Guttenberg hat gehegemannt. ^^
Das Interessanteste an der Dissertationsgeschichte rund um unseren Verteidigungsminister ist m. E. weniger die Tatsache, daß er sein “summa cum laude” offensichtlich ermogelt hat, sondern die Art, wie manche auf die Aufdeckung reagieren:
Es sei doch wohl unwürdig, den Mann nur deshalb zu demontieren, weil man einem so beliebten Politiker unbedingt etwas anhängen möchte! Man könne doch nicht jemanden wegen seines Privatlebens derart zerfleischen! Vor 150 Jahren wäre das schließlich gar nicht passiert, weil man die echten Quellen gar nicht so leicht hätte herausfinden können! Und überhaupt sei es ja mal wieder typisch, wie sich die Presse, vor allem die linke, auf so etwas stürzt, statt sich um Wichtigeres zu kümmern!
Ich kann dazu nur sagen: Der Mann wird nicht demontiert, sondern demaskiert. Mit Privatleben hat das nichts zu tun, ebensowenig wie bei einem Schüler, der bei den Abiturprüfungen betrügt. Guttenbergs Arbeit war Blendwerk, und dies aufzudecken ist nicht nur legitim, sondern meines Erachtens auch Pflicht. Er wird auch nicht wegen seiner Beliebtheit “zerfleischt”, sondern die Gründe für seine Beliebtheit werden auf den Prüfstand gestellt - und für ungenügend befunden. Mene mene tekel upharsin.
Bedauerlich, wenn die Guttenbergfans nun ihre Meinung über diesen Herrn revidieren müssen. Verständlich, daß sie sich dagegen zunächst auch wehren und ihn verteidigen. Wird doch das eigene Urteilsvermögen durch solche Enthüllungen auch auf den Prüfstand gestellt. Aber unwürdig ist das, was da momentan geschieht, durchaus nicht.
Daß es vor 100 Jahren noch kein Web und erst recht keine Plagiatsuchmaschine gab, ist ebenfalls keine Rechtfertigung für Text- und Ideenklau. Im Gegenteil. Die Tatsache, daß eine solche Suchmaschine überhaupt entwickelt wurde, zeigt doch klar, daß Plagiate nicht erst seit heute als verwerflich eingestuft werden, sondern daß es sich um ein verbreitetes Problem von durchaus relevantem Ausmaß handelt. Heute gibt es diese Möglichkeiten nun mal. Und wer dumm genug ist, zu plagiieren, sollte wenigstens schlau genug sein, solche Faktoren in seine Risikokalkulation mit einzubeziehen. Sich bzw. den Mogler zum armen Opfer des bösen Fortschritts zu erklären, ist jedenfalls lächerlich. Ebensogut könnte man die Anwendung von Gentests bei der Ermittlung in Mordfällen verbieten. Vor 150 Jahren hätte man den Mörder ja schließlich auch nicht gefunden.
Ob es unwichtig ist, schwarze Schafe auszusortieren und somit dafür zu sorgen, daß Doktortitel auch in Zukunft für ein gewisses Maß an eigener Denkarbeit & Lernfähigkeit sowie an Qualität in Wissenschaft, Forschung und Lehre stehen, möchte ich übrigens bezweifeln. Mag sein, daß die Überprüfung von Guttenbergs Arbeit keinen Afrikaner vorm Verhungern rettet. Aber zumindest beweist es, daß noch ein Mindestmaß an Skepsis und Kritikfähigkeit gegenüber “Respektspersonen” vorhanden ist, die ich persönlich in einer Demokratie für unerläßlich halte.
————
Nachtrag: Eine vom Web-Kollektiv erstellte Liste der plagiierten Stellen in Guttenbergs Dissertation wird inzwischen hier gesammelt. Man war am Mittag des 17. Februar bei 24 Seiten ungekennzeichneter Zitate. Macht also schon ca. 5% der gesamten Arbeit.
Immerhin hat er guten Geschmack bewiesen und zB. Klara Obermüller zitiert ^^
Ja, die hat heute morgen dem WDR 2 ein Interview gegeben. Sie glaubt ebensowenig an ein (bzw. 24+ ...) versehentliches Versäumnis.
