Nachtrag zur Schuldebatte

Dienstag, 27. Juli 2010

Wer die elitären “Bildungsbürgertumeltern” dafür verantwortlich machen will, daß Migranten und Kinder aus armen Haushalten weniger oft Abitur machen, dem sei dieser Artikel über die Vorgehensweise der Arbeitsagentur ans Herz gelegt:

Zitat:
“Wie weit dürfen Jobcenter gehen? Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen kontrollieren sie die Zeugnisse von Schülern mit Hartz-IV-Eltern - und drohen mit Sanktionen, teils ohne Rechtsgrundlage. 16-Jährige fühlen sich bedrängt, eine Ausbildung zu beginnen. Dabei wollen sie weiter zur Schule gehen.”

Ja, am System muß sich was ändern. Aber das Schulsystem scheint mir da doch eher weniger betroffen. Denn das, was da oben beschrieben wird, kann auch keine Gesamtschule vom Kindergarten bis zum Doktortitel richten. Ebensowenig wie eine Gesamtschule die Vorurteile gegenüber Ausländern aus so manchem Lehrerkopf rausbekommen wird. Die da über die weiterführende Schule entscheiden dürfen, ohne sich abstimmen oder gar rechtfertigen zu müssen.

Hamburg

Montag, 19. Juli 2010

Ich gebe - falls das überhaupt noch nötig ist - ganz offen zu, daß mich der Ausgang des Volksentscheids in Hamburg mit Genugtuung erfüllt. Die Reaktionen der Linksgerichteten zeigt mir hingegen nur eins: Sie haben nicht mal ansatzweise kapiert, warum die Eltern so entschieden haben, wie sie entschieden haben. Gut, ein Teil wird einfach froh gewesen sein, dem Senat eins auszuwischen, unabhängig von den Inhalten des Volksentscheids. Der größte Teil jedoch dürfte aufgrund eigener Erfahrungen mit seinen eigenen Kindern und aus seiner eigenen Kindheit gehandelt und abgestimmt haben. Eine Entscheidung gegen längeres gemeinsames Lernen ist in erster Linie die Entscheidung für das eigene Kind, nicht gegen die anderen. Den Eltern jedoch umgehend die niedrigstmöglichen Beweggründe inklusive Rassismus und asozialem Denken vorzuwerfen, wird den Graben auf dem Bildungssektor nur noch weiter vertiefen. Stattdessen wäre es angebracht, sich auch mit den Sorgen und Wünschen dieser Eltern mal gründlicher zu befassen und sie ernst zu nehmen, statt sie mit sozialromantisch eingefärbten Ideologien beiseite zu wischen und zu verurteilen.

Ich kann die Gedankengänge der Hamburger Eltern gut verstehen. Sie mach(t)en sich Sorgen, daß die leistungswilligen und -fähigen Kinder als Hilfslehrer mißbraucht worden wären (Modebegriff “soziales Lernen” - und das dann auch noch zwei Jahre länger als bisher). Daß sie mit den Schwächeren Stoff hätten durchkauen müssen, den sie selbst längst beherrschen. Und somit daran gehindert worden wären, sich selbst etwas Neues nach ihren eigenen Fähigkeiten zu erarbeiten. Sie machen sich Sorgen, daß auf dem Rücken ihrer Kinder Grabenkämpfe der Bildungs- und Sozialpolitik ausgetragen werden, deren Konsequenzen noch gar nicht absehbar sind. Sie machen sich Sorgen, daß der gesunde Menschenverstand ignoriert wird, der einem sagt, daß eine Kette immer nur so stark ist wie ihr schwächstes Glied. Spielt jemand von den Grünen oder gar der SPD ”Das Schwarze Auge”? Wie lautet dort die Regel für die Reisegeschwindigkeit einer Gruppe? Die Gruppe kann immer nur so schnell voran kommen, wie ihr langsamstes Mitglied. Warum wohl? Aha.

Das hat auch nichts mit Rücksichtslosigkeit zu tun. Rücksichtslos wäre, wenn die besseren Schüler absichtlich den Unterricht stören, damit die schwächeren noch weniger mitbekommen. Es ist nur dummerweise meist genau umgekehrt. Rücksichtslos wäre es aber auch, wenn ein System umgesetzt würde, welches den Leistungsfähigeren real existierende Chancen nimmt, nur um anderen eine Chance zu geben, deren Existenz noch gar nicht erwiesen ist. Noch dazu, obwohl es auch anders ginge - wenn man denn wollte. Aber das würde ja Geld kosten.

