Frechheit siegt?
Bei Herrn Michael Hoffmann, seines Zeichens Fraktionsvorsitzender der SPD in Unna, bin ich mir nicht sicher, ob es die Kälte war, die ihm nicht bekommen ist, oder ob seine Fahrradfahrt durch ein Schlagloch Folgen hatte. Oder eventuell einfach nur sein Amt.
Der gute Mann schlägt allen Ernstes vor, wenn die Bürger wieder heile Straßen haben wollten, dann sollen sie doch einfach die Schlaglöcher im Stadtgebiet für 50 Teuro “kaufen”. Herr Hoffman appelliert - ganz SPDler - an den Gemeinsinn und die Tatkraft seiner Bürger:
Es wird darüber geredet und oft auch gemeckert, so Michael Hoffmann. Mit der Schlagloch-Aktion hätte jeder Bürger Gelegenheit, nicht nur zu reden, sondern seine Heimatstadt aktiv finanziell zu unterstützen.
Hmmm… Es könnte ja sein, daß ich durch mein Studium vorgeschädigt bin, aber unter “kaufen” verstehe ich eigentlich, daß mir für mein Geld ein Gegenwert geboten wird, den ich vorher noch nicht mein eigen nennen konnte. Nun mag manch einer argumentieren, eine wiederhergestellte Asphaltdecke sei ja schließlich ein nicht zu verachtendes Gut. Vor allem in Hinblick auf die Lebensdauer des Fahrwerks meines Autos. Aber wenn mich nicht alles täuscht, sind Straßenreparaturen doch eigentlich bereits durch Steuergelder abgedeckt, oder hat sich dieser Bereich neben der Rente- und der angestrebten privaten Pflegeversicherung auch schon aus dem Verantwortungsgebiet des Staates bzw. der Stadt verabschiedet? So wie die Renovierung vieler Klassenräume in NRWs Schulen ja auch längst nur noch in Elterninitiative betrieben wird, vielleicht? Ich möchte ja nicht ausschließen, daß ich da etwas nicht mitbekommen habe. Vielleicht sollte ich mal googeln. Eventuell müssen die Bürger ja demnächst auch die Reinigung der öffentlichen Gebäude nochmal extra blechen (50 Euro pro Klinkerstein? Reicht das?), die Pflanzen für die Grünanlagen bezahlen (und am besten auch noch selbst einbuddeln) oder in kaputte Straßenlaternen selbst neue Leuchtstoffröhren einschrauben?
Aber pragmatisch wie ich bin, habe ich einen Gegenvorschlag für Herrn Hoffmann: Unna macht die Erhöhung der Bezüge der Mitglieder des Aufsichtsrates der Wirtschaftsbetriebe der Stadt rückgängig und finanziert die Reparatur der Schlaglöcher aus diesem Topf. Wenigstens zum Teil? Nein? Schade. Aber auch nicht überraschend.
Ich hab ne viel bessere Idee: Ihr lasst die Schlaglöcher einfach vollaufen und erklärt sie zu geschützten Feuchtbiotopen (“Dortmunder Seenplatte”). :-p
@Lars: Dann dauert’s auch nicht mehr lange und Du kannst Dortmund zum Venedig an der Ruhr erklären. ^^
Auf WDR 2 muß Hoffmann übrigens heute morgen ziemlich dummes Zeug gestammelt haben, als der Moderator ihn im Interview aufs Korn nahm. Hoffmann meinte wohl, schließlich kämen ja jetzt Steuersenkungen, da könnte man den Bürgen doch solche Aktionen wie mit den Unnaer Schlaglöchern zumuten. Der scheint wirklich den Schuß nicht gehört zu haben.