Mal eben schnell. Umsonst.

Das volle Spektrum des menschlichen Irrsinns offenbart sich einem leider (oder gottseidank) erst mit den Jahren, nach und nach. Eine Facette lernte ich vor drei Wochen kennen, als mir auf dem Weg zur Arbeit ein bei ca. 6°C Außentemperatur nur mit Sportschuhen, Boxershorts und Badekappe(!) bekleideter Jogger über den Weg lief.

Eine weitere Facette ist wohl die Frage, die mir hier von Unbekannt eben in den Mail-Eingang purzelt. Ich soll “mal eben schnell” und natürlich kostenlos etwas machen, das mich die Abende von Wochen kosten würde. Ich habe das dann mal per Mail geklärt. Hoffe ich.


Auszeit?

Das sagt sich immer so leicht - “sich eine Auszeit nehmen”. “Fahr doch mal weg!” “Mach doch mal eine Mutter-Kind-Kur!

NEIN! Nein, nein und nochmal nein! Ich will nicht irgendwohin flüchten müssen, um meine Ruhe zu haben! Und schon gar nicht will ich eine Mutter-Kind-Kur, nach der die meisten Mütter noch matschiger, kränker und geschaffter nach Hause kommen als sie vorher waren! Ich will mal zur Abwechslung in meinem eigenen Bett ausschlafen dürfen, in Ruhe essen dürfen, klassische Musik hören, ohne daß jemand dazwischenquakt, lesen, surfen oder was auch immer. Einfach mal mein eigenes Zuhause genießen, ohne irgendwem hinterherputzen zu müssen oder ständig jemanden am Bein kleben zu haben, der irgendetwas will, beschäftigt werden muß, herumkreischt, die selbe Frage tausendmal stellt, das selbe Liedchen fünfzigmal hintereinander schief durchs Haus posaunt oder irgendetwas kaputtmacht! Die letzte Woche war ja ein Versuch, meinen Wunsch mal in die Tat umzusetzen - und prompt wurde mir die gesamte Woche Tag für Tag durch irgendeinen Mist systematisch verdorben.

Ein Teil meiner Müdigkeit ist sicher auch dadurch bedingt, daß meine Freizeit erst abends nach acht Uhr anfängt, wenn die Kinder beide im Bett sind, der Tisch abgedeckt und -gewischt, die Wäsche in der Maschine, die Post sortiert, die gröbste Unordnung beseitigt, der Müll rausgebracht, etc. Auch am Wochenende. Wenn ich nicht komplett durchdrehen will, bleibt mir gar nichts anderes übrig, als dann noch wenigstens zwei oder drei Stunden wach zu bleiben, um neben dem dann noch zu erledigenden Kram wenigstens ein klein wenig Zeit für mich ganz alleine zu haben. Und morgens um viertel nach sechs bin ich eben wieder auf der Arbeit und der Trott geht wieder von vorne los.

Mein Problem ist, daß ich im Grunde schon immer ein Einzelgänger war. Schon als Kind habe ich Menschenmassen gehaßt wie die Pest, laute Feiern gemieden wie der Teufel das Weihwasser und mich stundenweise alleine mit einem Buch irgendwohin verkrochen, ohne jemals etwas oder jemanden zu vermissen. Ich bin nicht gesellig. Überhaupt gar nicht. Mein Geburtstag mit 10 Gästen letztes Jahr war die größte Feier, die ich für mich selbst je veranstaltet habe. Viel größer wird auch der 40. im April nicht werden, weil es mich rappelig und aggressiv macht, wenn ich zu lange zu viele Leute um mich herum habe. Danach brauche ich immer wieder eine bestimmte Zeitspanne, um alleine wieder aufzutanken. Diese Zeit ist es, die mir momentan fehlt. Bzw. sie fehlt in Form von Schlaf meinem Körper, wenn ich sie mir abends dennoch einfach nehme. Was mich dann aber genauso an die Grenzen meiner Belastbarkeit bringt. Das wird irgendwie nichts Halbes und nichts Ganzes. Ganz fatal ist nämlich die momentane Kombination aus Schlaf- und Zeitmangel. Ich habe auf der einen Seite das Gefühl, von allen Seiten zerpflückt zu werden, während mir der Schlafmangel die Möglichkeit nimmt, diese Belastung wenigstens körperlich auszuhalten. Ich funktioniere noch, aber im Grunde kann ich nicht mehr, kränkele immer öfter herum und sehe alles grau in grau.