Besitzstandswahrung? Ja, natürlich. Oder läßt irgendeiner der geneigten Leser dieses Blogs sperrangelweit seine Haustür offen stehen, wenn er morgens zur Arbeit fährt, und gibt seinen Hausrat zur Selbstbedienung frei? Nicht? Wie asozial, elitär und ungerecht, wo doch so viele Leute nur so wenig besitzen! </ironie>

Ja, ich kann die Sorgen dieser ach so elitären, asozialen, egoistischen, faschistischen, rechtsradikalen, rassistischen (habe ich was vergessen? War keine Absicht, man verliert nur so leicht den Überblick, bei dieser bewundernswerten Vielfalt der Vorwürfe) Eltern verstehen. Denn ich bin eins der Kinder, die die Berechtigung dieser Sorgen am eigenen Leib erlebt haben. Ich weiß aus eigener Erfahrung, daß die Sache mit dem längeren gemeinsamen Lernen für die (geistig) stärkeren Schüler in vielerlei Hinsicht eine Qual sein kann. Ich persönlich war bei einer ganzen Reihe von Mitschülern froh, daß ich ihnen und ihren Fäusten und Füßen nach vier Jahren nicht mehr begegnen mußte und endlich!!! einen völlig anderen Schulweg hatte als sie. Noch zwei Jahre mehr und ich weiß nicht, ob ich nicht doch an der Grundschule zerbrochen wäre. Diese Schüler - die schlechtesten der Klasse - wollten schon von der ersten Klasse an weder von mir noch von den Lehrern etwas lernen. Für sie war meine Leistung und mein Leistungwille nur ein rotes Tuch, das ihnen ihre eigenen Schwächen vor Augen führte. Im Leben würde ich nicht riskieren, meine eigenen Kinder Derartigem auszusetzen!

Wer jetzt meint, das sei die Schuld der unfähigen Lehrer, der irrt sich. Wir hatten mehrere Fach- und einen Klassenlehrer (Helmut Wittig - ein großartiger Mensch und Pädagoge!), die sich damals (1975-1979) schon sehr viel Mühe gaben, selbst den Schwächsten geduldig alles wieder und wieder zu erklären. Gleichzeitig waren sie bemüht, meine Langeweile durch Sonderaufgaben abzufangen. Wir waren übrigens seinerzeit alle(!) noch Schüler ohne Migrationshintergrund. Es ist also nicht am Lehrer gescheitert. Auch nicht am Schulsystem und erst recht nicht an den bösen angeblichen Rassisten, sondern schlicht daran, daß eine ganze Reihe von Schülern schon von Anfang an im Elternhaus vermittelt bekommt, daß Leistungswille nichts Erstrebenswertes ist und die Guten im Grunde die Bösen, zumindest aber die Dümmeren sind. Bei genauerer Betrachtung also genau die selbe Einstellung, die die Linksgerichteten gegen das sog. Bildungsbürgertum hegen. Ich gehe daher so weit zu behaupten, daß diese Einstellung durch viele Reaktionen auf die Abstimmung von gestern noch verschärft wird. Warum sollten schwache Schüler von guten lernen wollen, wenn sie mitbekommen, daß Ehrgeiz und Wissenshunger als asoziales, elitäres Strebertum abgestempelt werden?

Bleibt nur zu hoffen, daß die neue Regierung in NRW die Zeichen der Zeit noch rechtzeitig erkennt. Denn auch wenn ich ihr höchstens zweieinhalb Jahre gebe, ist der Schaden, der in dieser Zeitspanne auf dem Bildungssektor angerichtet werden kann, enorm. Hamburg hat’s gerade noch rechtzeitig verhindert. Hier bin ich leider etwas weniger optimistisch.

Liebe SPD und liebe Grüne:

Sonntag, 18. Juli 2010

Hamburg ist überall. Auch in NRW.

http://blog.zeit.de/schulblog/2010/07/18/hamburger-schulreform-primarschule-gescheitert-vernunft-hat-gesiegt/

Liebe Frau Kraft,

Donnerstag, 17. Juni 2010

langsam kann ich Ihr Gefasel nicht mehr hören, daß die CDU angeblich abgewählt worden sei, am 9. Mai in NRW. Ich weiß aber ganz sicher eins: Die SPD ist jedenfalls nicht gewählt worden. Herzlichen Glückwunsch und willkommen in der Realität. Darf ich Sie ein wenig herumführen?

