“Wir wollen doch ernst genommen werden.”

Unser voraussichtlicher neuer Außenminister ist schwul. Daß sich daran eine ganze Reihe von Ignoranten aufhängen würde, war klar. Daß ein paar davon in ausländischen Regierungen sitzen, ebenfalls. Ist letzteres nun aber ein Grund, sich “das mit dem Außenminister lieber doch nochmal zu überlegen”, wie jemand in meinem gottseidank etwas weiteren Umfeld gestern meinte?

Ja klar - überlegen ist immer gut. Denken wir also mal nach:

Es gäbe eigentlich keine bessere Methode, andere Staaten in ihrer homophoben Einstellung zu bestätigen, als bei der Wahl unserer(!) Regierungsmitglieder ausgerechnet auf die Ewiggestrigen “Rücksicht” zu nehmen. (Und mal ehrlich: Wir nähmen ja auch gar nicht auf sie Rücksicht, sondern nur auf unsere eigene Feigheit.) Es gäbe auch keine bessere Methode, in unserem eigenen Land mit einem Schlag alle Bemühungen der vergangenen Jahrzehnte gegen Homophobie zu opportunistischen Lippenbekenntnissen zu degradieren.

Ja meine Güte, das kann ja sein, aber wir wollen im Ausland doch ernst genommen werden,” hieß es dann. Ach ja?

Ernst genommen als was denn, bitte? Ernst genommen als Staat, der die Menschenrechte achtet? Als wenigstens halbwegs integre Gesellschaft, die den Mut hat, ideologischen und religiösen Fanatikern aller Art die Stirn zu bieten? Oder ernst genommen als Waffengeschäftspartner, der seine angeblichen Überzeugungen für sogenannte höhere Ziele (gerne auch Staatsraison genannt) verkauft und verrät? Ernst genommen von wem denn, bitte? Von den restlichen Staaten, in denen unsere Bürger - gleich welcher sexuellen Orientierung - ebenfalls & größtenteils sicher leben können? Oder ernst genommen von den Staaten, die die Genfer Konventionen nur dem Namen nach kennen und sie bestenfalls für eine Abwandlung der StarTrek Conventions halten?

Wir haben wieder mal die Wahl. Und ich hoffe doch sehr, daß das Ergebnis zumindest hier begrüßenswerter sein wird als am Sonntag.


Tja.

Passiert ist passiert. Hoffen wir, daß wir wenigstens einen neuen Innenminister bekommen. hmmm


Schreck in der Morgenstunde

Im Kindergarten geht die Magen-Darm-Grippe um, und ausgerechnet die Famile von Saskias bester Freundin hat’s wohl besonders schwer erwischt. Man kann sich also meine Begeisterung vorstellen, als mein Sohnemann, knapp 3 Jahre alt, heute beim Frühstück verkündete: “Mama, ich hab’ Durchfall!”

Offenbar war mein Gesichtsausdruck ihm aber entsetzt genug, denn nach einem forschenden Blick in meine Richtung breitete sich plötzlich ein Strahlen in seinem Gesicht aus und er verkündete:

“VERÄPPELT!!!”

Na danke! Auch ‘ne Art, Humor zu entwickeln. *g*


Die Freunde aus dem Internet

Wenn ich daran denke, daß  Frau Merkel beim Wuppertaler Flashmob blumig ihre “Freunde aus dem Internet” begrüßt hat, könnte ich wieder mal in die Tischkante beißen. Offenbar spaltet sich die CDU (und nicht nur sie) in zwei Lager: Die einen halten das Internet für eine Art Paralleluniversum mit Freaks von fremden Planeten, die man nicht ernst nehmen muß. Die anderen haben es als das erkannt, was es - bei richtigem Gebrauch - durchaus sein kann: Ein Informationsmedium, dessen Gestaltung und Speisung durch das Kollektiv man kaum Einhalt gebieten kann und das Ungereimtheiten aller Art früher oder später gnadenlos entlarvt. Statt sich dies aber nun für einen echten Dialog zunutze zu machen, betrachten sie es als Gefahr. Beide Sichtweisen werden sich noch übel rächen.

Das waren keine Freunde “aus dem Internet”. Das waren Bürger aus dem realen Leben, die die Nase voll haben davon, nur als Stimmvieh mißbraucht zu werden und vor jedem Dialog mit der “Obrigkeit” ihr Gehirn an der Garderobe abgeben zu müssen. Das Internet ist der Versammlungsort, in dem man mit dem Ruf “Aber der Kaiser hat ja gar keine Kleider an!” auch als Privatmensch auf einen Schlag Hunderte, wenn nicht gar Tausende erreichen und mobilisieren kann.

