Ode an eine Handtasche
OK, der Titel ist mißverständlich. Denn die Betonung liegt auf “eine”.
Vor ein paar Wochen hat meine Handtasche nach Jahren guter Dienste leider den Geist bzw. ihren Gurt aufgegeben. Ich gehöre aber zu der offenbar seltenen Spezies Frau, die zu jedem gegebenen Zeitpunkt nur eine einzige Handtasche besitzt. Da kommt alles rein, was man fürs Überleben mit zwei Kindern im Großstadtdschungel so braucht, und dann wird diese Tasche benutzt, bis sie eben auseinanderfällt. Das ist dann der Zeitpunkt, an dem ich buchstäblich alternativlos bin und mir eine neue besorgen muß. Aber bitte nur eine!
Taschen farblich passend zur Bluse und ähnliche Spielchen sind nicht mein Ding. Den gesamten Inhalt immer wieder hin- und herräumen zu müssen, wäre mir ein Greuel. Handtaschenwechsel ist ungefähr so nervig wie ein Haushalts-Umzug für mich. Überspitzt könnte man es auch Heimatverlust nennen. ^^ Bis ich mich im Dunkel der Unterteilungen wieder blind zurechtfinde, vergehen gut und gerne ein bis zwei Wochen. Taschenkauf ist also eine Pflichtübung - kein Spaß.
Trotzdem habe ich sie schon jetzt sehr gerne, meine Neue. Die übrigens gleichzeitig meine allererste waschechte Wickeltasche ist. Jetzt, wo die Kinder größer sind, kann man sich sowas ja mal gönnen. *g*
Stunden"plan”
Saskias Stundenplan war vor zwei Wochen der erste Grundschulstundenplan, den ich seit 1979 zu Gesicht bekam. Ich war entsprechend verblüfft. Religion, Sport und Musik waren als solche gekennzeichnet. Der Rest bestand aus kleinen Kreuzchen, die wahlweise für irgendeines der verbleibenden Fächer Kunst, Sachunterricht, Mathematik, Deutsch etc. stehen. Keine klare Trennung zwischen den Fächern also. Sehr seltsam für mich alt(modisch)e Schachtel. Bei mir sah das 1975 noch ganz anders aus. Auf dem Elternabend am Montag erklärte die Lehrerin dann, daß es diese Trennung auch nicht (mehr) gibt, weil die Fächer fließend ineinander übergehen.
Seit heute ist mir klar, warum. *g* Tobias malt mit Wasserfarben und erzählt dabei vom “Grüüüfelo”. Ich erwähne, daß der doch aber “Grüffelo” heißt. Saskia will natürlich prompt wissen, wo da beim Schreiben der Unterschied ist. Ich erkläre also die Doppelkonsonanten-Regel samt der Aussprache des Vokals davor. Saskia ist begeistert. Über “Puppen” vs. “Pupen” (großes Gelächter, klar *g*) “Hallo” vs. “Halo” (inklusive Bildersuche auf Google) und ein paar andere Beispiele landen wir schließlich bei “Ratten” vs. “Raten”.
- “Mama, was sind denn Raten?”
- “Ja, also das ist so: Stell Dir vor, ich leihe mir von dir 20 Euro. Aber ich gebe sie dir nicht auf einmal zurück, sondern immer mal wieder 5 Euro. Das sind…”
Saskia unterbricht mich: “Dann mußt du mir vier mal 5 Euro geben!”
Alles klar. Kunst => Deutsch => Sachunterricht => Mathe - all in one. Seit dem Grüüüfelo sind ca. 15 Minuten vergangen. Uff!
Eins steht mal fest: Grundschullehrer haben täglich stundenlang Gratis-Gehirntraining!
Ferienrückblick
Je ein (langes) Wochenende haben die Kinder während der letzten zwei Wochen bei meinen Eltern verbracht; dazwischen haben wir Ausflüge gemacht. Unter anderem ins Bochumer Planetarium, zum Indoor-Spielplatz in Lünen und auch ins Herner Spaßbad. Und dazwischen war ganz viel Zeit zum Ausschlafen und einfach zum Spielen und Faulenzen. OK, und an einem Tag für den Kinderarzt - mit anschließendem Eisessen.
Nun sind sie weg, die beiden, für zwei Wochen mit dem Papa auf Camping-Tour im Wohnmobil. Und ich werde die Gelegenheit nutzen, mal in den Kinderzimmern alles auszumisten, was kaputt und unbrauchbar in den Schubladen und Regalen herumfliegt. Damit hatten wir zwar schon angefangen, aber so wirklich weit kamen wir dank Ferienlaune nicht. *g*
Wie machen die das?
