Liebe Frau Kraft,
Donnerstag, 17. Juni 2010
langsam kann ich Ihr Gefasel nicht mehr hören, daß die CDU angeblich abgewählt worden sei, am 9. Mai in NRW. Ich weiß aber ganz sicher eins: Die SPD ist jedenfalls nicht gewählt worden. Herzlichen Glückwunsch und willkommen in der Realität. Darf ich Sie ein wenig herumführen?
Darf ich Sie kurz daran erinnern, daß immer noch das absolute Wahlergebnis zählt, und nicht die Differenz zum Ergebnis der Wahl davor? Wenn ich richtig informiert bin, haben Sie und die CDU zwar gleich viele Sitze, aber die CDU hat immer noch ein paar Stimmen mehr bekommen als Sie. Was ganz konkret bedeutet: Es wollen trotz allem immer noch mehr Menschen von der CDU regiert werden als von Ihnen. Das Wahlergebnis insgesamt könnte man entweder so auslegen, daß die Bürger eine große Koalition begrüßen würden. Oder auch dahingehend, daß sie nicht wissen, ob sie den Regen oder die Traufe wählen sollen, weil sie eigentlich niemandem mehr eine effiziente Regierung zutrauen. Aber wohl immer noch eher der CDU als Ihnen. Ist das noch immer nicht durchgedrungen?
Sie jedenfalls kommen mir mit ihren Leuten derzeit vor wie ein Kind, das bei Räuber und Gendarm wider seinen Willen in der Räubertruppe gelandet ist und nun mangels Verbündeter droht, den anderen die Spielzeugpistolen kaputtzumachen. (”Aus der Opposition heraus regieren” - ah ja. Ich persönlich bin eher geneigt, das frei von der Leber weg als organisierte Quertreiberei zu bezeichnen.) Die Option, die Gruppen nochmal neu aufteilen zu lassen - sprich: Neuwahlen -, lehnen Sie auch ab. Sonst müßten Sie ja evtl. der Tatsache ins Auge sehen, daß man Sie nach dieser Trotz- und Bockaktion wieder nicht unter den Gendarmen haben will. Kein Wunder. Nach dem Koalitions- bzw. Nichtkoalitions-Heckmeck, das Sie mit den anderen Parteien veranstaltet haben, ist es wohl mehr als wahrscheinlich, daß Sie im nächsten Durchgang noch weniger Stimmen bekämen.
Könnten Sie sich bitte im Interesse der Bürger wenigstens kurz mal darauf besinnen, wer von wem und vor allem zu welchem Zweck überhaupt gewählt wurde? Für Kindergartenspielchen sicherlich nicht. Für uns Bürger wären Neuwahlen mittlerweile jedenfalls die fairste und effizienteste Lösung. Aber Sie geben ja lieber den Kohl und sitzen einfach alles aus. Na das nenne ich doch mal Engagement fürs Volk!
Mit freundlichen Grüßen,
Eine definitiv Ex-SPDwählerin
PS: Ist es Zufall, daß die Suche nach den Begriffen “Volksnähe” oder auch nur “Basisnähe” auf dem Server der SPD keine Treffer liefert? Ich mein’ ja nur… ^^
Melissen-Pesto
Samstag, 05. Juni 2010
Schon bei unserem Einzug hier vor gut zwei Jahren fiel uns ein dickes Büschel Zitronenmelisse auf, die am Gartenhaus wuchs. Bisher blieb diese Pflanze bis auf wenige Blättchen ungenutzt, aber dieses Jahr kam derart viel von dem Zeug aus dem Beet, daß ich mich nach einem Rezept umsah und auch schnell fündig wurde.
Nach der Ernte hatte ich ca. 200 g Zitronenmelissenblätter,
die dann gewaschen und mit ca. 200 ml Olivenöl, 200 g Parmesankäse, Pinienkernen nach Gutdünken, etwas Salz, etwas Zucker und drei schön reifen Erdbeeren zu einem Pesto püriert wurden.
Obenauf kam zum Abschluß noch etwas Öl, und demnächst kommt das Pesto zur Verfeinerung an Saucen, Salate und Fischgerichte.
Das Pesto schmeckt erstaunlicherweise nicht so intensiv nach Zitrone wie die Pflanze bei der Ernte noch duftet. Es hat vorrangig einen leicht herben Geschmack, zu dem der Parmesankäse prima paßt. Die Pinienkerne und in diesem Fall die zusätzlichen Erdbeeren runden das Ganze dann noch ab. Ich kann mir aber gut vorstellen, daß auch der in den Rezeptkommentaren empfohlene Zitronensaft darin gut schmeckt.
