Berlin II
Zu meiner Schande muß ich gestehen, daß das Grönemeyer-Konzert das erste Konzert war, das ich überhaupt je besucht habe. OK, abgesehen von Starship / The Cutting Crew im Sommer 1987 im Vergnügungspark Darien Lake in Kanada. Da kam man aber als Parkbesucher gar nicht um die Musik herum.
Normalerweise sind mir Konzerte einfach zu laut und Menschenmassen generell zuwider. Am Freitag hatten Marc und ich jedoch prima Sitzplätze am Nordost-Rand von Block 7 mit vollem Blick auf die Bühne erwischt und ich hatte eine Packung Oropax dabei, die den Geräuschpegel auf ein erträgliches Maß senkte. So konnte man’s aushalten und hatte sogar Spaß dabei. *g*
Der liebe Gröni schien “gut drauf” zu sein und hat eine schwungvolle Show abgezogen. Allerdings hat es doch eine ganze Weile gedauert, bis das Berliner Publikum ebenfalls richtig in Schwung kam. Richtig gute Stimmung kam eigentlich erst nach der Dämmerung auf, was allerdings vielleicht auch daran lag, daß wir zunächst bis ca. 20 Uhr warten mußten, bis es endlich los ging. Die Vorgruppe (2raumwohnung) hat eigentlich nur diejenigen “vom Hocker gerissen”, die ohnehin schon bis zur Nasenspitze mit Adrenalin vollgepumpt waren. *g* Zwar hat die kleine Sängerin eine beachtliche Stimme, die Gruppe selbst aber offenbar keine wirklich mitreißenden Songs. “Ich und Elaine” war noch einer der lebhaftesten, und irgendwie klang alles gleich. Naja, dafür hat sich das eigentliche Konzert mit H.G. dann jedoch bis ca. 23:30 Uhr ausgedehnt und die Fans waren wieder versöhnt.
Samstag war Kultur angsagt: Die junge Dame, die uns im Hotel morgens das Frühstück servierte, hatte uns die Azteken-Ausstellung im Martin-Gropius-Bau ans Herz gelegt. Mit dem Hinweis, ihre Kommilitonen seien allesamt begeistert gewesen. Naja… Die Exponate waren ja wirklich interessant, aber das Konzept der Ausstellung muß wohl von einem Praktikanten aufgestellt worden sein. War man endlich durch alle Räume durch, tat einem alles weh:
1. Die Füße, denn man kann sich nirgendwo hinsetzen. Bänke gib’s erst in der Halle nach der Ausstellung. Sich auf den Boden zu setzen, wurde einem vom Wachpersonal grob verboten
2. Das Kreuz, denn sämtliche Schilder waren viel zu niedrig angebracht.
3. Die Augen, denn die Schilder waren zu allem Überfluß auch noch zu klein bedruckt und miserabel beleuchtet.
Die Ausstellung ist zudem hoffnungslos überlaufen. Es drängelt sich dort ein Besucherstrom, der es absolut unmöglich macht, sich irgendeines der Exponate auch nur einmal in Ruhe anzusehen. Ständig wird einem die Sicht verstellt, man wird angerempelt, beiseite geschoben. Und heiß ist es dort! Heiß und stickig, so daß man vor Sauerstoffmangel fast eingeht. Will man jedoch wenigstens die Strickjacke ausziehen, wird man von irgendeinem Zerberus angeranzt, das sei nicht erlaubt! Man habe die Jacke gefälligst entweder komplett oder über der Schulter zu tragen! (sic) Zählt man dann noch hinzu, daß die Anordnung der Exponate völlig willkürlich erscheint, kann man sich in etwa ein Bild des kulturellen Nährwerts für den Besucher machen…
Tja, wie ging’s weiter? Abends Kino im Europa-Center (Bruce Allmächtig), dann eine Bus-und-Bahn-Tour quer durch Berlin, auf gut Glück. War auch ganz witzig, wenn man nicht wußte, wo man letztendlich landen würde. Dank der vielen S-Bahn-Stationen hatte man aber immer wieder die Gelegenheit, in den Stadtkern zurückzukehren, auch um Mitternacht noch. ![]()
Kurz vor der Abreise am Sonntag machten wir spaßeshalber auch noch einen Abstecher ins Erotik-Museum in der Nähe des Bahnhofs “Zoologischer Garten”. Schmunzeln und staunen waren angesagt—die Ausstellung ist wirklich nicht schlecht!
Doch schon hieß es umkehren und in den Zug steigen. Wieder ab in den Alltagstrott…