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Pech gehabt.

Vor kurzem hörte ich, die Stichtage für die Einschulung in NRW sollten ab dem Schuljahr 2012/2013 nicht weiter verschoben werden, so daß Tobias doch nicht 2012, sondern zum Glück erst übernächstes Jahr eingeschult werden müßte. Leider wurde dieser Antrag dann doch wieder zurückgezogen, wie ich inzwischen erfahren habe. Das heißt, es geht weiter wie geplant.

Ich persönlich kann mir Tobias nächstes Jahr beim besten Willen noch nicht in der Schule vorstellen. Da müßte er in den kommenden 18 Monaten schon einen riesigen Entwicklungssprung machen. Im Vergleich zu Saskia in dem Alter ist er noch unglaublich verspielt, anhänglich und “klein”. Seine Frusttoleranzgrenze ist auch nicht die allerbeste. Ein Jahr mehr im Kindergarten würde ihm meiner Meinung nach gut tun. Was nützt es ihm, wenn er zwar mit seinen Altersgenossen zusammen eingeschult wird, dafür aber nicht im Stoff mitkommt und von Jahr zu Jahr immer mehr an Boden verliert? Der daraus entstehende Frust und das letztendliche Sitzenbleiben dürfte wesentlich schlimmer für ihn werden als noch ein Jahr warten zu “müssen” und dann gescheit durchstarten zu können.

Nett ist ja die Begründung für das Rückziehen des Antrags. Kurzfassung: Wenn diese Kinder länger im Kindergarten bleiben, werden dort die Plätze noch knapper. Da aber die Betreuung der unter Dreijährigen besser gewährleistet werden muß, weil es bald einen Rechtsanspruch darauf gibt, wird es nun natürlich eng. Vermutlich war das auch von vornherein der Grund für die in meinen Augen unsinnige sukzessive Verschiebung des Einschulungsstichtages. Wieder einmal werden die Probleme, die die miese Haushaltslage verursacht, auf dem Rücken der Schwächsten ausgetragen. Herzlichen Dank.

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Update: Interessante Ergänzung von Claudia in Kommentar Nr. 5!

Ich könnte jetzt so einiges dazu schreiben. Verkneife es mir aber und bin froh, dass unsere Kinder vom Jahresanfang sind und somit immer x+6 Monate, egal, ob nun mit 6 oder irgendwann 5 eingeschult werden soll.

Dieses “immer früher” erschließt sich mir kein Stück.



Mir auch nicht. Selbst Marc hat schon Zweifel, ob das mit Tobias gutgehen kann. Je nachdem, wie Tobias sich bis dahin entwickelt, hoffe ich, daß ich mich mit Marc gegebenenfalls auf einen Rückstellungsantrag einigen kann. Wobei die wohl nicht besonders wohlwollend bearbeitet werden. Es ist wirklich zum…! Nun ja.



Ich glaube, du solltest dir da im Moment noch nicht so viele Gedanken machen.
Jungs sind da ganz anders als Mädchen, also ist der Vergleich schwierig.

Ich habe eines meiner Kinder vorzeitig einschulen lassen, er macht jetzt mit 17 im ersten G8 Jahrgang Abitur - eine tolle Chance. Es war gerade in den ersten beiden Jahren schwierig (er wollte einfach nie ausmalen…) und auch später nochmal so mit 13/14 (er hatte damals Klassenkameraden, die schon 16 waren), aber insgesamt zu Beginn machbar, weil er ein ruhiges Kind war und heute rückblickend eine gute Entscheidung.

Kind Nummer 3 ist dieses Jahr mit gerade 6 als einer der Jüngsten in seinem Jahrgang eingeschult worden. Gerade im letzten Kiga Jahr hatte ich gelegentlich etwas Sorge, ... wie sie halt sind die Buben.
Es war aber nie ein Thema, ihn noch im Kindergarten zu lassen.
Und siehe da: es hat prima geklappt. Von einem Tag auf den andren war das Kind wie ausgewechselt. Macht seine Hausaufgaben eigenständig, steht in der Früh auf, ist rundrum beflissen und geht gerne in die Schule.
Er war einfach die zwei Jahre im Kindergarten teilweise gelangweilt, vielleicht unterfordert und hat offenbar den neuen Abschnitt gebraucht.
Noch ein Jahr Kindergarten ... das hätte niemals geklappt.

Also: ich würde an deiner Stelle ganz cool abwarten, würde ihn auch kommendes Jahr im Kindergarten ganz normal in die Vorschulkinder einreihen lassen und dann mal sehen, was so an Feedback kommt.
Zurückstellen geht dann immer noch.
Vielleicht wird er sich ja auch richtig freuen, wenn dann seine große Schwester ein Schulkind ist?
Außerdem machen die Kids meiner Erfahrung nach gerade so zwischen 5 und 6 irgendwann einen enormen Schub.

Viele Grüße
Anne



@Anne: Sowas Ähnliches meinte die Schulleiterin auch, als ich bei Saskias Anmeldung mit ihr darüber sprach. Nur leider ist Tobias seit jeher ein extrem bequemer kleiner Kerl. Was er nicht unbedingt leisten muß, leistet er auch nicht. Es sei denn, es ist eine Sache, die ihn persönlich begeistert. Ansonsten macht er einfach dicht. Ich fänd’s halt gut, wenn er bis zur Einschulung begriffen hätte, daß das in der Schule so nicht geht. Aber verspielt und “naiv” wie er ist, würde er vermutlich den Ernst der Lage gar nicht begreifen.