Darf ich Sie kurz daran erinnern, daß immer noch das absolute Wahlergebnis zählt, und nicht die Differenz zum Ergebnis der Wahl davor? Wenn ich richtig informiert bin, haben Sie und die CDU zwar gleich viele Sitze, aber die CDU hat immer noch ein paar Stimmen mehr bekommen als Sie. Was ganz konkret bedeutet: Es wollen trotz allem immer noch mehr Menschen von der CDU regiert werden als von Ihnen. Das Wahlergebnis insgesamt könnte man entweder so auslegen, daß die Bürger eine große Koalition begrüßen würden. Oder auch dahingehend, daß sie nicht wissen, ob sie den Regen oder die Traufe wählen sollen, weil sie eigentlich niemandem mehr eine effiziente Regierung zutrauen. Aber wohl immer noch eher der CDU als Ihnen. Ist das noch immer nicht durchgedrungen?

Sie jedenfalls kommen mir mit ihren Leuten derzeit vor wie ein Kind, das bei Räuber und Gendarm wider seinen Willen in der Räubertruppe gelandet ist und nun mangels Verbündeter droht, den anderen die Spielzeugpistolen kaputtzumachen. (”Aus der Opposition heraus regieren” - ah ja. Ich persönlich bin eher geneigt, das frei von der Leber weg als organisierte Quertreiberei zu bezeichnen.) Die Option, die Gruppen nochmal neu aufteilen zu lassen - sprich: Neuwahlen -, lehnen Sie auch ab. Sonst müßten Sie ja evtl. der Tatsache ins Auge sehen, daß man Sie nach dieser Trotz- und Bockaktion wieder nicht unter den Gendarmen haben will. Kein Wunder. Nach dem Koalitions- bzw. Nichtkoalitions-Heckmeck, das Sie mit den anderen Parteien veranstaltet haben, ist es wohl mehr als wahrscheinlich, daß Sie im nächsten Durchgang noch weniger Stimmen bekämen.

Könnten Sie sich bitte im Interesse der Bürger wenigstens kurz mal darauf besinnen, wer von wem und vor allem zu welchem Zweck überhaupt gewählt wurde? Für Kindergartenspielchen sicherlich nicht. Für uns Bürger wären Neuwahlen mittlerweile jedenfalls die fairste und effizienteste Lösung. Aber Sie geben ja lieber den Kohl und sitzen einfach alles aus. Na das nenne ich doch mal Engagement fürs Volk!

Mit freundlichen Grüßen,

Eine definitiv Ex-SPDwählerin

PS: Ist es Zufall, daß die Suche nach den Begriffen “Volksnähe” oder auch nur “Basisnähe” auf dem Server der SPD keine Treffer liefert? Ich mein’ ja nur… ^^

Soziales Pflichtjahr - zum Glück schon lange vom Tisch

Samstag, 22. Mai 2010

Mit der nun beschlossenen Verkürzung des Wehrdienstes geht natürlich auch eine solche des Zivildienstes einher. Und schon liest man wieder die ersten Forderungen nach einem sozialen Pflichtjahr, weil ja nun der Pflegebranche die Zivis fehlen werden bzw. sich deren Einarbeitung kaum noch lohnt.

Sehen wir für den Moment mal ab davon, daß ein Soziales Pflichtjahr schon 2004 für verfassungs- und völkerrechtswidrig erklärt wurde, weil mit Zwangsarbeit gleichzusetzen. Sehen wir des weiteren erst einmal davon ab, daß Zivis keine echten Jobs gefährden dürfen. Und sehen wir auch davon ab, daß auch die karitativen Verbände gar nicht wirklich Wert darauf legen, unwillige Zwangsverpflichtete auf die Pflegebedürftigen loszulassen. Nachtrag: Und von den finanziellen Aspekten reden wir lieber überhaupt nicht. Sehr interessante Lektüre auch im Hinblick auf andere Aspekte.