Aus den Berichten auf Twitter und manchen Foren schließe ich mal wieder, daß manche Familien aus der Einschulung ihrer Kinder ein halbes Volksfest machen. Die Verwandtschaft kommt aus allen Teilen der Republik zusammen, Freunde der Familie noch dazu, Geschenke türmen sich wie zur Geburt - und was nicht noch alles.
Feine Sache, wenn alle damit einverstanden sind, aber ich gestehe,ich finde das völlig übertrieben und hätte da mitten in der Arbeitswoche auch überhaupt keinen Nerv drauf. Denn erfahrungsgemäß zieht sich sowas ja abends dann immer bis ultimo; man ist am Kochen & Gäste bedienen und fällt zur Unzeit halbtot ins Bett. Und wenn’s hart kommt, hat man am nächsten Morgen noch Übernachtungsbesuch zu versorgen, bevor die Kinder weggebracht werden und man selbst zur Arbeit muß. Wie machen diese Familien das bloß? Drei Tage Urlaub nehmen, nur für die Einschulung? Hilfe… Bei unserer waren 1975 nicht mal die Väter dabei.
Hier ist geplant, daß wir mit den Kindern nach der Einschulung schön essen gehen - fertig. Am Nachmittag hat Saskia dann sowieso ihre geliebte Reitstunde (eine der letzten auf diesem Hof), und wenn die vorbei ist, ist auch schon fast wieder Zeit fürs Abendessen. Und ich habe den Verdacht, Saskia ist Reiten ohnehin tausendmal lieber als irgendwas sonst. Ich überlege langsam schon, ob ich ihr mal dieses T-Shirt hier bestelle. *g* (Tobias bekäme dann das entsprechende Gegenstück. ^^) Ein neues Fahrrad bekommt sie allerdings von uns Eltern. Besser im Frühherbst als zu Weihnachten; dann hat sie wenigstens noch eine Weile etwas davon, bevor der Schnee kommt. Plus: ihr bisheriges Fahrrad kann dann Tobias direkt übernehmen.
Jugend forscht ^^
Das alte Mikroskop in diesem Haushalt war nicht mehr wirklich zu etwas zu gebrauchen, und so habe ich für meinen ewig neugierigen Nachwuchs ein neues erstanden. Spontan ergab sich aus diesem Kauf ein “Kulturwochenende” bei Lars Fischer - seines Zeichens der vermutlich beste, auf jeden Fall aber der durchgeknallteste deutsche Wissenschaftsblogger. *g*
Was wir da unter die Lupe genommen haben und wie es unter dem Mikroskop aussah, kann man sich hier anschauen:
=> Kulturwochenende: Bakterien und Pilze im Haushalt
Übrigens: Das folgende, zusätzliche Bild entstand mit dem selben Mikroskop am heutigen Abend, bei 1024facher Vergrößerung. Weiß jemand, was es sein könnte? ;o)
12 Tage
So lange fahren sie heute ohne mich in den Urlaub, meine beiden Lütten.
Fast zwei Wochen, in denen ich mich nachmittags nicht ins Eltern-Kinder-Gewühl an den Umkleidebänken im Kindergarten begeben muß. Zwei Wochen, in denen ich essen kann, ohne mich zwischendrin um Geklecker, Streiterei und runtergefallenes Besteck kümmern zu müssen. Zwei Wochen, in denen ein aufgeräumtes Haus ein aufgeräumtes Haus bleiben wird. Zwei Wochen, in denen ich abends von jetzt auf gleich einfach ausgehen kann, wenn mir danach ist. Zwei Wochen, in denen ich nach der Arbeit einfach lesen oder nähen kann, ohne zwischendrin immer wieder für irgendwas aufspringen zu müssen. Zwei Wochen ohne Chauffeurdienst zu Freunden oder zum Reiten.
Zwei Wochen ohne meine beiden kleinen Lieblingsmenschen. Ich freue mich schon darauf, wenn sie wieder da sind!
Antwort an Andrea
An Thalia hatte ich vor ein paar Tagen eine Mail geschickt und meinem Bedauern Ausdruck verliehen, daß die “Hasenfest”-Werbung nach dem teils doch sehr polemisch-aggressiven Protest der Kirchen gehorsam durch den Begriff “Ostern” ersetzt wurde. Als Antwort kam erst eine Eingangsbestätigung und einen Tag später ein 08/15-Textbaustein. Religiöse Gefühle nicht verletzen und so weiter blabla. Nun gut. Die Gefühle und Rechte Nichtreligiöser, die sich von den Kirchen willkürlich gegängelt fühlen, sind also weniger wert. Interessant, aber nicht ganz unerwartet. Sowas Ähnliches hatten wir doch nach den Mohammed-Karikaturen schon mal. Damals zwar von anderen Religionsführern, aber im Grunde scheint da kein so großer Unterschied zu sein.