Vom Regen in die Traufe
Donnerstag, 03. Juni 2010
Nach Ursula von der Leyen, die mal eben nach Gutdünken die Grundrechte der Bürger beschneiden möchte, nun also Christian Wulff - ein Evangelikaler mit Missionarsambitionen, der die Besucher seiner Website so überaus zeitgemäß mit den Worten begrüßt:
”Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Internetnutzer, (...)”
Wenn das die beste Auswahl ist, die Deutschland zu bieten hat, dann gute Nacht um sechs.
Ölteppich in Relation
Mittwoch, 02. Juni 2010
Wer sich anschauen möchte, welchen Teil seiner Heimat der Ölteppich aktuell abdecken würde, kann das => hier <= tun.
(Via Mail von King Micky. Vielen Dank dafür nach Irland! :o) )
Muttertags-Lied eines Biologen
Dienstag, 01. Juni 2010
Bei Ludmila gefunden und sicher eine nette Abwechslung für Alphamama (*g*) und Doc Breitbach
:
To make one me you just add
Half of mom and half of dad
That is what I once believed
But I know now that I was wrong
I got so much more from you mom
Than just half a set of genes
I got nutrients and transcription factors
and nearly everything that matters
plus my prenatal environment (transplacental inheritance)
mRNA, mitochondria,
That back in the day once belonged to ya (theyre cytoplasmic)
and I just want to thank for supplying them
Just like two strands of DNA are spirally entwined
Your nature and your nurture are inspiringly combined
Scientists remind me and I find that it is true
Slightly more than half of everything I am is thanks to you
Mitochondria power my cells
and they have DNA as well
Transcription factors modulate transcription
And since theyre in the cytoplasm
The eggs the only one that has em
and sperm I guess they dont have much ambition
My sex determination gene means that Im a guy
From you I got my X chromosome, from Dad I got my Y
X has over a thousand genes, Y has less than 92
Thats why more than half of everything I am is thanks to you
I roomed in your womb for nine whole months and never paid the rent
Your glucocorticoids shaped my hypothalmic development
I took in your blood and sucked it dry of every nutrient (its gross but true)
Sometimes I wonder where the time went (where did it go)
Sometimes I wonder where it went
I know Ill never understand all you have done for me (Im not that smart)
But since you paid for college Ill get my B. S. degree (bachelor of science)
And I have learned its not BS but absolutely true
Slightly more than half of everything I am is thanks to you.
Köhler
Montag, 31. Mai 2010
”Fehlender Respekt vor dem höchsten Staatsamt”? Ähm… Bitte wie meinen?
Mit Verlaub, aber ich habe generell keinen Respekt vor einem Amt oder einer Funktion, sondern gegebenenfalls vor demjenigen, der dieses Amt oder diese Funktion innehat.
Gerade Herr Köhler hat sich immer als Freund der harten Debatten präsentiert (Stichwort “Monster") und fordert nun angesichts etwas schärferer Kritik nach Gutsherrenmanier “Respekt”?
Überhaupt: Wo ist da bitte mangelnder Respekt zu verzeichnen, wenn die Äußerungen des Präsidenten eines Landes genau unter die Lupe genommen werden? Wer dabei eine verfassungswidrige Äußerung zu bemerken glaubt, sollte doch bitte das Recht und sogar die Pflicht haben, dies auch zu äußern. Immerhin ist ein Bundespräsident der gewählte Vertreter eines Volkes - und kein unfehlbares Oberhaupt von Gottes Gnaden.
Wer sich mißverständlich ausdrückt und deshalb Gegenwind bekommt, muß halt dafür sorgen, daß er eine Chance erhält, das ein- für allemal klarzustellen. Dazu sollte ein Bundespräsident doch wohl Gelegenheit genug haben?
Biomüll
Sonntag, 30. Mai 2010
Im Zuge des letzten Großeinkaufs sind nicht nur drei “normale” Granny Smith, sondern auch drei rotbackige, hübsche Bioäpfel in meinen Einkaufskorb gewandert. Keine Ahnung, was mich da geritten hat. Inzwischen hat sich herausgestellt, daß die Granny Smith völlig in Ordung waren. Die Bio-Äpfel hingegen entpuppten sich beim Aufschneiden allesamt als innerlich verschimmelt und vergammelt.
Klar, der Verbraucher muß sich entscheiden zwischen Fungiziden oder Schimmelgift. Ich persönlich entscheide mich in Zukunft lieber wieder für die Fungizide, denn die kann ich immerhin wenigstens zum Teil abwaschen. Darüber hinaus müßte ich sie schon in großen Dosen zu mir nehmen, damit sie in meinem Körper ähnlich großen Schaden anrichten wie der Schimmel an sich. Und dann vergessen wir mal nicht, daß das Kupfer, das zum Schutz von Bio-Obst eingesetzt wird, sämtlichen wirbellosen Lebewesen schadet. Und offenbar nicht mal so viel nützt wie es sollte. Bio? Ach was!?
