Einmal Realitätscheck bitte!
Geschätzte Leser- und vor allem Elternschaft,
heute hätte ich eine Frage aus der Rubrik “Was hättet Ihr getan?” - mein Blog wartet gespannt auf Eure Kommentare!
Folgendes Szenario: Zu Kindergartenschluß holt Ihr zwei Kinder ab und wollt das Gebäude gerade verlassen - relativ eilig, da Ihr rasch wieder ins Firmennetzwerk und weiterarbeiten müßt. Im Vorraum zum Ausgang ist noch eine Mutter, die gerade einen Kindersitz vom Boden aufklaubt und Euch dann zur Tür folgt. Ihr ca. 5jähriger Sohn guckt erst zu, aber als er Euch kommen sieht, stellt er sich mit ausgebreiteten Armen und Beinen in die geöffnete Tür und läßt weder Euch noch Eure Kinder passieren. Nicht etwa keck grinsend oder gar lachend, sondern schweigend, mit fast schon feindseliger Miene. Er schaut Euch nicht einmal an.
Ihr habt dieses Verhalten des Jungen schon häufiger gegenüber anderen beobachtet und bittet den Jungen freundlich aber bestimmt Platz zu machen. Keine Reaktion. Ihr wartet 3 Sekunden und fordert den Jungen noch deutlicher (und nun doch etwas ungehalten) auf, die Tür frei zu machen, mit einem Hinweis darauf, daß Ihr das nicht mehr sonderlich lustig findet. Daraufhin gibt der Junge widerwillig und immer noch schweigend die Tür frei. Aber nur so knapp, daß Ihr Euch gerade mit Mühe und Not vorbeiquetschen könnt, wenn Ihr den Jungen nicht umrempeln wollt.
Preisfrage: Was wäre Eure Reaktion an Stelle der Mutter des Jungen an beliebiger Stelle dieses Schauspiels? Ich löse das Rätsel gerne auf, sobald ich hier ein paar Eurer Kommentare gesammelt habe.
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Nachtrag, 8.12.:
Lustich - die Geschichte geht sogar noch weiter. Die Mutter sprach mich heute im Kindergarten an, wenn ich ein Problem mit ihrem Sohn hätte, solle ich sie doch direkt ansprechen. Angeblich hätte sie ja gar nicht bemerkt, was ihr Sohn da machte. Ach? Auf gerade mal knapp 2 Meter Entfernung? Gegen diese Behauptung spricht, daß sie ihn ja durch ihr abschließendes “Mach dir nichts draus” noch quasi in seinem Verhalten bestärkt hat. Sie dann auch noch anzusprechen, daß ich das Verhalten ihres Sohnes fragwürdig finde, erschien mir daher logischerweise wenig erfolgversprechend. Da eignet sich mein Blog wohl besser, um meiner Verwunderung Ausdruck zu verleihen.
Nein, das Problem habe tatsächlich nicht ich. Übrigens auch nicht damit, daß der Link zu diesem Eintrag offenbar umgehend an die Mutter weitergegeben wurde. Ich stehe zu dem, was ich schreibe. Weitergegeben von wem? Och, lassen wir das doch mal dahingestellt sein. Das eigentlich Interessante ist ja, daß es aus irgendeinem Grund nicht viel Phantasie brauchte, um herauszufinden, um welchen Jungen es sich gehandelt haben mußte. ^^
Hätte jetzt fast “Zusammenfalten!” geschrieben.
“Björn-Thorben, steh doch bitte den netten Leuten nicht im Weg rum…” Aber halt, so würde das ja in einer gesunden Gesellschaft laufen - vermutlich bin ich wesentlich näher dran wenn ich annehme, dass die Mutter sich bei Dir darüber beschwert hat, dass Du ihr Kind herumkommandierst…
@Christian: Nein, überraschenderweise nicht. Damit hatte ich auch schon fast gerechnet, aber ihre tatsächliche Reaktion hat mich noch mehr konsterniert.
Jetzt bin ich aber gespannt…
wenn den euro zusammen hast kannst ja platz machen :-D
Hach, was seid Ihr alle phantasielos! *g*
Nun, die Sache ging folgendermaßen weiter:
Meine Kinder und ich schlängeln uns nacheinander an dem Jungen vorbei. Und noch während ich der Mutter die Tür aufhalte(!) - Autositz und so -, höre ich, wie sie zu ihrem Sohn sagt: “M., mach Dir nichts draus.”
Kopf => Tisch
Ich glaube das war ein Schrei nach Liebe.