Nun hat sich Andrea Juchem, eine gläubige Christin, auf ihrem Blog ebenfalls mit der Thalia-Werbung auseinandergesetzt. Aus diversen Gründen möchte ich meinen zweiten und dritten Kommentar zu ihrem Blogeintrag auch hier veröffentlichen. (Zum Besseren Verständnis liest man am besten auch den ersten direkt bei Andrea.)
“Da kann ich mich Herrn oder Frau Dankeschön über mir nur anschließen.
Ist Dir, Andrea, schon mal in den Sinn gekommen, daß Thalia nicht das Fest der Christen in den Dreck ziehen wollte, sondern ganz einfach nur der Tatsasche Rechnung tragen, daß dieses Fest eben für einen beachtlichen Teil der Bevölkerung eher mit Frühling, schönem Wetter, Spaß beim Eiersuchen etc. in Verbindung gebracht wird? Für die meisten Kinder ist es halt das Fest mit dem Hasen, und für einen Großteil der Eltern dementsprechend auch. Was ist denn daran so schlimm?
Wenn Thalia mit einem karikierten Jesus am Kreuz geworben oder statt des Hasen ein auf der Spitze stehendes Pentagramm samt unflätiger Sprache benutzt hätte, könnte ich den Wirbel ja noch verstehen, aber so? Sie haben eben auf den Aspekt des Festes abgezielt, der in der vom Glauben oder Nichtglauben her heterogenen Bevölkerung die größte Resonanz erwarten ließ. Hier will niemand irgendwas in den Dreck ziehen. Das schließe ich schon alleine aus der Tatsache, daß ein Symbol benutzt wurde, welches auch für Christen und insbesondere deren Kinder fast unumstößlich zu diesem Fest gehört: der Hase. Den kennen alle, den mögen alle, der stand noch nie im Verdacht, inakzeptabel zu sein.
Daß dies nicht Jesus und Ostern im christlichen Sinn sind, mag der eine oder andere empörend finden, aber dann sollte man sich vielleicht mal nach den Ursachen fragen. An den immer böser und gleichgültiger werdenden Menschen liegt es wohl eher nicht. Ich habe da eher die Kirchen im Verdacht, die dem Alltag des 21. Jahrhunderts in der Praxis oft nicht mehr gewachsen scheinen. Und es liegt sicher auch an der Tatsache, daß in Deutschland immer mehr Religionen vertreten sind, für deren Anhänger ein nettes, glaubensunabhängiges Frühlingsfest mit Schokolade und Familienfreizeit vermutlich einer der wenigen gemeinsamen Nenner darstellt. Ich finde aufgrunddessen Deine implizite Argumentation erstaunlich, daß man um diese Jahreszeit gefälligst entweder mit Ostern im christlichen Sinn oder gar nicht zu werben habe. Übrigens: Hast Du Deinen Kindern nie Schokoladenhasen zu Ostern geschenkt? Oder (hast Du) sie ihnen empört weggenommen, wenn sie sie von jemand anders bekamen? Kann ich mir nicht vorstellen.
Was Passah, die Kelten etc. angeht: Weihnachten liegt auf der alten Wintersonnwende und Ostern auf dem alten Frühlingsfest. Ein neuer Glaube ist eben leichter zu verbreiten, wenn er sich in gewissem Maß dem anpaßt, was schon da ist. Man läßt der Bevölkerung ihre alten, gewohnten Feste und schraubt eben nach und nach an der Bedeutung. Ist nun mal so. Menschlich. Pragmatisch. Nicht von der Hand zu weisen, was den Ursprung des Festes angeht. Ich kann verstehen, daß Du mir nicht glaubst, denn ich bin keine Historikerin. Daher schlage ich vor, einen solchen zu fragen.
Beim von Dir erwähnten Pessachfest ist es interessanterweise übrigens so, daß Konstantin I auf dem Konzil von Nicäa im Jahr 325 beschloss, daß Ostern und Passah nie auf den selben Zeitpunkt fallen dürfen. Tun sie es rechnerisch doch, wird Ostern auf den Sonntag nach Pessach verschoben. Im Jahr 2000 wurde das z.B. gemacht. Müßte es bei Deiner Argumentation nicht genau andersherum sein?