Ich weiß momentan nicht, wie ich aus diesem Patt wieder rauskommen soll. Ich kann nicht alles auf Marc abwälzen, das wäre nicht fair, denn im Grunde geht es ihm ja auch nicht besser. Er ist zwar im Gegensatz zu mir ein Herdentier, arbeitet aber auch eine Menge und will ja auch noch Zeit für seine Belange haben, sonst ist er bald am selben Punkt wie ich.


Streetgirl

Streetgirl schreibt klasse. Ich weiß gar nicht, was mich an ihrem Blog am meisten fasziniert. Die Berichte an sich, oder Streetgirls erstaunliche Art, ihre Erlebnisse gleichzeitig sachlich und witzig oder auch nachdenklich zu schildern. Fest steht jedenfalls, daß - von Ärzten und Bestattern vielleicht abgesehen - wohl wenige Berufsgruppen von sich behaupten können, ihre Mitmenschen so direkt und ungeschönt kennenzulernen. Auch das macht das Blog absolut lesenswert.

Leider scheint Streetgirls Blog keinen Archivlink zu haben. Wer sich also von hinten nach vorne durchlesen möchte, sollte hier anfangen.


Overkill

Herrje, ich höre ja oft und gerne Radio, aber die aktuelle Rosenstolz-Welle geht mir ganz gewaltig auf die Nerven. Ich kann diesen Singsang echt nicht mehr hören!


So isses

Der Einfachheit halber unterschreibe ich diesen Eintrag bei Tanja.

Lustig ist übrigens auch, wenn ich jemandem etwas persönlich erzähle, was auch im Blog steht, und dann gefragt werde: “Ja hast du denn nicht gesehen, daß ich schon dein Blog gelesen habe?
Ähm… Webstatistiken sind ja zum Teil sehr aussagekräftig, aber so detailliert nun auch wieder nicht. Solange ich nicht weiß, daß jemand über einen sehr exotischen Provider und/oder mit einer sehr außergewöhnlichen Systemkonfiguration ins Web geht, kann ich meine Besucher höchstens regional eingrenzen, indem ich den Standort ihrer IP z.B. bei Utrace nachsehe. Und selbst das ist nur ein ungefährer Anhaltspunkt zur geographischen Lage, mehr nicht. Da kann es dann sein, daß mir als Standort beispielsweise Dortmund angezeigt wird, der Besucher aber tatsächlich in Hamm, Unna, Schwerte, Kamen oder sonstwo im Umkreis wohnt und surft. Oder umgekehrt. Noch dazu habe ich auf solche Detektivarbeiten bei ca. 400 Besuchern pro Tag absolut keine Lust. Schon gar nicht täglich. Und um der Wahrheit die Ehre zu geben, interessiert es mich auch nicht. Mich interessiert hauptsächlich die prozentuale Browserverteilung und ihre Entwicklung, die meistbenutzte Bildschirmauflösung, von welchen Links die Besucher hierherkommen etc.

Themenwechsel: Ich bin immer noch todmüde. So langsam steht das in keinem Verhältnis mehr zum eigentlichen Schlafmangel.


Bruchstücke

Tobias gefällt es bei der neuen Tagesmutter gut; der erste Tag verlief bereits problemlos. Damit hat sich eine meiner Hauptsorgen in Luft aufgelöst.
Nichts geändert hat sich an der Tatsache, daß ich mich leerer und leerer fühle und teilweise vor Müdigkeit keinen klaren Gedanken mehr fassen kann. Hier ist jetzt Pause. Ich mag nicht wohlüberlegt formulieren und berichten. Ich will überhaupt nichts formulieren oder berichten. Schöne Adventszeit Euch allen, und gegebenenfalls auch schöne Weihnachten.



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