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Geburtsbericht

Dies ist ein Eintrag der Sorte “mainly for myself”. Wer empfindlich ist, sollte sich überlegen, ob die Lektüre für ihn geeignet ist. Hier wird nämlich logischerweise von diversen Körperfunktionen die Rede sein. Wer dennoch neugierig ist, darf gerne weiterlesen.


30. März 2005:

Mittwoch morgen hatte ich plötzlich um fünf Uhr das dringende Bedürfnis, unser Arbeitszimmer aufzuräumen. Papiere sortieren, Schreibtisch in Ordnung bringen, PC abstauben - was auch immer. Da hätte ich mich ja eigentlich schon wundern müssen.

Nun ja, gegen sieben Uhr bin ich nach getaner Tat dann wieder ins Bett gegangen, um um zehn wieder aufzuwachen und festzustellen, daß meine Slipeinlage und mein Slip ziemlich durchweicht waren. Mein erster Gedanke war: “Och nee, nicht jetzt noch Inkontinenz!”. Beim Toilettengang fiel mir dann aber schnell auf, daß von Urin keine Rede sein konnte. Schön. Also ein Blasensprung. Leider hatte ich keine Ahnung, ob der Kopf des Babys schon tief im Becken saß oder nicht. Ich tippte einfach mal auf “nicht”, rief meine Hebamme an und bekam Order, direkt ins Krankenhaus zu kommen, damit nachgeschaut werden könnte. Gesagt, getan.

Der Muttermund erwies sich als fingerkuppendurchlässig und ich wurde vor die Wahl gestellt, auf die Wehen zu warten oder aber direkt eine Pille zu schlucken. Ich entschied mich fürs Warten - vergeblich. Mittags wurde mir dann eine Tablette verpaßt, auf die auch tatsächlich Wehen folgten. Aufstehen durfte ich nicht mehr, da der Kopf des Babys tatsächlich noch nicht ins Becken gesunken war. Nicht einmal mehr für Toilettengänge ließen sie mich aus dem Bett. Na klasse…

Es kam der nächste Morgen, Donnerstag. Um Mitternacht wurde ich nochmals untersucht und es wurde festgestellt, daß der Kopf des Babys nun doch endlich fest im Becken saß. Ich durfte also wenigstens wieder aufstehen und beschloß sofort, mal ein paar Stündchen im Flur auf und ab zu marschieren, um die Wehen noch etwas mehr anzukurbeln. Gegen sechs Uhr morgens meldete ich mich wieder im Kreißsaal zum CTG. Die Wehen waren regelmäßig und kräftig und der Muttermund bei knapp 2 cm. Order der Hebamme: Weitermachen!

Gegen neun Uhr die nächste Untersuchung. Das CTG zeigte - nichts mehr. Gar nichts. Also wurde nun zum Wehentropf gegriffen. Und der hat gewirkt! Zunächst kam aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen angeblich keine PDA in Frage. Dies änderte sich allerdings gegen 14 Uhr. Die PDA wurde gelegt, der Wehentropf nochmals höher gestellt. Es war ein komisches Gefühl, als der Narkosearzt den Katheter setzte und die Narkoseflüssigkeit in den Kanal laufen ließ. Ein bißchen wie Eiswasser, das den Rücken runterläuft, aber nicht wirklich unangenehm. Das Legen selbst war nur ein Pieks.

Ich ließ dann anschließend Marc im Büro anrufen, daß er vielleicht doch besser in den nächsten ein oder zwei Stunden vorbeischauen sollte, da ich nicht sicher war, wie lange (oder kurz) es noch dauern würde. Marc kam also und machte sich dann einen Spaß daraus, mir die Kilopascalwerte vorzulesen, die auf dem Dauer-CTG pro Wehe erreicht wurden. Eine ganze Reihe davon sprengten die Skala und gegen 17 Uhr kamen die ersten Preßwehen. (Wer nun glaubt, die PDA hätte auch bei diesen geholfen, der irrt. Die Preßwehen spürt man allerdings, und das sollte wohl auch so sein, damit ich mitarbeiten konnte.)

Saskias Hinterkopf war bereits seit Ewigkeiten sichtbar, ich hatte sogar schon ihre Haare angefaßt, die Herztöne waren auch tip-top - aber sie kam irgendwo da unten einfach nicht um eine bestimmte Ecke herum. Die Scheide war bereits an zahlreichen Stellen eingerissen, ich blutete wie ein Ferkel und hatte bereits Hämorrhoiden. Nun kam noch ein Dammschnitt dazu, um der Kleinen den Weg zu weiten. Zwecklos, sie steckte fest.

Bei der nächsten Preßwehe warfen sich die Ärztin und die Hebamme mit den Unterarmen auf meinen Bauch, um von oben mitzuhelfen. Meine Rippen knirschten, meine Leber wurde zu Ragout, jedoch… Alles zwecklos, Saskia steckte fest.

Nachdem ich nun also über eine Stunde lang vergeblich versucht hatte, unter Krämpfen einen Haufen ins Kreißsaalbett zu setzen (so fühlt sich’s an, auch wenn es irre klingt), wurde der Wehentropf abgestellt, um mir eine Pause zu ermöglichen. Zu dem Zeitpunkt war ich nämlich bereits fix und alle und konnte einfach nicht mehr.

Letztendlich entschied die Hebamme, eine Saugglocke zu holen, aber mich packte plötzlich die Wut. Dieses kleine Etwas sollte ich nicht aus mir herauspressen können? Na, dann sollten sie mal alle abwarten! Saugglocke - Pah! Nicht mit mir! Mein Kind sollte doch nicht aussehen, als hätte es ein blaues Ei auf dem Kopf; Ostern war schließlich vorbei!

Als die nächste Preßwehe kam, holte ich Luft wie für’s Langstreckentauchen und drückte mit allem, was ich hatte. Ein glitschiges Gefühl folgte fast augenblicklich. Als ich die Augen wieder öffnete, sah alles um mich herum grün aus, so fest hatte ich sie zugekniffen. Und vor mir, zwischen meinen Beinen, lag endlich die laut brüllende Saskia, die über diesen rabiaten Rauswurf offensichtlich gar nicht begeistert war. Ich grinste zufrieden und bekam ein angewärmtes Handtuch auf den Bauch, Saskia obendrauf und durfte sie mit Marc zusammen erst einmal gründlich bestaunen.

Währenddessen fing die Ärztin an, mich wieder zu vernähen. Ich war an zig Stellen gerissen und blutete immer noch ziemlich stark. (Später stellte sich heraus, daß infolgedessen mein HB-Wert innerhalb eines einzigen Tages von knapp 14 auf 9 Komma irgendwas gerutscht war.) Auch ließ die PDA langsam nach und mir wurde klar, daß es da unten ziemlich übel aussehen mußte. Marc hatte inzwischen unsere nagelneue Tochter zur Erstuntersuchung begleitet und saß nun mit ihr in den Armen neben meinem Bett. Die Ärztin wurde und wurde nicht fertig. Immer wieder riß das Gewebe um die Fäden herum, aber nach einer Stunde war es dann doch geschafft. Wir mußten noch ein wenig zur Beobachtung bleiben und durften dann auf die Station, während Marc nach Hause fuhr. Ich führte noch ein paar Telefonate und schlief gegen Mitternacht endlich ein, während Saskia schon lange neben mir im Plexiglasbettchen träumte.

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