlegungen seien nicht ausreichend und bedürften in jedem Fall einer Ergänzung. Schließlich ziehe ich meine Entscheidungen ja nicht aus einer Lostrommel—ich denke doch auch vorher nach, Donnerwetter noch mal! Wirklich!
Lieb gemeint, seine Ratschläge, vielleicht, but they always come down on me like a ton of bricks. Ich brauche und will niemanden, der auf mich aufpaßt, dabei aber übersieht, daß ich nicht er bin, nicht so fühle, nicht so denke und vielleicht auch andere Bedürfnisse und Prioritäten habe. Von ihm selbst wohl unerkannt scheint P. zumindest im privaten Bereich nicht mehr zu unterscheiden zwischen einer ihm gegebenen Information und einer Bitte um Rat. Irgendwann in nächster Zukunft werde ich ihm sagen müssen, wie ich das empfinde, sonst flippe ich vielleicht noch bei einer Gelegenheit aus, die an sich gar keinen meiner berüchtigten “Vulkanausbrüche” rechtfertigen würde, und das wäre auch nicht fair.
Eine meiner frühesten Erinnerungen: Ich bin ungefähr vier Jahre alt und mache Urlaub mit meinen Großeltern im Stubai-Tal. Sie haben mir ein Malbuch geschenkt, in dem auch ein Kreisel abgebildet ist, den ich mit meinen Buntstiften in allen Regenbogenfarben ausmale. Den Knopf ganz oben am Kreisel habe ich mit Strichen wie eine Torte geteilt, jedes Segment bekommt eine andere Farbe. Mein Großvater schaut mir eine Weile zu und zieht mir plötzlich das Malbuch weg. Er ergreift den schwarzen Stift und malt den ganzen Knopf dick und unwiderruflich damit aus. “Die Knöpfe sind immer schwarz”, sagt er.
Aber meiner nicht.
Sterngucker
War ja klar! Da schlage ich mir gestern die halbe Nacht um die Ohren, um endlich mal wieder mein frisch geputztes Teleskop zum Sternegucken zu benutzen, und was ist? Es ziehen Wolken auf! Hat sich ja mal wieder wirklich gelohnt… Irgendwann mache ich ihn doch noch, den Trip nach Namibia zur privaten Sternwarte.
Die Reaktionen der Tagebuchmafia auf meinen Eintrag von gestern fand ich sooo lieb! Danke Euch!
‘Mr. Right’ ist wohl offenbar so eine Art Ungeheuer von Loch Ness. Viele wollen es schon gesehen haben, aber keiner bekommt das Vieh je vor die Flinte.
Auf ein weiteres interessantes Diary bin ich übrigens vorhin gestoßen—es scheint in keinem Ring zu sein: So weit das Auge reicht. Ich teile zwar nicht unbedingt Alex’ Meinungen, aber sein Stil hat was. Außerdem beeindruckt mich seine Offenheit. (Und Katzen mag er auch!)
Seit ich begonnen habe, mein Tagebuch online zu führen, frage ich mich natürlich auch, ob ich hier wirklich weiterhin alles aufschreiben soll und kann, was mir so durch den Kopf geht. Schließlich könnte es ja sein, daß mal Freunde, Verwandte oder Bekannte über diese Site stolpern. Allerdings komme ich mehr und mehr zu dem Schluß, daß das keinen allzugroßen Unterschied machen würde. Für meinen Mangel an Diplomatie bin ich schon lange verschrieen, und wenn ich mich über jemanden ärgere oder freue, sage ich es ihm früher oder später ohnehin ins Gesicht. Wie bei Großtante Elfrieda, die mir an meinem Geburtstag fünf Mark schenken wollte. “Von Dir nehme ich kein Geld; Dich kann ich nicht leiden,” beschied ich sie. Das war 1974, und seitdem hatte meine Umgebung immer wieder allen Grund, meine Eignung für eine Laufbahn im diplomatischen Corps der Bundesrepublik Deutschland in frage zu stellen. Auch heute würde ich es nicht ausschließen meinem Gegenüber diese oder eine ähnliche Antwort vor den Latz zu knallen, wenn die Umstände es erfordern. *g* Also: Wer sich oder mich hier wiedererkennt, im Bösen oder im Guten, hat Glück gehabt—weil er nämlich dann schon weiß, was ich ihm ohnehin bei passender Gelegenheit noch gesagt hätte. Und wer sich mein Gesabbel nicht länger zumuten möchte, findet im Wellenbrecher sicherlich genügend Tagebücher, die seinen Geschmack eher treffen. Wer aber mal was ganz anderes lesen möchte, kann sich ja zur Abwechslung ein paar gute Argumente für Faulheit zu Gemüte führen. Passend zum Sommerwetter. ;o)
In diesem Sinne: Viel Spaß weiterhin!
Dufte!
