FeinStoff
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Rechtecke galore

25.03.2011

Nach der Xavier-Aktion habe ich mal meine (im Vergleich zu manch anderer hier recht überschaubaren) Stoffvorräte gesichtet und festgestellt, daß es an der Zeit ist, ein paar Reststücke zu verwursten. Da das Tochterkind sich vor kurzem ein Kleid mit Schürze gewünscht hat und ich gerade drei farblich und vom Material halbwegs zueinander passende Stoffreste übrig hatte, entstand dieser Trägerrock im Dirndl-Stil.

Leider ist der Rock auf keinem Foto hundertprozentig geradegezogen bzw. -drapiert. Gestern spätabends fiel mir das gar nicht auf. Auf den Fotos des hängenden und dann geraden Kleides sieht man dafür aber wiederum nicht die Weite des Rockes, und die war mir für den Gesamteindruck wichtiger.

Trägerrock mit Schürze

Trägerrock vorne

Trägerrock hinten

Wenn Mademoiselle gnädig gestimmt sein sollte, wird noch ein Foto vom Modell im Kleid nachgereicht. wink

(Nachtrag: Mademoiselle war gnädig gestimmt. Aber der Card-Reader mit der SD-Karte offenbar nicht. *hmpf*)


Größe: ca. 116/122
Material: Baumwolljeans + Baumwollprint
Schnitt: Äh… Nicht wirklich vorhanden, aber inspiriert durch dieses Kleid. Ich hatte nur zugegebenermaßen keinerlei Lust, für sowas Simples extra ein Schnittmuster zu kaufen. Im schlimmsten Fall hätte ich halt ein paar Reststücke in die Tonne treten müssen. Mußte ich aber nicht.

Erst wurde das Kind vermessen. Brustumfang (58 cm), Taillenumfang (56 cm), Abstand Brust-Taille (14 cm, für die Länge des Oberteils), Trägerabstand auf Schulterhöhe (19 cm, wg. der Trägerbreite und -positionierung), Länge Brust-Rücken (29 cm, für die Trägerlänge), Abstand Bauch-Knie (44 cm, für die Rocklänge)
Das Oberteil ist ein im Stoffbruch zugeschnittenes Rechteck. Länge: Brustumfang. Höhe: Brust-Bauch-Abstand x2 . Die Rüsche ist ein gefalteter, schmaler Stoffstreifen aus Baumwollprint (noch von hier übrig), ca 3 x so lang wie das Oberteil.

Oberteil rechts auf rechts falten, an den Seiten feststecken. Oberkanten links auf links falten & bügeln. Das Oberteil rechts und links zunähen, dann über die offene Oberkante verstürzen, bügeln. Die umgefalteten Oberkanten liegen jetzt innen und fassen später die Rüsche. (Falls Brust- und Taillenumfang zu sehr voneinander abweichen sollten, können rechts und links vorher noch zwei entsprechende Abnäher rein. Ich habe es mir für die 2 cm Gesamtunterschied geschenkt.) Nun die Rüsche auf die Länge des Oberteils raffen, ans Oberteil in die obere Öffnung stecken, feststeppen. Die Unterkante ist der Stoffbruch.

Der Rock ist einfach eine gerade Stoffbahn mit Höhe des Bauch-Knie-Abstands und der 2,5-fachen Länge des Oberteils, plus Nahtzugabe.
Die Stoffbahn versäubern, auf Breite des Oberteils raffen, rechts auf rechts auf die Unterkante des Oberteils stecken, feststeppen.

Anschließend wird auf der Rückseite des Trägerrocks entweder ein nahtverdeckter Reißverschluß in passender Länge eingenäht (hatte ich aber nicht da) oder eine Knopfleiste eingearbeitet. Der Rest des Rockes wird von dieser Einstiegsöffnung bis zur Saumkante geschlossen, gesäumt und mit einer Rüsche(nborte) versehen.

Nun die Mitte des Oberteils markieren, Trägerpositionen festlegen.
Träger versäubern, links auf links längs falten, Längskante zunähen, Nahtränder flachbügeln, Träger auf rechts wenden, nochmal bügeln.
Trägerenden jeweils von innen ans Oberteil stecken und feststeppen.
Man kann die Träger natürlich auch gleich mit der Rüsche zusammen am Oberteil festnähen, aber nachträglich angenäht läßt sich die Position der Träger besser bestimmen.

Die Schürze ist ein auf ca. Taillenweite (nicht Umfang!) gerafftes, versäubertes Rechteck. Wie breit und wie lang es sein muß, richtet sich nach der gewünschten Länge und der gewünschten Intensität des Faltenwurfs. Die unteren Ecken habe ich auf Wunsch meiner Tochter abgerundet. Einfach einen großen Teller o.ä. auf die Ecke legen und so lange schieben, bis er seitlich und an der Unterkante des Stoffes anstößt. Dann markieren, den Überschuß abschneiden & alles säumen. Um den rechten, linken und unteren Rand der Schürze kam in diesem Fall gleichzeitig noch eine weitere Rüsche aus dem Schürzenstoff.

Die geraffte Oberkante der Schürze wird - analog zur Rüsche des Rockoberteils - in ein laaaanges, gefaltetes, schmales Stoffrechteck gesteckt und festgesteppt. Die Enden des langen, schmalen Rechtecks bilden übrigens die Bänder für die Schürzenschleife, sollten also rechts und links gleichmäßig lang überstehen und nicht zu kurz sein.

Feddich.

Kann natürlich sein, daß ich mit meiner Vorgehensweise gegen irgendwelche ehernen Gesetze der Nähkunst verstoßen habe. Aber es sieht aus, wie ich es mir vorgestellt habe, und gefällt auch meiner Tochter gut. Das ist ja neben Versäuberung und der Haltbarkeit der Nähte erstmal die Hauptsache.

Gelernt:
Rüschen raffen geht (gerade bei solch langen Stoffstücken wie an diesem Rock) mit Perlgarn in einem Tunnel aus breiten Zickzackstichen wesentlich besser als mit parallelen Längsstichen, an denen man dann ewig herumzuppeln muß. Vorausgesetzt, das Perlgarn hat eine ausreichende Stärke, wird es von der Lücke vorne im Maschinenfuß wie von selbst erfaßt, gelenkt und gehalten und kann nicht unter die Nadel geraten. Lenken muß man nur noch den Stoff. Das anschließende Raffen ist ebenfalls ein Kinderspiel. Nach dem Feststecken zieht man den dicken Perlgarnfaden dann einfach vorsichtig wieder aus dem Stoff raus.



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