Ein Herz für Studenten
Matthias fragt in den Kommentaren: “Bei Marktumfragen kann man schon mitmachen. Habt ihr denn kein Herz für Studenten, die sich so ihr Studium finanzieren?”
Ehrlich gesagt und ganz vorneweg: Ich habe bisher noch keine echte Umfrage erlebt. Auf das eine oder andere Gespräch habe ich in meiner Naivität ja am Anfang noch eingelassen, eben genau weil ich mir dachte, daß diese Leute in ihrem miesen Job sicherlich auch froh sind, wenn man ihnen hilft. Doch alle diese Telefonate endeten damit, daß sich am Ende des Gesprächs plötzlich irgendeine Firma enttarnte wie ein Klingonischer Kreuzer und mir irgendeinen Schrott aufschwatzen wollte, und zwar z.T. ziemlich dreist und hartnäckig. Finanzberatung, Zeitungsabos, Bücherclubmitgliedschaften und so weiter und so fort. Tut mir leid, aber dann fühle ich mich nur noch verar…t. Irgendwann ist das Maß eben voll.
Wenn, dann sollen sie doch ehrlich sein und gleich sagen, daß es sich nicht um eine Umfrage, sondern um das Aufdrängen von Waren handelt. Damit ich weiß, für was ich da meine Zeit verplempere - oder auch nicht. Wer meine Zeit aber für nix stiehlt und dann hintenrum erst mit dem dicken Hammer kommt, hat von mir keine Unterstützung zu erwarten, sorry. Schon erst recht nicht, wenn sie selber noch nicht mal höflich bleiben können.
Klar, da können die Studenten nichts für, aber wenn die bei ihren Telefonaten nur oft genug auf Ablehnung stoßen, kommen die dahintersteckenden Unternehmen vielleicht irgendwann mal auf den Trichter, ihre Kunden nicht länger wie Schwachsinnige zu behandeln, die schon irgendwann weich werden, wenn man sie nur lange und blöd genug belabert. Ist ja auch nett gemacht: Erst kommt eine Latte von Fragen, die man fast ausnahmslos mit Ja beantworten kann. Ist schon fast wie ein Mantra. Und dann die Frage “Hätten Sie Interesse an…”. Da ist man dann schon so an die Jasagerei gewöhnt, daß einem das nächste Ja schon fast von alleine rausrutscht. Aber eben nur fast.
Übrigens werden die armen Studenten vorrangig nach Stunden bezahlt. Judith, ihres Zeichens selbt ehemalige Studenten-Telefonmarketingquasselstrippe, beschreibt das in den Kommentaren zu diesem Eintrag von Rieke. Es ist also ohnehin wurscht, ob ich das Gelaber über mich ergehen lasse oder ob ich meine Zeit für etwas Besseres verwende. ![]()
Seit Dezember kann ich übrigens auf ein ganz neues Mittel zum Abwimmeln zurückgreifen: “Ich spreche mit Frau XYZ”?” ist ja immer die allererste Frage. Da man mich aber meist unter meinem Mädchennamen sprechen will, teile ich wahrheitsgemäß mit, daß eine Dame dieses Namens früher mal hier gewohnt hat, jetzt aber nicht mehr. Dieser Fehler im Datenbestand verwirrt die Damen und Herren schon derart gründlich, daß mir weiteres Gefasel ganz von allein erspart bleibt. Sie verabschieden sich dann meist direkt von selbst. Logisch - war nix mit Mantra. Gleich die erste Frage ein Fehlschlag.