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Ethiksteuer

Ulrich Blum, Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle, hat allen Ernstes vorgeschlagen, eine sogenannte Ethiksteuer in Deutschland einzuführen. Diese Steuer solle von all denjenigen gezahlt werden, die keiner anerkannten Kirche angehören.

Seine Begründung:
“Damit ließe sich die Zahl der Kirchenaustritte möglicherweise bremsen und ein Trittbrettfahrerverhalten unterbinden. “Schließlich nehmen auch Nicht-Kirchensteuerzahler häufig soziale Dienste oder Seelsorger in Anspruch”, sagte Blum.”

Ich will jetzt gar nicht näher auf den Prozentsatz eingehen, zu dem z.B. kirchliche Kindergärten, Seelsorge etc. bereits ohnehin vom Staat und freiwilligen Spenden bezuschußt werden. Da gibt es andere, ausführlichere Quellen. Aber:

Als Staatsbürger habe ich zweifellos die Pflicht, über die Zahlung von Steuern zu dem beizutragen, was der Staat errichtet und unterhält. Kirchliche Einrichtungen jeder Art gehören jedoch schlicht und ergreifend nicht dazu. Unter diesem Aspekt betrachtet, ist bereits die Kirchensteuer an sich verfassungsrechtlich zumindest fragwürdig. Daß die Kirchensteuer ihren Ursprung in einem politischen Interessenausgleich hat, macht die Sache nicht leichter. Schon erst recht, wenn man bedenkt, daß arbeitende Nichtmitglieder sogar für ihre nichtverdienenden Ehepartner Kirchgeld zahlen müssen, sofern letztere der Kirche angehören.

Als Staatsbürger ist es jedoch auch mein Recht, privaten Unternehmen (und nichts anderes ist die Kirche) sowie Vereinen meine Unterstützung rein nach eigenem Gutdünken zu gewähren - oder auch zu verweigern. Diese Entscheidungsfreiheit ist ein Teil unserer Demokratie. Dieses Recht greift Herr Blüm nun - vermutlich von Macchiavelli inspiriert - an. Und warum? Weil die Empfänger der Kirchensteuer noch immer nicht begriffen haben, was die Stunde geschlagen hat und warum ihnen die Leute in Scharen davonlaufen. Weil sie als Privatunternehmen nicht in der Lage sind, ihre “Produkte” effizient an den Mann zu bringen. Weil sie Kunden verlieren, die die Glaubwürdigkeit des Unternehmens Kirche bezweifeln. Weil das Konzept nicht mehr stimmt und die Verwaltung mehr Ressourcen auffrißt als die Dienstleistungen an sich. Jedem Unternehmen würde man in einem solchen Fall raten, zumindest mal seine Marketingstrategie zu überdenken und den Wasserkopf zu verkleinern. Man würde Ursachenforschung betreiben und dort ansetzen. Keinesfalls jedoch würde man die ehemaligen Kunden(!) zwingen(!), entweder gefälligst etwas bei dieser Firma zu kaufen oder aber die selbe Summe für ein anderes Produkt auszugeben. Schlüge ein Berater oder Banker derartiges vor, wäre ihm ein Rausschmiß, evtl. sogar ein Platz in einer Gummizelle sicher.

Herr Blum jedoch sieht genau hierin eine Rettung für das Privatunternehmen Kirche. Ein Wirtschaftswissenschaftler, Vorsitzender eines Instituts für Wirtschaftsforschung gar, der nicht mal auf das Nächstliegende kommt: Nämlich konfessionslosen Nutznießern der kirchlichen Dienste ebendiese schlicht fallgebunden in Rechnung zu stellen. Kopf => Tisch.

Armes Deutschland. Mit solchen Koryphäen als Berater der Politik ist die nächste Krise wohl vorprogrammiert. Und mal so ganz nebenbei bemerkt: Im Zweifelsfall würde ich mein Geld lieber dem Roten Kreuz zukommen lassen, und ich bin sicher nicht die Einzige. Inwiefern hilft das dann bitte den Kirchen? Eben. Aber wer weiß - als Nächstes kommt dann vielleicht die Überzeugungssteuer…

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