Nächstes Jahr? Pustekuchen.
Ein Eindruck, der sich bei mir immer wiederholt, ist der, daß es unsinnig bzw. sogar kontraproduktiv ist, einem Kind etwas aufzudrängen, für das es einfach noch nicht reif genug ist. Seien es nun Bücher & Geschichten, Wissen, Spielzeug oder was auch immer. Unsere Kinder haben z. B. vergangenes Jahr ein Spiel geschenkt bekommen, mit dem sie damals noch nicht sonderlich viel anfangen konnten. Es war zu groß, zu unhandlich, zu zeitintensiv und die Regeln ihnen noch nicht ganz verständlich. “Ach, dann spielen sie es eben nächstes Jahr”, hieß es daher nach zwei vergeblichen Versuchen, die beiden Lütten dafür zu begeistern.
Schön dahingesagt. Funktioniert aber nicht. Denn die beiden haben zwar vielleicht das Spiel damals nicht verstanden, aber sie können sich noch sehr gut daran erinnern, daß es ihnen keinen Spaß gebracht hat. Daß das am mangelnden Verständnis lag, wissen sie natürlich nicht. Sie assoziieren dieses Spiel seither schlicht mit Langeweile und Konfusion; der Frust hat es ihnen erstmal gründlich verleidet. Und so kommt es, daß jenes Spiel eben auch in diesem und mit Pech noch in den Folgejahren abgelehnt wird, bis es dann irgendwann altersmäßig nicht mehr paßt. (Zitat: “Nein Mama, das find’ ich dooooof!”) “Gut gemeint” war auch hier wieder das Gegenteil von “gut gemacht”.
Desgleichen mit einem Spielzeug, das es in unterschiedlichen Varianten und Schwierigkeitsgraden gab. Unsere Tochter hatte eine recht einfache, bunte Version bei Freunden gesehen, eine Menge Spaß damit gehabt und sich gewünscht. Geschenkt bekam sie letztendlich quasi die High-Tech-Ausgabe mit Schnickes und zig Variationsmöglichkeiten, die allerdings teilweise echt millimetergenaues Abzirkeln des Aufbaus erfordern. Und leider auch nicht bunt ist. Super geeignet für Kinder, die ein paar Jahre älter sind als Saskia. Aber leider ganz und gar nicht das, womit sie zuvor so viel Spaß gehabt hatte. Es war ungefähr, als hätte man einem absoluten Fotografie-Anfänger, der erste Schritte mit einer Kleinbildkamera machen wollte, statt ebendieser gleich eine hochkomplizierte Spiegelreflexkamera mit 35 Objektiven und Filtern in die Hand gedrückt.
Seitdem wird ein anderes Spielzeug zweckentfremdet, um die Funktion des ursprünglich gewünschten zu erfüllen. Die High-Tech-Version kommt kaum in Betrieb, und wenn, dann muß ein Erwachsener helfen, sonst ist Frust ohne Ende angesagt, weil nichts so recht klappen will oder bei einer falschen Bewegung die ganze Konstruktion zusammenfällt. Auch dieses Spielzeug wird wohl dauerhaft auf der Ignorierliste der Kinder bleiben. Hätte man es ein paar Jahre später geschenkt, hätte es ein Hit werden können.
Schade eigentlich.
Sieh es mal so:
Wenn sich Deine Kinder jetzt einfach andere schon vorhandene Spielzeuge suchen und diese umfunktionieren, födert das doch immens die Kreativität. Sie machen sich also Gedanken über die Sachen.
Aber ich versteh schon, was Du meinst. Kenne ich von mir auch noch gut.
Das ist allerdings richtig, und ich mußte über ihren Einfallsreichtum schon auch irgendwie schmunzeln. Aber ein bißchen schade ist es für die Kinder doch.
Ich habe mir die Sache mit dem zweitgenannten Spielzeug (eine Kugelbahn) jetzt jedenfalls ein Jahr lang mit angesehen und werde Saskia zum nächsten Geburtstag (in zwei Wochen) nun die Ausführung schenken, auf die sie es wohl eigentlich schon letztes Jahr abgesehen hatte. Sie hatte sich so auf dieses eine Geschenk gefreut und konnte dann mit dem, was dabei herauskam, nur sehr eingeschränkt etwas anfangen. Das tat und tut mir richtig leid. Die Version, die sie bekam, ist im Grunde toll. Aber eben absolut noch nichts für diese Altersklasse. Immer muß jemand helfen, immer verrutscht etwas oder bricht zusammen. Der Spaßfaktor ist fast bei 0; das Ding wurde nach dem Geburtstag vielleicht noch zweimal aus dem Schrank geholt. Stattdessen wird lieber regelmäßig das Plastikparkhaus benutzt, um die Murmeln dort im Kreis herunterzujagen. Der Wunsch ist also nach über einem Jahr ganz offensichtlich noch immer da - und nun soll er auch endlich erfüllt werden. :o)
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