Daß das Bio-Zeug um gut ein Drittel teurer ist als das normal Obst, kommt noch dazu. Sorry, aber so dicke habe ich es nun auch wieder nicht, daß ich es mir regelmäßig leisten könnte, so viel mehr auszugeben - und das dann nicht mal essen zu können, sondern auch noch zu 100% in die (Bio)Tonne zu hauen. Aber wenigstens weiß ich nun auch endlich, woher die ihren Namen hat. :-/
Mutterwitz
Donnerstag, 27. Mai 2010
”Als Mutter weiß ich, dass die Beziehung von Eltern zu ihren Kindern keine rationale ist. Aber zumindest ein paar Fragen lassen sich nach rationalen Aspekten entscheiden - und für informierte Entscheidungen will ich mit diesem Blog Hilfe leisten.”
Ein neues Blog bei den ScienceBlogs
Liebe Frau Hundertachtzig,
Mittwoch, 26. Mai 2010
die Sie bei Peek & Cloppenburg arbeiten,
wissen Sie was? Wenn ich eine halbe Stunde lang
- ratlos die Artikel in Ihrer Abteilung hin- und hergeschoben habe
- Mühe hatte, alle halbwegs in Frage kommenden Stücke in eine freie Umkleidekabine zu bugsieren
- mehrfach hin- und herrennen mußte, weil die Größe bei einigen Teilen doch nicht ganz hinkam
- und dann endlich meine Entscheidung getroffen habe und mich auf den Weg zur Kasse mache…
... dann brauchen Sie auch nicht mehr angeflitzt zu kommen, um mir die Klamotten aus dem Arm zu reißen und hastig überall Ihre Provisions-Erkennungsnummer aufs Kassenschild draufzubappen. Dafür ist Ihr Beitrag zu meinem Entscheidungsprozeß schlicht zu gering gewesen, denn die drei Meter bis zur Kasse schaffe ich dann wohl auch noch alleine!
Gebraucht hätte ich Sie bei der Auswahl, dem Transport zur Kabine und während der Anprobe beim Austausch einzelner Stücke gegen Exemplare in der richtigen Größe. Aber in der Zeit standen Sie ja nur herum und haben hier und da mal eine Falte in einem T-Shirt-Stapel zurechtgezupft. Und kaum machte ich einen Schritt auf Sie zu und sah Ihnen in die Augen, hatten Sie es plötzlich sehr eilig, irgendwo im Personalraum zu verschwinden. Wie ich es eigentlich fast immer erlebe, wenn ich bei Ihnen einkaufe!
Großzügig und hilfsbereit wie Sie sind, haben Sie mir nach meinem wenig dezenten Hinweis auf diese Tatsache tatsächlich die Wahl gelassen, ob ich meinen Krempel selbst zur Kasse bringe, oder ob ich Sie das erledigen lasse. Ich habe Sie tragen lassen. Damit Sie wenigstens etwas tun und nicht nur konsterniert-eingeschnappt gucken, wenn Ihnen mal jemand sagt, daß es so ja wohl nicht geht.
Aber vor dem Bezahlen habe ich Ihre Erkennungsnummer von allen Etiketten wieder abgeknibbelt. Hat sich was mit Provision für meinen Einkauf.
Auf bald in Ihrer Abteilung, liebe Frau Hundertachtzig. Und wischen Sie sich Ihr gekünsteltes Lächeln aus dem Gesicht. Nimmt Ihnen eh keiner ab.
Herzlichst,
Ihre heutige Kundin
Den Nagel auf den Kopf getroffen…
Sonntag, 23. Mai 2010
... hat Lars mit der Einleitung seines jüngsten Artikels über Esoterik & Co:
”Viele Menschen haben ja das Bedürfnis zu glauben, dass dass die Welt über die physikalische Realität hinaus noch eine “spirituelle” Ebene habe. Das heißt nach meiner Beobachtung vor allem, dass die meisten Leute da schlicht ihre persönlichen Ansprüche hin auslagern, wie die Welt doch bitte funktionieren soll.”
An drei Orten gleichzeitig
Samstag, 22. Mai 2010
Vor ca. zwei Wochen habe ich übrigens den Inhalt dieses Blogs aufgeteilt. Kindercontent findet sich nun hauptsächlich im ”Kinderzimmer” und Fischcontent im ”Aquarium”. Beide Links sind auch oben rechts in der Ecke zu finden. (Die Tendenz geht zum Viertblog. - Just kidding. ^^)
PS: Da fällt mir ein und auf: “Just Kidding” wäre auch ein netter Name für ein Kinderblog. ^^
Soziales Pflichtjahr - zum Glück schon lange vom Tisch
Mit der nun beschlossenen Verkürzung des Wehrdienstes geht natürlich auch eine solche des Zivildienstes einher. Und schon liest man wieder die ersten Forderungen nach einem sozialen Pflichtjahr, weil ja nun der Pflegebranche die Zivis fehlen werden bzw. sich deren Einarbeitung kaum noch lohnt.
