Gruß ins Münsterland

Liebe Ruth, extra für Dich: Das Burgerbe-Weblog - Nachrichten, Bilder und Geschichten von Burgen & Schlössern


Heute mal verständnislos.

Ist immer wieder lustig, wenn einem eine Enttäuschung lapidar mit den Worten “Du verstehst das doch, oder?” oder wahlweise auch “Ich hoffe, du verstehst das” serviert wird. Vor allem dann, wenn weit und breit keine höhere Macht als Ursache erkennbar ist, sondern lediglich Nachlässigkeit und Desinteresse des Gegenübers. Aber gut, ich bezog mich ja eingangs auf den Faktor Sprache. Gehen wir also mal ins Detail:

“Du verstehst das doch, oder?” - ist keine echte, sondern eine rhetorische Frage. Soll heißen, der Fragende erwartet ohnehin nur Zustimmung und ist auf ein “Nein” bestenfalls nicht gefaßt und schlimmstenfalls nicht willens, es zur Kenntnis zu nehmen. Was heißt das nun im konkreten obigen Fall? Es bedeutet im Grunde, daß die Verantwortung für das Gefühl der Enttäuschung, das man verursacht hat, ausgerechnet auf denjenigen abgewälzt wird, der enttäuscht wurde! Soll er doch selber sehen, wie er damit klarkommt… Sein Verstehen und Verständnis wird schlichtweg vorausgesetzt. Auf der einen Seite könnte man das als Kompliment an die soziale Kompetenz des Enttäuschten verstehen. Auf der anderen Seite ist aber genau dieses Kompliment oft genug nur die dünne Zuckerschicht für die bittere Pille, daß der eigentlich Verantwortliche es bei dieser Floskel bewenden läßt und den Enttäuschten vor vollendete Tatsachen stellt. Nach dem Motto: “Du bist so verständnisvoll, daß ich mich weder entschuldigen noch mich bemühen muß, dich für die Enttäuschung zu entschädigen.” Also eigentlich kein Kompliment für den anderen, sondern die eigene sozial-emotionale Bankrotterklärung.

“Ich hoffe, du verstehst das” ist ein doppeltes Druckmittel. Erstens verleiht ein Mensch einer Hoffnung Ausdruck - und wer mag ihm die schon nehmen? Wer da mit “Nein” antwortet, enttäuscht nicht nur seinerseits einen Menschen, sondern outet sich (zweitens) auch noch entweder als Dummkopf oder aber als egozentrischer, verständnisloser Kotzbrocken. Ist also noch viel böser als der andere. Zumindest soll er das jedoch glauben. Denn es wird nonchalant vom Verursacher darüber hinweggegangen, daß er selbst schließlich bereits die Hoffnungen des Enttäuschten zerstört und somit eigentlich überhaupt kein Anrecht auf irgendwelche Hoffnungen oder gar weitere Forderungen hat. Eigentlich ist er sogar derjenige, der dem Enttäuschten etwas schuldig ist. Doch - to add insult to injury - es wird nun obendrein noch gefordert, daß der Enttäuschte auf seine eigenen Hoffnungen stumm verzichten und all das einfach schlucken und sogar absegnen soll.

Beide Formulierungen haben also die selbe Wirkung: Es wird darauf spekuliert, daß der Enttäuschte den “guten Eindruck”, den der andere von ihm hat, nicht zunichte machen möchte. Und somit den Verursacher gezwungenermaßen ohne Widerspruch aus der Verantwortung entläßt. Denn würde man auf die obige Frage/Hoffnung mit “Nein” antworten, gäbe man ja zu, kein so guter und verständnisvoller Mensch zu sein, wie die Umwelt (angeblich) glaubt. Und wer will das schon? Eben. Was wiederum bedeutet: Die soziale Kompetenz des Enttäuschten wird zu allem Überfluß auch noch ausgenutzt, um die soziale Inkompetenz des Verursachers zu vertuschen. Oder anders gesagt: Das Opfer trinkt auch noch von dem Kakao, durch den es gezogen wird.

