Auf der Suche nach der verlorenen Identität
Es ist schon mehr als gruselig, wenn man in einer Gruppe von Müttern gerade frisch aufgeschlagen ist und dann bei der Vorstellungsrunde nur zu hören bekommt: “Ich bin Timmis Mutter”, “Ich bin die Mama von Verena” oder “Ich gehöre zu dem kleinen blonden Jungen da drüben”
Fein, wenn man die Kinder den Eltern und die Eltern den Kindern zuordnen kann. Aber eigentlich wüßte ich doch schon ganz gerne, wie die Mamas und Papas denn selber heißen.
Gleiches gilt in abgeschwächter Form für all die Muttis, die in Foren gleich nach der Geburt ihren Avatar gegen ein Bild ihres Kindes austauschen. Ich meine, hey, es ist doch nicht das Kind, das dort postet!?
Bei allem Stolz auf meinen Sprößling bin ich doch immer noch ich selber! Neun Monate lang fungiere ich als wandelnde Intensivstation für mein Kind - da ist es doch um so schöner, wenn am Ende des Entwicklungsprozesses zwei getrennte Individuen stehen. Oder gibt man mit der Geburt des Kindes gleich auch die eigene Identität an der Garderobe ab und definiert sich ab sofort nur noch über seinen Nachwuchs? Gilt das als Inbegriff der Elternliebe? Altruismus bis zur Selbstaufgabe?
Dann bin ich wohl eine Rabenmutter. Ich heiße Ute Gerhardt. Und mein Avatar bleibt wie er ist.