Also, was manche Webmaster sich denken, wenn sie Tausende von Pop-Ups und Alerts programmieren, ist für mich beim besten Willen nicht nachvollziehbar. Da sucht man ganz harmlos nach ein paar MP3’s und plötzlich läuft der Browser Amok! Eigentlich hatte ich nur ganz harmlos auf http://www.village21.com/top_100/ geklickt (nö, da mache ich jetzt keinen Link draus, sonst werde ich noch dafür zur Verantwortung gezogen, wenn Eure Compis ausflippen. Benutzung der URL geschieht auf eigene Gefahr! *g*), dort den erstbesten Link ausgewählt, und schon öffneten sich Fenster über Fenster! Sobald man eins davon schloß, erschienen stattdessen buchstäblich drei neue. Offensichtlich Sites, die ihre Besucher ums Verrecken nicht mehr aus den Klauen lassen wollen. Wie armselig! Ernsthaft: Mir ist zweimal der Browser abgestürzt bei dem Versuch, der Fenster-Plage Herrin zu werden; ich kam mir vor wie Don Quixote beim Kampf gegen die Windmühlenflügel. Ach wenn ich doch nur ein Hacker wäre—der Webmaster jenes JavaScript-Molochs hätte dann eine soooo schöne Überraschung erlebt! Aber vielleicht hat ja von Euch eine(r) Lust…? fg*
Ansonsten habe ich heute nach Feierabend einfach nur die Hitze genossen. Es ist schon komisch, aber je heißer es draußen wird, desto wohler fühle ich mich. Vielleicht sollte ich aber doch ein bißchen besser aufpassen, was ich tagsüber esse. Bloß: Ich habe mal wieder keinen Hunger, wie immer, wenn es so warm ist. Ein Croissant, eine Schlangengurke und zwei Joghurt mit Marmelade sind jedenfalls wirklich nicht genug für einen Tag. Ich wieg’ ja eh’ schon zu wenig; da muß ich wohl vor dem Schlafengehen heute noch irgendetwas Gehaltvolles hinterherschieben.
Heute habe ich auf dem Nachhauseweg mal darauf geachtet, welche Gerüche mir so alles begegnen in der Viertelstunde Fußweg vom Büro zum Bahnhof. In der Wärme werden die ja viel intensiver. Was gab’s da aber auch nicht alles: Staub, Teer, gemähtes Gras, Bücher (aus einem Buchladen), Essensdüfte, und vor allem immer wieder Menschen. Also, ob es so klug ist, bei diesem Wetter so viel Duftwässerchen zu nehmen, weiß ich ja nicht… Manche Leute miefen ja derart penetrant nach dem Zeug, daß man meinen könnte, sie seien in den Kessel mit der Jahresproduktion ihres Lieblingsparfums gefallen, und im Sommer wirkt das nur noch mehr. Ich weiß wirklich nicht, was schlimmer ist—das, oder diejenigen, die nach Schweiß und kaltem Tabakrauch stinken.
In den kühleren Ecken riecht es immer frischer als in der Wärme. Fast als ob es geregnet hätte, und sogar mitten in der Stadt. An einer Stelle wehte mir sogar der Duft nach etwas feuchtem Holz entgegen. Erst konnte ich mir das gar nicht erklären, aber als ich um zwei Ecken gebogen war, sah ich, daß die Blumen- und Baumrabatten vor dem Hauptbahnhof mit Mulch bestreut worden waren. Daher wehte also der Wind—im wahrsten Sinne des Wortes. :o)
Trotzdem. Ich grüble immer noch. Und ich versuche die Grenze zu finden zwischen “in sich hineinhorchen” und “sich in etwas hineinsteigern”. Ist alles nicht so einfach. Aber die Traurigkeit ist geblieben, egal, an was ich denke oder was ich mache. Vor kurzem hatten wir es im Bekanntenkreis noch davon, wie alt jeder von uns werden will. Dabei ging es eigentlich um den körperlichen und geistigen Verfall. Aber wenn ich ehrlich bin, möchte ich vor allem eins: Mindestens alt genug werden, um noch zu erfahren, wie sich echte Zärtlichkeit anfühlt. Wie es ist, von dem Menschen zurückgeliebt zu werden, den man selbst auch liebt. Ob die Zeit dafür wohl reicht?
Freßfest
Gestern hatte ich ganz vergessen, daß dies der 12. Jahrestag meines Abiturs war—ist das wirklich schon so lange her? Kein Wunder, daß die Kanten des Abizeugnisses etwas angegilbt waren, als ich sie vor ein paar Wochen kopiert und beglaubigen lassen habe. Ich bin ja mal gespannt, wann ich endlich von der Fernuni höre, ob ich angenommen bin oder nicht.