Nun ja. Gute Mädchen kommen in den Himmel. Böse kommen überall hin… Das gilt aber für beide Seiten. tongue laugh

Nachtrag, bevor sich jemand wundert: Hier geht’s nicht um mich. Der Betreffende/Betroffene wird schon selber wissen, ob er sich aus meiner Tirade vielleicht etwas mitnehmen kann. ;o)


Wie verpeilt kann man eigentlich sein?

Heute morgen war die Damentoilette auf unserer (4.) Etage aufgrund von Wartungsarbeiten kurzzeitig nicht benutzbar. Also stiefelte ich eine Treppe bergab und nahm die auf der 3. Etage. Bei meiner Rückkehr ins Büro wunderte ich mich dann nur noch, daß in den paar Minuten die gesamte Einrichtung geändert worden war und plötzlich jemand anders auf meinem Platz saß. Für den Bruchteil einer Sekunde glaubte ich an ein Komplott - bis mir einfiel, daß ich mich nicht in, sondern unter meinem Büro befand.  Noch immer in der falschen Etage nämlich. oh oh Jeden Nachmittag um fünf Uhr legten sie eine Pause ein, um heisses Wasser zu trinken…

Dann später am Kaffeeautomaten: Normalerweise trinke ich gar keinen Kaffee, sondern höchstens Tee, aber heute war ich nach dem Mittagessen derart müde, daß ich mir spontan meinen Becher schnappte, vier Säckchen Zucker und zwei Döschen Milch hineinkippte und das Teil unter den Hahn der Kaffeemaschine stellte. War klar, daß ich nicht den Knopf für den Kaffee gedrückt habe, sondern den für heißes klares Wasser, oder?

Also die ganze Chose nochmal. Während die Maschine den Kaffee mahlte und vorbereitete, bekam ich auf dem Flur mit, daß ein Kollege Geburtstag gehabt hatte und gratulierte ihm. Komme zurück, ziehe meinen Becher aus der Maschine - und erst in dem Moment plätschert der frischgebrühte Kaffee raus, unten in die Auffangschale.

Ich will sofort in mein Bett. confused


Echt stark?

Es ist nicht das erste Mal, daß Feedback zum Zickenterror die Formulierung enthält: “Du kommst immer so stark rüber.” Da frage ich mich dann manchmal, wie der Leser eigentlich zu diesem Eindruck gekommen ist. Es verblüfft mich immer wieder, denn ich fühle mich gar nicht so. Jedenfalls fühle ich mich nicht stärker als es die meisten anderen auch zu sein scheinen. Stur, ja. Hartnäckig, auch. Unnachgiebig, oft genug. Oder auch zu oft. Aber stark?

Es gibt in meinem Umfeld jemanden, den ich selbst als stark bezeichnen würde. Bei dem ich mir wünsche, er könnte sich - und sei es auch nur für eine Minute - wenigstens ein einziges Mal durch meine Augen betrachten. Die Bewunderung spüren, die ich empfinde, wenn ich bedenke, wie viel er in letzter Zeit weggesteckt hat und doch immer noch seinen Alltag meistert und die Zukunft in die Hand nimmt, obwohl es manchmal verd…t schwer sein muß. Wissen, daß meine Achtung genau deshalb riesengroß ist, auch und gerade wenn sein Mut immer wieder mal auf dem Null-Level ankommt. Die Dankbarkeit spüren, das “Wow!” hören, wenn ich darüber nachdenke, daß er nach allem, was ihm widerfahren ist, immer noch spontan einem Menschen einfach vertrauen kann. Das Erstaunen und wieder die Bewunderung erleben, daß trotz alledem sogar noch Kraft für Ehepartner, Familie, Freunde und deren Nöte vorhanden ist.

Das nenne ich stark. Und wenn ich mich daran messe, komme ich nicht besonders gut weg, finde ich. Dafür geht es mir auch einfach zu gut. Macht aber nichts. Neben so einem Maßstab “versagt” man ganz gerne. Geht gar nicht anders.



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