Und dann hätten wir da noch die Diskrepanz des Oster-Datums zwischen der orthodoxen, der anglikanischen und der westlichen Kirche. Auch hier regieren doch rein menschlich-pragmatische Überlegungen. Und doch feiern sie alle ihr Fest nach ihren Riten, Überzeugungen und Daten, ohne sich die Köpfe einzuschlagen und den jeweils anderen zu verunglimpfen. Kann das nicht bitte auch bei einem Frühlings- oder Hasenfest für Nicht- und Andersgläubige der Fall sein?
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PS: Ich kann verstehen, daß Du an den alten Traditionen hängst und an den Werten, die Du damit verbindest. Und daran soll Dich auch nie jemand hindern dürfen. Ganz klar. Da gibt es wohl keinen Diskussionsbedarf.Aber ich fürchte, man kann diese Traditionen nicht künstlich am Leben erhalten und anderen gegen ihren Willen überstülpen. Und man sollte auch nicht den Fehler begehen, andere des Verlustes der o.g. Werte zu bezichtigen, nur weil das Bekenntnis dazu inzwischen anders und abseits der christlichen Religion stattfindet.
Lebensweisen und Überzeugungen wandeln sich eben. Genausowenig kann man daher das Entstehen neuer Traditionen verhindern, wenn man nicht Unterdrückung und Gewalt anwenden will. Ich finde, hier ist wenn schon keine Akzeptanz so doch wenigstens Toleranz von beiden Seiten gefragt.
Ich wünsche Euch ein schönes Osterfest und hoffe, Du nimmst es mir nicht übel, daß ich und viele andere es eben nicht (mehr) so feiern, wie es die Kirchen jahrhundertelang vorschrieben.”
Ich hätte eine neue Tradition “Hasenfest” eigentlich ganz schön gefunden. Sie hätte allen Religionsgruppen und auch den Nichtgläubigen in Deutschland ein gemeinsames, verbindendes Fest geschenkt. Eines, dessen Anlaß (Frühling, es wird wieder warm, Jungtiere werden geboren, alles blüht - einfach schön!) keinen Glauben erfordert und bei dem es niemand übel nimmt, wenn man vielleicht doch nicht mitfeiern möchte. Aber wer weiß: Vielleicht war ja gerade der Protest gegen das “Hasenfest” das Zünglein an der Waage, das eine Neuorientierung angestoßen hat. In ein paar Jahrzehnten werden wir es wissen.
Feiert schön! (Wie auch immer. ;-) )
E 10
Nein, ich tanke “es” auch nicht, obwohl ich laut Fahrzeughersteller theoretisch dürfte.
Dieses Zeug hat wohl so ziemlich die mieseste Markteinführung hinter sich, die ich je erlebt habe. Einen Kraftstoff auf den Markt zu schmeißen, ohne daß klar ist, wer für eventuelle Schäden am Fahrzeug aufkommt, wo genau der Nutzen für die Umwelt liegt (werden jetzt noch mehr Regenwälder abgeholzt, um die nötige Anbaufläche zu erhalten?) und wie es mit dem Mehrverbrauch aussieht (der ADAC spricht von 1,5%, manche Autofahrer berichten aber von bis zu 4 Liter auf 100 km) - das ist einfach unglaublich dämlich.
Im Prinzip hätten sich Regierung, Automobilhersteller und Mineralölkonzerne zumindest mal an einen Tisch setzen und eine Art “Haftungvertrag” aushandeln müssen, bevor das Zeug in die Zapfsäulen kam. Wer haftet, wenn ein Auto durch E 10 beschädigt wird? So aber muß ich als Verbraucher bei unbewiesenem Nutzen das volle Risiko mit allen Kosten allein tragen. Im Zweifelsfall wird schließlich jeder andere Beteiligte die Verantwortung von sich weisen. Die Automobilhersteller, weil sie ihre Hinweise extra mit schwammigen Formulierungen wie “aktueller Kenntnisstand” verklausuliert haben, aus denen sie sich jederzeit nachträglich rauswinden können. Die Mineralölfirmen, weil sie einen ja nicht zum Tanken gezwungen haben, der Tankstellenpächter aus dem selben Grund und die Regierung sowieso. Währenddessen rechtfertigt der Preis nicht einmal den offenbar doch durchaus meßbaren Mehrverbrauch.
Nee, Leute, auf E 10 kann ich verzichten.
Ein willkommener Anruf:
Ab 18. April werde ich - wenn alles klappt *hust* - nicht mehr über die Telekom, sondern über DOKOM21 surfen und telefonieren. (Und für Notfälle habe ich noch meinen Surfstick und das Handy. Überlebenskit 2.0, sozusagen. *g*) Warum? Darum. Daß das dann insgesamt auch noch um ein Drittel preiswerter ist, sei nur am Rande erwähnt.
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