Beschäftigen wir uns stattdessen mit der Tatsache, daß es Leute gibt, die für Pflegeberufe schlicht nicht geeignet sind. Ich bin zum Beispiel eine von ihnen. Ich mag nicht von fremden Menschen angefaßt werden, ich mag sie meinerseits nicht anfassen - und schon gar nicht will ich gezwungen werden, sie anzufassen. Schon die sich immer weiter ausbreitende Buss-Bussi-Sitte ist mir unangenehm; ich will mein Gesicht nicht zur Begrüßung an das eines anderen drücken müssen. Ist mir zuwider. Erzwungene physische Nähe zu Fremden macht mich aggressiv.

Und nun gehe ich mal richtig ans Eingemachte: Mir wird sogar physisch übel, wenn ich bei einem Kleinkind eine versch...e Windel wechseln muß. Ja, sogar bei meinen eigenen Kindern. Bis sie jeweils ca. 3 Jahre alt waren, hat es mir nichts ausgemacht, aber dann kam irgendwann der Punkt, an dem ich am liebsten danebengekotzt hätte und auch tatsächlich meistens würgen mußte. Wie ich bei einem Erwachsenen reagieren würde, lasse ich lieber mal offen. Besser würde es aber mit Sicherheit nicht. (Gottseidank hat sich das Problem hier zu Hause von selbst erledigt, denn irgendwann um dieses Alter herum werden Kinder ja schließlich trocken und sauber.) Ich liebe die zwei, keine Frage, das wird auch jeder bestätigen, der uns kennt. Aber es gibt eben Dinge, die gehen bei mir nicht oder nur im allergrößten Notfall, und auch dann nur mit innerlichem Sträuben. Da hilft selbst die vielbeschworene Mutterliebe nicht. Ich habe es gemacht, klar. Aber nicht ohne den Wunsch, am liebsten weit, weit wegzulaufen. Je-des-mal.

Während ich dies hier schreibe, suche ich nach einem Vergleich: Was würde ich lieber tun als einen noch dazu fremden Menschen eng physisch zu betreuen oder gar seine Ausscheidungen zu beseitigen? Mir fällt auf Anhieb nichts ein, das ich nicht lieber täte. Einen verstopften, stinkenden Abfluß reinige ich ohne mit der Wimper zu zucken, aber als Pflegepersonal wäre ich eine Katastrophe für mich selbst und den zu Pflegenden.  Und es ist mir auch umgekehrt schon passiert, daß ich mit Fieber und Puddingbeinen lieber mein eigenes Erbrochenes weggewischt habe (das macht mir übrigens auch bei anderen nichts aus), statt zuzulassen, daß mein Partner bei dieser Tätigkeit vor Ekel ohnmächtig umkippt. Das macht aber weder ihn noch mich in meinen Augen zu bösen, asozialen Menschen und es hat auch nichts mit mangelnder Liebe zu tun.

Wer nun argumentieren möchte, es gebe für Leute wie mich ja auch noch anderer Arten, im sozialen Bereich Hilfe zu leisten, der sei nun wiederum auf die oben genannten Argumente gegen Zwangsarbeit verwiesen. Was eigentlich passieren müßte, wäre eine Steigerung der Attraktiviät der Pflege- und sonstigen sozialen Berufe. Es gibt sicherlich genügend willige Geeignete - wenn sie denn mit diesen Berufen halbwegs komfortabel sich selbst und eine Familie ernähren könnten. Dann wäre auch die geforderte Kontinuität des Service und ein wachsender Erfahrungsschatz gewährleistet. Statt hier etwas zu ändern jedoch Jugendliche und junge Erwachsene zwangszuverpflichten, ist ganz sicher nicht der richtige Ansatz.

Medizinische Sicherheit für Kinder (MSK) - Petitionsentwurf

Dienstag, 02. März 2010

www.msk-petition.de
Die Petition wurde nun unter der Nummer 10684 eingereicht. Einige Sätze mußten leicht gekürzt werden, da eine geringfügig kleinere Anzahl von Zeichen zur Verfügung stand als der ursprüngliche Text benötigt hätte. Ich denke aber, die Kürzungen sind noch im vertretbaren Rahmen und ändern nichts an Inhalt, Umfang und Begründung der Petition.