Ansonsten habe ich mir heute mal wieder erlaubt, von niemandem zu hören. Wenn das Telefon klingelt, gehe ich einfach nicht dran, und es hat oft geklingelt. *g* Ich bin schon ganz schadenfroh, weil die alle umsonst angerufen haben und ich da saß und mir dachte: “Ätsch, ich hör aber lieber Musik!” Hehe… Von mir aus kann’s bimmeln bis die Drähte glühen - ich lass mir nicht vorschreiben, wann ich eine Unterhaltung anfange. Wer was Wichtiges will, ruft auch nochmal an, oder schickt eine E-Mail, ICQ-Nachricht (13952191, für die, die’s interessiert) oder eine SMS.
Tja, liebe Melody, trotz der ganzen Freizeit bin ich leider immer noch nicht dazu gekommen, den Mexikaner auszuprobieren, den Du mir empfohlen hast. In der Innenstadt war über das Wochenende so eine Art Freß-Fest angesagt, also bin ich mit meinen Freundinnen dort gelandet. Naja, der Mexikaner läuft ja nicht weg. ;o) Gut geschmeckt hat’s trotzdem. Heute Mittag beim Griechen, anschließend Eis, dann noch Schokolade… Fehlt was? Ich glaube nicht. *g*
Sonst gibt es nach diesem Gammel-Tag nichts zu berichten, wenn man vielleicht mal von gewissen Online-Spielen absieht. Wer weiß, vielleicht verirren sich diese ominösen Redakteure ja noch mal auf die Site. Zu gönnen wär’s ihnen. War aber auch wirklich zu dämlich, was sie da über Ilonas Homepage geschrieben haben. Genaugenommen schreiben die wohl über keine Site etwas Positives, und es gibt nur wenige Dinge, die Dummheit deutlicher zutage fördern als ständiges Genörgel, das mit Kritikfähigkeit verwechselt wird. Bah! Das Beste war aber, daß sie sich öber das Englisch auf dieser einen Autohändler-Site lustig gemacht haben und bei Ilona das Apostroph zwischen Sister und s vergaßen. Oder vermutlich auch gar nicht wußten, daß da eins hingehört. Wie war das doch gleich mit dem Glashaus und den Steinen? *g*
In diesem Sinne: Schönen Abend und eine gute Woche!
Schwerelos
Wie war das doch gleich: “Der erste Seufzer der Liebe ist der letzte der Vernunft”. Wie wahr.
Naja, etwas Trost spendet zumindest Kapitän Blaubär. *g* Da sitzt er nun auf meinem Sofa, 30 cm groß und kuschelig. Als er mich da vorgestern so schön aus dem Laden angrinste, konnte ich einfach nicht anders, als das geforderte Lösegeld zu zahlen und ihn zu mir nach Hause einzuladen! Hoffentlich wäscht sich die Farbe in der Maschine nicht raus. Ob’s die drei Kleinen wohl auch zu kaufen gibt? Fände ich ganz witzig, wenn ich die ganze Familie haben könnte.
Die Pflanzen darf ich auch nicht vergessen… Wäre ja mehr als peinlich, wenn Paps und Margarete nächste Woche aus dem Urlaub kommen und nur noch Dörrobst vorfinden. Wo sie das Zeug doch schon extra aus Dortmund hierher kutschiert haben, um es in meine Obhut zu geben. *g* (Die blöde Königin der Nacht blüht immer noch nicht! Dabei sind jetzt schon seit ewigen Zeiten zwei dicke Knospen dran!)
Tja, und dann müßte ich eigentlich noch an D. schreiben. Aber irgendwie bekomme ich es einfach nicht fertig. Es ärgert mich, daß sie sich nach einem halben Jahr bloß wieder gemeldet hat, um sich auszuheulen und dann noch nicht einmal eine persönliche Mail geschickt hat, sondern eine Sammelmail an J. und mich gleichzeitig. Da kann ich mich dann wirklich nicht ohne weiteres hinsetzen und ihr eine heuchlerische Trost-Mail schicken. Es kommt mir in letzter Zeit ein bißchen zu oft vor, daß bestimmte Leute sich nur an mich wenden, wenn sie mich brauchen, und dann wieder für ewig in der Versenkung verschwinden. Das kann natürlich mal vorkommen, aber bei D. passiert das alle naselang, und so langsam bin ich mir ehrlich gesagt zu schade dafür. Schließlich bin ich nicht die Telefon- oder Mailseelsorge.
A propos Telefon: Freitag habe ich mich mal durch Melody’s Kurzgeschichten gefressen. Bei “Mimi oder Ungarische Nächte” sind mir einfach nur noch die Tränen über das Gesicht gelaufen.
Es würde mich interessieren, ob das nun wirklich so passiert ist, oder aber “nur” erfunden. Und wenn es eine wahre Begebenheit war, dann wüßte ich außerdem noch gerne, in wievielen Sekunden Frau Carola Heine nach dem 9. Januar jenen Menschen in seine Einzelteile zerlegt hat, der Mimi seinerzeit in seiner Wohnung alleine gelassen hatte…
Seite 54 von 54 Seiten « Erste < 52 53 54