Sehen wir für den Moment mal ab davon, daß ein Soziales Pflichtjahr schon 2004 für verfassungs- und völkerrechtswidrig erklärt wurde, weil mit Zwangsarbeit gleichzusetzen. Sehen wir des weiteren erst einmal davon ab, daß Zivis keine echten Jobs gefährden dürfen. Und sehen wir auch davon ab, daß auch die karitativen Verbände gar nicht wirklich Wert darauf legen, unwillige Zwangsverpflichtete auf die Pflegebedürftigen loszulassen. Nachtrag: Und von den finanziellen Aspekten reden wir lieber überhaupt nicht. Sehr interessante Lektüre auch im Hinblick auf andere Aspekte.
Beschäftigen wir uns stattdessen mit der Tatsache, daß es Leute gibt, die für Pflegeberufe schlicht nicht geeignet sind. Ich bin zum Beispiel eine von ihnen. Ich mag nicht von fremden Menschen angefaßt werden, ich mag sie meinerseits nicht anfassen - und schon gar nicht will ich gezwungen werden, sie anzufassen. Schon die sich immer weiter ausbreitende Buss-Bussi-Sitte ist mir unangenehm; ich will mein Gesicht nicht zur Begrüßung an das eines anderen drücken müssen. Ist mir zuwider. Erzwungene physische Nähe zu Fremden macht mich aggressiv.
Und nun gehe ich mal richtig ans Eingemachte: Mir wird sogar physisch übel, wenn ich bei einem Kleinkind eine versch...e Windel wechseln muß. Ja, sogar bei meinen eigenen Kindern. Bis sie jeweils ca. 3 Jahre alt waren, hat es mir nichts ausgemacht, aber dann kam irgendwann der Punkt, an dem ich am liebsten danebengekotzt hätte und auch tatsächlich meistens würgen mußte. Wie ich bei einem Erwachsenen reagieren würde, lasse ich lieber mal offen. Besser würde es aber mit Sicherheit nicht. (Gottseidank hat sich das Problem hier zu Hause von selbst erledigt, denn irgendwann um dieses Alter herum werden Kinder ja schließlich trocken und sauber.) Ich liebe die zwei, keine Frage, das wird auch jeder bestätigen, der uns kennt. Aber es gibt eben Dinge, die gehen bei mir nicht oder nur im allergrößten Notfall, und auch dann nur mit innerlichem Sträuben. Da hilft selbst die vielbeschworene Mutterliebe nicht. Ich habe es gemacht, klar. Aber nicht ohne den Wunsch, am liebsten weit, weit wegzulaufen. Je-des-mal.
Während ich dies hier schreibe, suche ich nach einem Vergleich: Was würde ich lieber tun als einen noch dazu fremden Menschen eng physisch zu betreuen oder gar seine Ausscheidungen zu beseitigen? Mir fällt auf Anhieb nichts ein, das ich nicht lieber täte. Einen verstopften, stinkenden Abfluß reinige ich ohne mit der Wimper zu zucken, aber als Pflegepersonal wäre ich eine Katastrophe für mich selbst und den zu Pflegenden. Und es ist mir auch umgekehrt schon passiert, daß ich mit Fieber und Puddingbeinen lieber mein eigenes Erbrochenes weggewischt habe (das macht mir übrigens auch bei anderen nichts aus), statt zuzulassen, daß mein Partner bei dieser Tätigkeit vor Ekel ohnmächtig umkippt. Das macht aber weder ihn noch mich in meinen Augen zu bösen, asozialen Menschen und es hat auch nichts mit mangelnder Liebe zu tun.
Wer nun argumentieren möchte, es gebe für Leute wie mich ja auch noch anderer Arten, im sozialen Bereich Hilfe zu leisten, der sei nun wiederum auf die oben genannten Argumente gegen Zwangsarbeit verwiesen. Was eigentlich passieren müßte, wäre eine Steigerung der Attraktiviät der Pflege- und sonstigen sozialen Berufe. Es gibt sicherlich genügend willige Geeignete - wenn sie denn mit diesen Berufen halbwegs komfortabel sich selbst und eine Familie ernähren könnten. Dann wäre auch die geforderte Kontinuität des Service und ein wachsender Erfahrungsschatz gewährleistet. Statt hier etwas zu ändern jedoch Jugendliche und junge Erwachsene zwangszuverpflichten, ist ganz sicher nicht der richtige Ansatz.
Seite 3 von 165 Seiten « Erste < 1 2 3 4 5 > Letzte »