Nochmals herzlichen Dank an Euch alle für Eure Mithilfe! grin Ich werde es natürlich umgehend bekanntgeben, sobald die Petition vom Ausschuß für die Mitzeichnung freigeschaltet ist.
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Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass das Heilpraktikergesetz um folgenden Satz bzw. sinngemäß wie folgt ergänzt wird: “Die Erlaubnis nach § 1 berechtigt nicht zur Ausübung der Heilkunde an Schwangeren, Minderjährigen und Betreuten.”

Begründung:
Eine wachsende Anzahl von Eltern läßt ihre Kinder selbst bei anhaltenden starken Beschwerden von Laienmedizinern wie z. B. Heilpraktikern behandeln. Minderjährige, insbesondere Säuglinge und kleinere Kinder, sind dabei ihren Eltern und deren Entscheidungen ausgeliefert und haben selbst keine Möglichkeit, die Risiken einer Behandlung durch Laien abzuwägen oder eine solche abzulehnen.

Laienmediziner durchlaufen jedoch in Deutschland keine gesetzlich geregelte Ausbildung - eine Tatsache, die die Bundesärztekammer bereits mehrfach beanstandet hat. Die von Laienmedizinern absolvierten Tests unterliegen bzgl. Umfang, Themenauswahl u. Schwierigkeitsgrad zudem keinerlei Prüfungsordnung. Spezielle Krankheitslehre muss nicht explizit nachgewiesen werden. Der Wissensstand variiert also stark und kommt in keinem Fall einem vollständigen Medizinstudium auch nur annähernd nahe. Die Fähigkeit der Laienmediziner, Erkrankungen ebenso akkurat und rechtzeitig einzuschätzen und zu behandeln wie ein approbierter Arzt, ist also nicht gewährleistet. Nicht nur müssen Kinder daher oft unnötig lange unnötig heftige Schmerzen erleiden, sondern es besteht auch das Risiko, daß bei zu lange hinausgezögerter echter Behandlung ein Notfall eintritt, der im Extemfall lebensbedrohlich ist und/oder langfristige Beeinträchtigungen des Kindes nach sich zieht. Darüber hinaus werden Laienmediziner in Schadensfällen auch als Laien zur Verantwortung gezogen. Das heißt, sie haften für Fehler bei weitem nicht im selben Umfang wie ein Arzt. Ihnen die medizinische Behandlung von Kindern in der Entwicklung anzuvertrauen, ist schon aus diesen Gründen guten Gewissens nicht vertretbar.

Erschwerend kommt hinzu, daß viele alternative Behandlungsmethoden auf wissenschaftlich unhaltbaren Aussagen fußen, die oft mit irrationaler Ablehnung klassischer, bewährter Methoden einhergehen. Insbesondere Antibiotika, Impfungen oder Chemotherapien werden hier häufig prinzipiell und kategorisch abgelehnt. Stattdessen werden Methoden und Mittel eingesetzt, deren Wirkung bei wissenschaftlicher Überprüfung bestenfalls auf einen Plazeboeffekt zurückzuführen ist oder die für eine Heilung nicht ausreichend sind. Des weiteren sind aktuellen Studien zufolge alternative Diagnoseverfahren nicht besser als der Zufall. Das Risiko von Fehldiagnosen, falschen Behandlungsempfehlungen und Nicht-Erfassen des Schweregrades einer Krankheit ist also erheblich.

All dies ist weder mit dem Recht des Kindes auf die durch die UN-Charta zugesicherte optimale medizinische Versorgung, noch mit dem Recht auf Schutz vor körperlicher und seelischer Gewalt zu vereinbaren. Es muß daher das Recht des Kindes Vorrang haben, von Anfang an mit angemessenen und ausreichenden Mitteln und Methoden behandelt zu werden, deren Wirkung nach wissenschaftlich gesicherten Standards erforscht worden ist. Aufgrunddessen sollte die Behandlung von Schwangeren, Minderjährigen und Betreuten grundsätzlich nur zugelassenen Ärzten gestattet sein.
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Ein herzliches Dankeschön geht an dieser Stelle an Lars Fischer und Marcus Anhäuser, die beim allerersten Textentwurf so engagiert mitgeholfen haben.