@Lichtecho: Bei der Reaktion der Mutter scheint mir die Ursache wohl eher in fehlenden Grenzen in dieser Familie zu liegen. Aber selbst wenn Du recht hättest - mit dem Benehmen wird das wohl eher nix. Und ich bin sowieso generell nicht bereit, für jeden Mangel an Manieren immer eine Entschuldigung zu suchen und damit auch noch einen Freibrief zu erteilen. So weit kommt’s noch…
Ich habe in einer solchen Situation (nach freundlicher Aufforderung) schonmal das ganze Kind gepackt und an die Seite gestellt. Nicht meines, wohlgemerkt. Ansonsten neige ich auch gern dazu, spontan etwas breiter zu werden, wenn es dem Plaaach zu eng wird, macht es dann schon Platz….
Höflichkeit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr - leider scheint das weit verbreitet zu sein. Und wenn jemand so offensichtlich das auch noch zum Erziehungsprogramm macht - dann endet meine Höflichkeit auch ganz plötzlich.
Für den Fall, dass Marius-Marvin momentan die “Ich lass Dich erst nach dem geheimen Passwort vorbei” Phase hat, hätte er schon so viel Mumm aufbringen müssen, Euch danach zu fragen.
Und dann wäre die Reaktion der Mutter ebenfalls zum Schulterzucken, es sei denn, Marcel-Miguel hat seine Bitte um das Passwort so genuschelt, dass niemand sie verstehen konnte, außer der liebenden Mutter.
Dann hätte sie die Sache immer noch erklären können und alle wären zufrieden.
Also: Nicht aufregen, nur wundern!
@Geelinde: Der Bub kann froh sein, daß er nicht meinen Eltern den Weg verstellt hat. Als Blinde hätten die den schlicht und ergreifend nicht bemerkt und mit voller Wucht umgenietet. ^^
@Tanja: Tja, auf Paßwortspielchen und dergleichen hätte ich mich in der Tat sogar eingelassen. Sowas kennt man ja.
Aber auf stumpfsinniges bloßes Ärgern kann ich verzichten. Ich schätze, wenn die Mutter schon nix macht, werden dem Jungen dann halt andere Erwachsene solche Mätzchen auf die harte Tour abgewöhnen. *achselzuck*
Ich kenne aber noch mehr Kids die sowas machen. Was war an dem so schlimm?
@Gandalf: Klar, kenne ich auch. Ich fand’s nur nicht gut, daß nicht korrigierend eingegriffen wurde, als klar war, daß der Junge nicht freiwillig Platz machen würde. Die Mutter hat im Gespräch (in dem sie erst behauptete, nichts bemerkt zu haben,) übrigens eingeräumt, daß sie zumindest meinen “nicht lustig”-Kommentar durchaus mitbekommen hatte. Da fragt man dann als Mutter doch normalerweise mal nach, was los ist, oder? Stattdessen meint sie aber zu ihrem Sohn, er “solle sich nichts draus machen”. Damit gibt sie ihm ja indirekt zu verstehen, daß sein Verhalten in Ordnung war und ich mich anders hätte verhalten müssen. Nun gut, wenn sie das so empfindet - ich muß ihre Auffassung von Humor ja nicht teilen. Mein Problem ist/wird das nicht, da wir null Berührungspunkte mit dieser Familie haben.
Zweitens fand ich allerdings auch das Verhalten des Jungen an sich auffällig. Andere Kinder, die sowas machen, grinsen dann den Erwachsenen an, dem sie den Weg verstellen. Oder tun streng wie ein Wächter an der Stadtmauer und verlangen ein Passwort. Was auch immer - sie nehmen jedenfalls _irgendwie_ Kontakt zu ihrer “Spiel-Geisel” auf. Man merkt, daß sie das Spiel und/oder die Herausforderung suchen. Da hätte ich, wie ich Tanja weiter oben schon gesagt habe, auch sicher ganz anders reagiert. Bei diesem Jungen war das völlig anders. Er stand nur da, schaute wie gesagt fast schon feindselig in einer ganz andere Ecke und stellte nicht einmal Blickkontakt zu mir oder meinen Kindern her. Plus: Ich habe das bei ihm in genau der Form auch gegenüber anderen wildfremden Leuten schon beobachtet. Ganz, ganz eigenartig! Bei meinen eigenen Kindern fände ich das besorgniserregend. Das war kein kindliches Spiel, Grenzen testen, Neckerei, das war… Keine Ahnung, was das war. Ist mir aber ehrlich gesagt auch egal. => NMB - Nicht meine Baustelle. Ich bin mir auch ziemlich sicher, daß dieser Junge sich mir nicht nochmal so in den Weg stellen wird.