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Baustellen

Es war schon wieder ein lehrreicher Tag heute. Am Nachmittag habe ich mich sogar getraut, einen Wunsch offen “auszusprechen”, den ich eigentlich noch lange nicht eingestehen wollte. Aus Angst, den anderen zu verärgern, verschrecken, ver… Whatever. Es ist für mich zur Zeit noch eine ziemliche Gratwanderung zu unterscheiden zwischen wirklich unangemessenen Wünschen (oder gar dreisten Forderungen) und dem Hinweis: “Bitte nimm mich als verletzbaren Menschen mit eigenen Bedürfnissen und Gefühlen an. Bitte versuche auch mich zu verstehen.” Aber zu meinem momentanen Lernprozeß gehört eben, zu mir selbst zu stehen und zu dem, was ich brauche oder was mir wichtig ist, statt mich unsichtbar zu machen. Seit ich mir das vermehrt ein- und zugestehe, merke ich, wie ich generell entspannter werde, mit Unvorhergesehenem besser klarkomme und vieles nicht mehr persönlich nehme, was mich zuvor aus der Bahn geworfen hätte. Und auch wesentlich ernster genommen werde, mit dem, was ich möchte.

Aber wie dem auch sei: Ich hoffe, ich konnte mein Anliegen zumindest nachträglich so formulieren, daß mein Gesprächspartner gemerkt hat, daß ich ihn in keiner Weise unter Druck setzen möchte, sondern nur einen wirklichen Herzenswunsch geäußert habe und auch weiß und akzeptiere, daß er nicht sofort erfüllt werden kann. Leicht gefallen ist es mir nicht, ihn überhaupt auszusprechen. Die Begründung einzugestehen, war noch schwieriger. Aber “wer nicht wagt, der nicht gewinnt”, oder wie es so schön heißt. Nun steht der Wunsch im Raum, und da lasse ich ihn nun stehen und mache vorsichtig die Tür hinter mir zu. Der Raum gehört wieder ganz Dir. Der Schlüssel sowieso.

Bisher habe ich keinen Grund zu der Annahme, daß Du hier zur Zeit mitliest. Es würde mich zwar freuen, in Anbetracht Deiner Situation aber eigentlich auch eher wundern, denn Deine Zeit ist knapp genug. Ich schreibe trotzdem oder vielmehr genau deshalb mal einen Gruß hier ins Blog statt in eine Mail, weil ich das Gefühl habe, daß Du gerade wieder Zeit für Dich allein benötigst. Zumal ich mir auch denken kann, welches Deine “beiden Baustellen” sind. Bei der ersten wünsche ich Dir und bei der zweiten bin ich mir eigentlich fast sicher, daß mit vielleicht noch etwas mehr Zeit wieder etwas sehr Schönes daraus wachsen kann. Ich würde es Dir so sehr gönnen, denn ich glaube gespürt zu haben, wie schwer Dir zumindest dieser zweite Punkt auf der Seele liegt. Meine Überzeugung ist, daß man eigentlich irgendwann alles heilen und verzeihen kann, wo keine Bosheit, Gehässigkeit, Berechnung oder Niedertracht im Spiel war. Alles Eigenschaften, die ich keinem der Beteiligten zutraue.

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