Längst nicht nur für Wissenschaftler:

Montag, 09. November 2009

Dem Deutschen Bundestag wurde eine neue Petition vorgelegt, in der darum gebeten wird, die Ergebnisse steuerlich finanzierter Forschung öffentlich und kostenlos zugänglich zu machen. Der Einfachheit halber möchte ich die meines Erachtens sehr einleuchtende Begründung hier direkt zitieren und Euch bitten, die Petition anschließend mit zu unterzeichnen:

Die öffentliche Hand fördert Forschung und Entwicklung nach Angaben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung jährlich mit etwa 12 Milliarden Euro. Die Ergebnisse dieser Forschung jedoch werden überwiegend in kostenpflichtigen Zeitschriften publiziert. Es ist nicht angemessen, dass der Steuerzahler für die von ihm finanzierten Forschungsergebnisse erneut bezahlen muss.

Wegen der hohen Kosten und der Vielzahl wissenschaftlicher Zeitschriften sind Forschungsergebnisse nur in wenigen Bibliotheken einsehbar. Den meisten Bürgern ist der Zugang zu der von ihnen finanzierten Wissenschaft dadurch nicht nur erschwert, sondern de facto ganz verschlossen.

Den Bürger von der Wissenschaft auszusperren ist nicht nur schädlich, sondern auch unnötig. Andere Länder haben vergleichbare Vorhaben bereits umgesetzt. Die US-Amerikanische Behörde National Institutes of Health (NIH) verlangt, dass alle von ihr finanzierten Publikationen binnen 12 Monaten an einem zentralen Ort öffentlich zugänglich sind. Die grundsätzliche Struktur des wissenschaftlichen Publikationswesen verändert sich hierdurch nicht.

Bildung und Wissen gehören in Deutschland zu den wertvollsten Gütern und wichtigsten wirtschaftlichen Erfolgsfaktoren. Schon alleine aus diesem Grund ist es in unser aller Interesse, daß diese Petition genügend Mitzeichner findet. Von der Tatsache, daß man sich vor dem Unterzeichnen registrieren muß, solle man sich bitte nicht abschrecken lassen. Irgendwie muß ja gewährleistet sein, daß das Ganze nicht zur Jux-Aktion verkommt, denn schließlich geht es => hier <= um mehr als eine Wahl zur “Miss Blogsphere”.

Brief an einen Kardinal

Freitag, 06. November 2009

Sehr geehrter Herr Meisner,

vor einiger Zeit las ich irgendwo den Spruch: ”Integrität ist, wenn man sich beim Gähnen auch dann die Hand vor den Mund hält, wenn einen niemand sieht.

In diesem Zusammenhang würde ich mich zu gerne mal mit Ihnen darüber unterhalten, wie Sie eigentlich auf die Idee kommen, Atheisten seien so bar jeglichen Gewissens[1], daß Atheismus-Werbung auf Bussen ”wie in früheren Zeiten viele Menschen buchstäblich das Leben kosten” könne? (Quelle)

Soviel mir bekannt ist, hat durch Kreuzzüge, Inquisition, Proselytismus & Co. die Kirche allerorten mehr Tode verschuldet als der Atheismus, aber das sei nur nebenbei bemerkt. Religionskriege allgemein gehören auch heute noch zu den hartnäckigsten, weil jeder meint, das wahre Gottesbild für sich gepachtet zu haben. Aber sei’s drum. Auch darauf, daß Sie Herrn Dawkins in die Nähe der Nationalsozialisten rücken, sei hier nicht näher eingegangen. Godwins Gesetz ist erfahrungsgemäß für Leute, die sich in die Enge getrieben fühlen. Da muß man wohl nicht näher drauf eingehen. Auch über die Rolle der Kirche im Dritten Reich möchte ich mich hier nicht unterhalten.

Mich interessiert vielmehr Ihr Menschenbild. ”Die wissenschaftliche Vernunft verliert ihr Korrektiv, wenn sie von allen geistigen und religiösen Wurzeln abgeschnitten wird”, sagen Sie? Nun, mir persönlich erscheint es tatsächlich so, daß Gottesgläubigkeit und Religion zunehmend an Bedeutung verlieren, je mehr eine Gesellschaft in der Lage ist, die Phänomene der Natur zu verstehen und ihre Mechanismen zu erklären. Das macht diese Phänomene aber zumindest für mich nicht weniger faszinierend und bestaunenswert. Ebensowenig wie ein Kind, das duch Klonen, IVF oder sonstige Techniken der künstlichen Befruchtung entstanden ist, weniger wertvoll oder weniger als Geschenk empfunden wird. Ganz im Gegenteil. Gerade die Bemühung dieser Techniken ist ja darauf zurückzuführen, daß diese Kinder ganz besonders herbeigesehnt werden.