Aber vielleicht hast Du recht und er macht im letzten Jahr vor der Schule tatsächlich noch einen Sprung. Ist ja noch früh…



Hallo Ute,
habe gerade mit Sören Link MdL (schulpolitischer Sprecher der SPD) gesprochen. Das Rückziehen des Antrags hatte organisatorische Gründe und hat die Fachpolitiker selbst geärgert. Nächste Woche wird eine entsprechende neue Vorlage eingebracht und (so seine Hoffnung - ist natürlich bei einer Minderheitsregierung nie mit Sicherheit zu sagen) spätestens im März beschlossen. Es bleibt dann also beim 1.9. für alle kommenden Jahre.

PS: Ich hoffe, dass Du durch Deine eigene Erfahrung vielleicht einmal über Deine Position zum längeren gemeinsamen Lernen vs. frühzeitige Selektion nachdenkst. Es gibt tatsächlich Kinder, deren intellektuelles Potential sich später entwickelt - und auch diese sollten meiner Meinung nach eine Chance haben, dann ihrer Begabung entsprechend gefördert zu werden!



@Claudia: Ich finde meine Position durch die Berichte der betroffenen Lehrer(!) eigentlich nur bestärkt. Sie müssen den Kram ja in der Praxis ausbaden. In der Theorie ist ja alles ganz hübsch und nett. Wenn man unendlich viel Zeit, Lehrer und Mittel hat. Die Realität sieht aber in unseren unterbestückten Schulen gänzlich anders aus: Vor allem die besseren Schüler bleiben zugunsten der schwächeren (die ja um jeden Preis gefördert werden und nur ja nicht sitzenbleiben sollen) dabei auf der Strecke.

Ich war selbst Schulbeste in der Grundschule und kann mich gut an die abgrundtiefe Langeweile erinnern, obwohl mein Klassenlehrer mich schon oft mit Sonderaufgaben in einen Nebenraum verfrachtet hat. Übrigens hat man mir nach dem zweiten Sieg damals die Teilnahme an Vor- und sonstigen Lesewettbewerben “höflich verboten”. Damit auch die Schlechteren mal zum Zuge kommen. Weia… Anderen Kindern zu helfen - der Schuß ging auch nach hinten los. In der zweiten Klasse hatte eine Kameradin einen Autounfall. Als sie nach Wochen wiederkam, wurde sie neben mich gesetzt, damit ich ihr den verpaßten Stoff nebenher beibringen kann. Hat auch geklappt. Und anschließend wurde ich von ihr und ihren Freundinnen gemobbt. Bis ans Ende der 4. Klasse. Ich war so dermaßen froh, all diese Figuren nie mehr sehen zu müsen - ich habe sogar, als ich noch Mitglied war, ihre Facebookanfragen ignoriert. Mehr als dreißig Jahre später.

Meine Tochter hat sich im vergangenen Jahr selbst das Lesen und Rechnen beigebracht und löst eigenständig und korrekt die Aufgaben in Übungsbüchern wie “Fit für die 2.(!) Klasse”. Sie mag ich mir mit Kindern wie Tobias in einer Klasse gar nicht vorstellen, noch dazu 6 statt der unvermeidbaren 4 Jahre. Es wäre für beide eine Katastrophe, und ich würde das auch nicht zulassen. Diese neuen Gemeinschaftsschulen kommen für S. und T. überhaupt nicht in Frage, tut mir leid. Solange die Schwächeren nur auf Kosten der Guten gefördert werden können, halte ich von dieser Sozialromantik null, nix und nochmal nix. Dann lieber getrennt unter Gleichbegabten mit echten Chancen für beide Seiten.



PS: Dazu kommt ja noch der Frust auf Tobias’ Seite. Für ihn ist es doch selbst zu Hause schon schwer zu ertragen, daß seine Schwester in fast allem besser und schneller ist. Wenn Du mich fragst, liegt ein guter Teil seiner Bequemlichkeit auch daran: Er traut sich erst gar nicht, irgendwas zu machen, aus Angst, daß er im Vergleich eh wieder “versagt”. Was soll ich als Mutter machen als ihn zu ermutigen, halt sein eigenes Ding durchzuziehen und sich nicht um Saskias Erfolge zu kümmern? Ich sehe doch, daß er von den Erfolgen seiner Schwester nicht profitiert, sondern eher gebremst und entmutigt wird. Aber das liegt nicht daran, daß Saskia keinen guten Willen hätte, sondern daran, daß Tobias eben einfach nicht mithalten kann. Und was soll ich meiner Tochter sagen, die sehr wohl merkt, daß ihre pfiffige Art oft genug nicht für Freude, sondern für Frust, Ärger und Aggressionen sorgt? Mir kam schon oft der Gedanke, daß beide Kinder als Einzelkinder in vielerlei Hinsicht glücklicher und erfolgreicher wären… Klar müssen sie da jetzt eben beide durch, aber seien wir doch ehrlich: Was das Lernen angeht, ist diese Situation eben _nicht_ optimal. Für keinen von beiden, und für mich auch nicht.



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