Heute morgen hat mich z. B. ein Mit-Twitterer in einer Direkt-Nachricht auf diesen Artikel in der Süddeutschen aufmerksam gemacht: “Verfassungsschutz soll zur Polizei werden.”

Wenn nicht ein Kalender neben mir gehangen hätte, hätte ich gedacht, es sei der 1. April. Die in dem Artikel beschriebenen Szenarien muß man sich mal genüßlich auf den Synapsen zergehen lassen. Das ist de facto eine Carte Blanche für die Exekutive.

Da der Link und einige äquivalente Artikel in anderen Zeitungen schnell die Runde machten, habe ich zunächst nicht darüber gebloggt. Doch je mehr ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir, daß jeder Einzelne zählt, der hierdurch vielleicht nochmals überdenken möchte, ob man der CDU am Sonntag tatsächlich seine Stimme geben kann.

In diesem Sinne: Klarmachen zum Ändern!


Kindergarten

Seit knapp zwei Monaten sind Saskia und Tobias jetzt gemeinsam im neuen Kindergarten und haben sich - wie erwartet - gut eingelebt. Saskia hat sogar schon eine neue “beste Freundin” gefunden, und glücklicherweise konnten wir bisher auch den Kontakt zu ihren anderen beiden Freundinnen aus dem alten Kindergarten aufrechterhalten. Ein klein wenig beneide ich meine Tochter darum, wie oft sie zu Geburtstagen etc. eingeladen wird und wie schnell sie immer “mittendrin” ist. Ein klein wenig wünschte ich mir, ich könnte diese Zeit für mich selbst noch einmal wiederholen. Oder vielleicht besser doch nicht, denn vermutlich würde sie heute nicht anders ablaufen als damals.


Schavans Energiestudie, die II.

Wann immer ich in jenem Blog lese und mein Blick zu dem kleinen Portrait oben rechts wandert, kommt mir der selbe Gedanke: Der Mann ist gut. Dieser Mann ist einfach so. verdammt. gut!

Danke für die wieder einmal perfekt verständliche Zusammenfassung jenes doch ziemlich umfangreichen Papiers. Warum es im Wahlkampf nicht als Diskussionsgrundlage gedient hat, darüber kann ich nur Vermutungen anstellen. Ich denke, sowohl die Politik als auch die Medien trauen dem “normalen” Bürger gar nicht genug Intelligenz und Interesse zu. Wahlkampf wird ja leider inzwischen analog zur Bildungspolitik betrieben: Der Klassenletzte wird bedient, um mit Scheinerfolgen zu glänzen. Die geistigen Ressourcen der Besseren läßt man - mehr oder weniger unerkannt - vergammeln.

Daß es den Verantwortlichen langsam mulmig wird, wenn derartige Studien durch das Internet immer öfter an die Öffentlichkeit gelangen und dort losgelöst von der politischen Führung für einen Austausch sorgen - diese Vermutung liegt allerdings ebenfalls nahe. Blogs wie “Fischblog” sind jedenfalls ein prima Anfang.


“Warum ich die Piraten wähle”

Da braucht’s keinen weiteren Kommentar:

(Via @Fischblog)


Schavan hält brisante Atomstudie zurück

Das Gutachten wurde von der Bundesforschungsministerin selbst in Auftrag gegeben, dennoch ist es bereits seit drei Monaten unter Verschluss. Zu brisant ist es in Wahlkampfzeiten: Dutzende Wissenschaftler fordern darin den Neubau von Atommeilern in Deutschland an. (=> Ganzer Artikel, via Twitter)

Update: Bei den Ruhrbaronen gibt es jetzt einen Link zu der Studie.


Quarantänebecken

Seit heute läuft nun auch ein Quarantänebecken ein in diesem Haushalt. Das Risiko, mit neuen Fischen gleich wieder den halben Ursprungsbestand zu gefährden, ist einfach zu groß. Der Kauf der neuen Fische an sich wird allerdings wohl noch ein paar Wochen dauern, schätze ich. Weiß noch nicht so richtig, was ich haben möchte. Evtl. wieder Paradiesfische?

Die Pflanzenliste mte ich mal wieder updaten, da gibt es seit ein paar Wochen ein paar neue. Bei Gelegenheit suche ich mal die lateinischen und deutschen Namen raus, aber heute nicht mehr.


Fundstück:

=> Grenzpfosten, unterwegs im Grenzgebiet von Online, Journalismus und PR

(via Andreas auf Twitter)



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