Ebenso sind Atheisten auch bzw. gerade fernab eines Gotteskonzeptes in der Lage, den Menschen als und für das zu schätzen, was er ist und ihn entsprechend zu behandeln. Da haben wir sie wieder, die eingangs zitierte Integrität. Mir persönlich ist ein Atheist, der sich an Kant orientiert, jedenfalls wesentlich lieber als ein Christ, der sich nur dewegen wohlverhält, um bei einem vermeintlichen Gott Pluspunkte zu sammeln. Es mag sein, daß Atheisten den Kopf schütteln über Gottesglauben. Angesichts der vielzähligen Ungereimtheiten, die mit den meisten Religionen einhergehen, scheint mir das auch wenig verwunderlich. Aber bisher ist mir noch nicht zu Ohren gekommen, daß Atheisten “Andersgläubigen” nur aufgrund dieses Glaubens spontan den Schädel gespalten haben. Sie resignieren höchstens. Umgekehrt jedoch… Siehe oben.

Und wenn wir mal ehrlich sind: Eine Kirche, die sich bis heute nicht für die Hexenverbrennung entschuldigt hat, die Wissenschaftler aus Machterhaltungsgründen exkommuniziert und vor wenigen Jahren überhaupt erst anerkannt hat, daß die Erde tatsächlich um die Sonne kreist, statt umgekehrt, muß sich nicht wundern, wenn Wissenschaftler sie nicht ernst nehmen und ihre moralischen Grundsätze lieber aus anderen, handfesteren Quellen beziehen. Die, ganz am Rande bemerkt, nicht die schlechtesten sind.

Anders gesagt: Atheisten werden durch das Fehlen eines Gottesglaubens nicht automatisch auf ihre animalischen Instinkte reduziert. Dies anzunehmen, kommt einer Arroganz gleich, die die Kirche - zumindest aber bestimmte ihrer Vertreter - als moralische Instanz nur noch weiter disqualifiziert.

Mit freundlichen Grüßen

Ute G.

[1] Nachtrag: Dank für den Link an Jörg

Die Freunde aus dem Internet

Freitag, 25. September 2009

Wenn ich daran denke, daß Frau Merkel beim Wuppertaler Flashmob blumig ihre ”Freunde aus dem Internet” begrüßt hat, könnte ich wieder mal in die Tischkante beißen. Offenbar spaltet sich die CDU (und nicht nur sie) in zwei Lager: Die einen halten das Internet für eine Art Paralleluniversum mit Freaks von fremden Planeten, die man nicht ernst nehmen muß. Die anderen haben es als das erkannt, was es - bei richtigem Gebrauch - durchaus sein kann: Ein Informationsmedium, dessen Gestaltung und Speisung durch das Kollektiv man kaum Einhalt gebieten kann und das Ungereimtheiten aller Art früher oder später gnadenlos entlarvt. Statt sich dies aber nun für einen echten Dialog zunutze zu machen, betrachten sie es als Gefahr. Beide Sichtweisen werden sich noch übel rächen.

Das waren keine Freunde “aus dem Internet”. Das waren Bürger aus dem realen Leben, die die Nase voll haben davon, nur als Stimmvieh mißbraucht zu werden und vor jedem Dialog mit der “Obrigkeit” ihr Gehirn an der Garderobe abgeben zu müssen. Das Internet ist der Versammlungsort, in dem man mit dem Ruf ”Aber der Kaiser hat ja gar keine Kleider an!” auch als Privatmensch auf einen Schlag Hunderte, wenn nicht gar Tausende erreichen und mobilisieren kann.

Heute morgen hat mich z. B. ein Mit-Twitterer in einer Direkt-Nachricht auf diesen Artikel in der Süddeutschen aufmerksam gemacht: “Verfassungsschutz soll zur Polizei werden.”

Wenn nicht ein Kalender neben mir gehangen hätte, hätte ich gedacht, es sei der 1. April. Die in dem Artikel beschriebenen Szenarien muß man sich mal genüßlich auf den Synapsen zergehen lassen. Das ist de facto eine Carte Blanche für die Exekutive.

