Das Mütter-Mosaik
Eigentlich könnte es ja so einfach sein: Man legt sich einen klaren Plan zurecht, was man seinen Kindern alles mit auf den Lebensweg geben möchte, bekommt die Kinder, hilft ihnen beim Großwerden, und schon hat man Friede, Freude, Eierkuchen. Projekt erfolgreich abgeschlossen. Die Sache hat nur einen Haken: Sie funktioniert nicht.
Ich weiß nicht, ob es Vätern ebenso geht, aber Mütter vergleichen sich irgendwie doch oft mit anderen Müttern. Ich höre es von anderen und ich merke es auch an mir. Ich stehe bei mir selbst eigentlich permanent auf dem Prüfstand. Ich schaue in die eine Richtung und sehe, wie eine Mutter rund um die Uhr für ihre Kinder da ist und mit den beiden Mädchen wunderschöne kreative Sachen bastelt und unternimmt und denke daran, daß Basteln irgendwie so gar nicht mein Ding ist und ich meine eigene Elternzeit - die ich eigentlich bis Oktober 2009 beantragt hatte - um anderthalb Jahre gekürzt habe. Das war schon früh absehbar, denn ich merkte, wie unzufrieden ich ohne Beruf wurde. War das richtig und in Ordnung so? Werden meine Kinder - besonders der Kleine - später einmal etwas vermissen oder mir Vorhaltungen machen? Ist die Tatsache, daß auch der Kleine schon vor seinem 4. Lebensjahr “fremdbetreut” wird, zu rechtfertigen mit zum Beispiel den besseren Chancen, Aktivitäten, Reisen etc., die wir unseren Kindern durch zwei gute Einkommen ja auch bieten können? Zweifel über Zweifel. Eine Berechnungsformel gibt es leider nicht.
An anderen Tagen denke ich wiederum an einen Satz, den Melody vor einigen Jahren mal in ihr Blog geschrieben hat. Nämlich sinngemäß, daß jedes Kind es verdient, eine Mutter zu haben, deren Horizont nicht hinter dem Topfrand auf dem Herd endet. Die weiß, was Berufsleben heißt. Die dem Kind vorlebt, den Mut zu haben, das eigene Potential zu nutzen. Auch da ist viel Wahres dran. (Wobei das wohl auch eine “Nur-Hausfrau” hinbekommt, wenn genug Interesse und Grips vorhanden sind.)
Bei einer dritten Mutter bewundere ich nicht nur die irre breit gefächerten Interessen, sondern auch das riesengroße Herz, in dem offenbar so ziemlich alles und jeder Platz hat. Auch etwas Wichtiges, das ich meinen Kindern gerne vorleben würde. Was mir aber wohl nie gelingen wird.
Das Beste wäre vermutlich ein Mix aus allen Mutter-Typen. Ein Mosaik gewissermaßen. Oder wie eins von diesen Spielen, wo man den Kopf einer ersten Figur mit dem Körper einer zweiten und den Beinen einer dritten kombiniert. Und schnell wieder bei bei der Erkenntnis ankommt: Man kann nicht alles haben. Und auch nicht schaffen.
Welchen Schluß ziehe ich nun letztendlich aus all dem? Eigentlich gar keinen. Ich weiß momentan nur, daß ich ja selbst Gelegenheit hatte, nacheinander mit zwei verschiedenen Müttern aufzuwachsen. Und ganz klar sagen muß: Die bessere war nicht die, die den ganzen Tag zu Hause war. Sie wäre es aber auch nicht gewesen, wenn sie ihren Beruf weiter ausgeübt hätte. Bei ihr habe ich Dinge vermißt, die mit dem Faktor Zeit oder Geld nicht das Geringste zu tun hatten. Dinge, die aber bei allen drei oben genannten Müttern zweifellos vorhanden sind.
Tja. In diesem Sinne…