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Frühstück

“Das Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages”...

Bla, bla, bla. Gerade kam mir wieder mal so ein Traktätchen unter (Print, daher kein Link), in dem der Untergang des Abendlandes allgemein und der Leistungsfähigkeit insbesondere heraufbeschworen wurde, falls ein Kind morgens kein Frühstück zu sich nimmt. Mit einem warmen Getränk, versteht sich.

Sage wir mal so: Ich war, meine ich behaupten zu dürfen, beileibe keine schlechte Schülerin. Was aber ganz bestimmt nicht daran lag, daß meine Mutter mir bis zu ihrem Tod 1982 jeden Morgen ein Frühstück aufgezwungen hat. Die Sache mit dem warmen Getränk hat sie nach ausgiebigen Experimenten mit Früchtetee, Milch, Kakao, Karo-Kaffee etc. irgendwann aufgegeben und ich durfte Wasser oder Saft trinken. Aber eine Schnitte Brot mit irgendwas drauf stand in der Früh jeden Tag auf dem Tisch. Ob ich wollte oder nicht. In 98% aller Fälle wollte ich nicht. Das hatte nicht nur etwas mit “kein Hunger” zu tun. Es war ein regelrechter Widerwille, überhaupt irgendetwas in den Mund zu nehmen und runterzuschlucken. Es wäre mir auch egal gewesen, ob dort ein belegtes Brot, Torte oder eingelegter Hering stand.

Da Nichtaufessen aber Ärger, Druck & Zwang ergab, habe ich fast täglich mittendrin vorgetäuscht, auf die Toilette zu müssen (lang genug hingezogen hat sich das Drama ja…), habe den Mundinhalt in die Schüssel gespuckt, dann Toilettenpapier mitgenommen, das Brot clamheimlich stückweise darin eingewickelt und in die Hosentasche gesteckt. (Manchmal kann es halt auch von Vorteil sein, blinde Eltern zu haben. ^^) Kaum hatte ich dann das Haus verlassen, flogen die kleinen Päckchen in den nächsten erreichbaren Mülleimer. Auch mein Pausenbrot landete oft genug im Müll. Hätte ich es wieder mit nach Hause gebracht, wäre der Rechtfertigungszirkus logegegangen, warum, wieso und weshalb.

Nach 1982 hatte dieser Spuk dann zum Glück ein jähes Ende, und das ist tatsächlich etwas, für das ich meinem Vater und später meiner Stiefmutter heute noch dankbar bin. Ich hätte jederzeit frühstücken können - egal ob Brot, Müsli, Joghurt pur oder was auch immer - aber ich mußte nicht mehr. Und ich tat es auch nicht. In den allermeisten Fällen, so durfte ich mittlerweile selbst als Mutter feststellen, weiß ein Kind sehr gut, was es gerade braucht und verträgt. Oder eben auch nicht. Entsprechend wird es bei uns gehandhabt. Meine beiden können frühstücken, aber wer nicht will, der muß nicht. Tobias will eigentlich immer, Saskia ißt oft nur wenig oder eben auch mal gar nichts. Na und?

Mal ernsthaft, liebe Wissenschaftler: Wenn ein Kind (wie ich damals - und vor 08:30 Uhr auch heute noch!) beim bloßen Gedanken an etwas zu essen fast würgen muß und partout keinen Bissen herunterbekommt, dann möchte ich persönlich stark bezweifeln, daß es gesund sein kann, ihm auf Biegen und buchstäblich Brechen etwas auf- und in den Magen zu zwingen. So niedrig kann der Blutzuckerspiegel dann wohl gar nicht sein. Ist dieser toale Widerwille gegen Essen in der Früh von Gern-Frühstückern wirklich so schwer nachzuvollziehen?

Am anderen Ende der Broschüre wird übrigens der Tip gegeben, ein Kind nicht zum Aufessen zu zwingen, damit es sich ein Gespür für die Bedürfnisse seines Körpers bewahrt. => Ach was? Echt jetzt!? ^^

Gerade erst neulich was drüber in einem der amerikanischen Wissenschaftsblogs gelesen: Die ersten Studien, nach denen das Frühstück so waaahnsinnig wichtig ist, hat übrigens wer in Auftrag gegeben? Richtig - Ein Frühstücksflockenfabrikant. XD

Ich find den spezifischen Artikel leider nicht mehr wieder, weil das Netz mit tonnenweise Müll zum Thema Frühstück geflutet ist, aber grundsätzlich hab ich ehrlich gesagt kaum je einen “wissenschaftlichen” Ernährungsratschlag gesehen, der einer kritischen Überprüfung standgehalten hätte.

Der Einfachheit halber kann man das alles in die Tonne treten. Es gibt praktisch keine Erkenntnisse darüber, welche Ernährung “gesund” ist, abgesehen davon dass man nicht zu viel, nicht zu wenig und von allem etwas essen sollte.

Der allgemeine Ernährungsaberglaube fällt in die gleiche Kategorie wie der leidige Mutterschaftsmystizismus.



Kenne ich: Drei von meinen fünf Kids sind Frühstücksmuffel.

Leider aber können sie vormittags in der Schule keineswegs gemütlich oder frühstücken wann sie wollen. Raumwechsel und verkürzte Pausen haben schon manchmal zu Kids geführt, die ich Mittags abholen musste, weil sie Bauchkrämpfe und Schwächegefühle hatten. (Frühstücksbrot zum Mitnehmen haben sie morgens auch keinen Appetti drauf…)

Also haben sie sich angewöhnt, morgens zu frühstücken. Als Vorbeugung quasi.

Nur der Lütte schmurgelt noch gegen 10.30 h gemütlichst sein Nutella-Weißbrot mit Kakao (das habe ich jetzt absichtlich geschrieben:  Er ist nämlich mit Nutella, ohne Übergewicht, Knochenschwund, Karies und Intelligenzverlust groß geworden und war absurd selten krank.)

Ist nicht längst wissenschaftlich erwiesen, dass nur Frühstück braucht, wer Frühstücken möchte?



@Regina: Für mich ist es zwar nicht wissenschaftlich erwiesen, aber auf jeden Fall das plausibelste Konzept. Und dementsprechend handle ich auch. ;o)

@Lars: Sehr schöner Schlußsatz!



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