Da der Link und einige äquivalente Artikel in anderen Zeitungen schnell die Runde machten, habe ich zunächst nicht darüber gebloggt. Doch je mehr ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir, daß jeder Einzelne zählt, der hierdurch vielleicht nochmals überdenken möchte, ob man der CDU am Sonntag tatsächlich seine Stimme geben kann.

In diesem Sinne: Klarmachen zum Ändern!

Mal eine Frage an die Erfahreneren:

Dienstag, 07. April 2009

Kann das für ein Kind mit dem Erlernen eines Instruments klappen, wenn die Eltern dabei - vom “Fahrdienst” mal abgesehen - null Unterstützung bieten können?
(Weil sie erstens keine Noten lesen können und überhaupt und generell so musikalisch sind wie zwei rostige Blecheimer.)

Die Frage des Tages,

Donnerstag, 12. März 2009

nicht nur bei Kari gelesen: ”Nach dem Amoklauf - was sagt Ihr Euren Kindern?

OK, meine beiden sind gerade bzw. noch nicht mal im Kindergarten, aber wären sie im entsprechenden Alter… Ich würde ihnen - altersgerecht verpackt - sagen, was ich auch mir selbst sage: Die Wahrscheinlichkeit, daß so etwas in der eigenen Schule passiert, ist verschwindend gering. Es ist immer noch wesentlich gefährlicher, die Hauptstraße zu überqueren. Dennoch wird man keine Wahl haben, genau dies zu tun (bzw. eben auch in die Schule zu gehen), wenn man weiterhin ein normales Leben führen möchte. Ein mulmiges Gefühl ist verständlich, aber jetzt zu erstarren wie das Kaninchen vor der Schlange, ist völlig unnötig. Und das mulmige Gefühl wird mit der Zeit nachlassen und schließlich verschwinden. So wie nach Erfurt auch.

Und - davon ganz abgesehen - seien wir doch mal ehrlich: Die reißerische Berichterstattung (jede Minute das neueste blutige Detail, Interviews mit schockierten Kindern auf allen Kanälen, das Video vom Selbstmord des Täters, etc.) trägt doch auch zu dieser Angstwelle bei, die momentan in den Schulen umzugehen scheint. Ich verabscheue diese sensationslüsterne Panikmache, dieses Hochpuschen einer Gefahr, die nur sehr punktuell überhaupt eine ist. Mich erinnert sowohl die Berichterstattung als auch die Art, wie sie von der Öffentlichkeit konsumiert wird, sehr stark an Unfalltourismus und Glotzen auf der Autobahn, wenn’s gescheppert hat. 

Über Inhalte und Formen. Und so.

Dienstag, 10. März 2009

So ein- bis zweimal im Jahr packt mich die Ausmistwut. Man sollte ja meinen, daß nach drei Umzügen in acht Jahren plus einer Haushaltszusammenlegung ohnehin schon nicht mehr allzuviel Überflüssiges übrig ist, aber es sammelt sich doch immer wieder etwas an. Was Besitztümer angeht, bin ich jedoch gewissermaßen Minimalist. Ich bin kein Freund von Rumsteh-Nippes. Damit ich einen Gegenstand dauerhaft behalte, muß er entweder einen bestimmten Zweck erfüllen, irgendwie außergewöhnlich sein oder mich an etwas Besonderes erinnern. Alles andere fliegt eher früher als später raus. ”Kann man vielleicht nochmal brauchen” ist für mich kein gültiges Argument, solange ich keinen konkreten Nutzen vorhersehen kann.

Tja… Um so verwunderlicher ist es vermutlich, daß auf meinem Schreibtisch ausgerechnet eine leere, ausgespülte Sektflasche steht, die wegzuwerfen mir gar nicht in den Sinn kommt. Wollte ich nur mal so erwähnt haben. Denn mir fiel erst heute aus heiterem Himmel ein und auf, daß derjenige, der mir diese Flasche seinerzeit (gefüllt) geschenkt hat, evtl. von jenem Eintrag vor kurzer Zeit etwas… ähm… verwirrt worden sein könnte. Ich habe echt nicht mehr daran gedacht. Wahrscheinlich gerade weil ich mich über jene Flasche damals so gefreut habe. Da steckte nämlich eigentlich viel mehr drin als “nur” Sekt. (Der übrigens mit viiiiieeeeel O-Saft tatsächlich getrunken wurde. ;-))

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