Ich bin überrascht vom Ausmaß des Plagiats. Am Anfang sah das für mich nach linker Hetze aus, aber das kann man jetzt nicht mehr sagen. Klar, wenn er betrogen hat, dann muss er seinen Titel zurückgeben und bestraft werden. Die politische Bedeutung hänge ich aber nicht so hoch. Wir hatten schon Straßenschläger und Steuerhinterzieher als Minister. Letztlich sollte der Wähler entscheiden, was er für zumutbar hält. Für mich ist die Aberkennung des Titels nicht automatisch mit der Forderung an Rücktritt verbunden. Politiker sollten von Wählern abgewählt werden und nicht von Richtern abgesetzt - auch nicht von selbsternannten. Was mich am Web-2.0-Gedöns stört ist vor allem das Suhlen der Gerechten in ihrer Rechtschaffenheit. Das nehme ich niemanden ab. Hier wird mit großer Lust ein Mann demaskiert, den man demaskieren kann, während sich für die Doktorarbeiten von Otto-Normal-Twitterer niemand interessiert. Politiker sollten nicht sanfter angefasst werden, als andere, aber man muss auch aufpassen, dass man nicht Maßstäbe anlegt, denen man selber nicht gerecht wird, denn sonst ziehen wir uns Politiker heran, die mit uns nichts mehr gemein haben. Guttenberg hat seinen Doktortitel erhalten. Dabei hat er zwar betrogen, aber man hat sich an der Uni auch betrügen lassen und man kann daher davon ausgehen, dass er nur die Spitze des Eisbergs ist. Er ist mit seiner Blenderei also auch nur ein Ausdruck unserer Gesellschaft, wie der steinewerfende Chaot Joschka Fischer. Ich fände es gut, wenn die Diskussion auch mal von dieser Seite geführt wird. Warum ist unsere Gesellschaft so geil auf Doktortitel? Obwohl es da enorme Unterschiede im Aufwand gibt, sind es am Ende alles “Doktoren”! Ist eine Promotion tatsächlich eine echte Zusatzqualifikation oder nur ein schöner Schmuck? Ist ein promovierter Arzt ein besserer Arzt? Wenn Guttenberg mit seiner Arbeit so gut blenden kann, liegt das auch an uns. Wohin geht eine Gesellschaft, in der für jeden Furz ein Doktor eingestellt wird und kann der Einzelne, der auf dieses Karrierpferd setzt auf die Solidarität der Gemeinschaft setzten, die die Unis bezahlt? Warum muss ich als Steuerzahler eine Doktorarbeit finanzieren, die am Ende niemand liest, nur damit jemand rangezogen wird, der dann den Job bekommt, den ich gerne hätte? Es gibt in diesem Komplex so viele spannende Fragen, die über das mehr oder weniger geistreiche Bashing auf Twitter hinausgehen und auch auf die Frage ob er nun gehen soll oder nicht.
@Lichtecho: Der Mann vertritt immerhin die Bundesrepublik. Da gelten andere Maßstäbe als für den Otto-Normal-Verbraucher. Und daß auch andere windige Gestalten schon auf hohen Posten saßen, ist doch kein Argument, gerade so weiterzumachen.
“Aber man hat sich auch betrügen lassen” - das ist ja so, als würde ich Ladendiebe demnächst vor Verfolgung schützen, weil der Ladeninhaber ja selber Schuld hat, wenn er beklaut wird.
Bedaure, aber ich kann Deine Sichtweise weder teilen, noch halte ich sie für hilfreich.
PS: Wie willst Du Guttenberg denn abwählen? Die Minister werden schließlich nicht vom Volk gewählt, und mit geschickter Plazierung auf dem Stimmzettel kommt der auch wieder ins Parlament, ganz egal, ob der Wähler ihn will oder nicht.
“das ist ja so, als würde ich Ladendiebe demnächst vor Verfolgung schützen, weil der Ladeninhaber ja selber Schuld hat, wenn er beklaut wird. “
Nein, das habe ich nicht gesagt. Ich habe damit gemeint, dass er etwas getan hat, was vermutlich viele tun und das ist für mich das größere und interessantere Problem. Dass Guttenberg wie jeder andere Plagiater bestraft werden soll, habe ich ja auch geschrieben.
Du hast aber auch geschrieben “Wenn Guttenberg mit seiner Arbeit so gut blenden kann, liegt das auch an uns.”
Was soll das denn sonst bedeuten?
Es ist ja nun wirklich nicht so, daß der gute Mann nur ein armes Opfer einer fehlgeleiteten Gesellschaft ist, die ihn quasi zum Schummeln gezwungen hat, damit er nicht bei Hartz IV am Hungertuch nagen muß,,, Zumal es ja immerhin auch ohne Schummelei geht. Und übrigens auch ohne Doktortitel. Ich stehe seit 17 Jahren ungekündigt in Lohn und Brot und habe nur eine frz. Maîtrise. Ganz ohne Schummeln übrigens. Wenn mir jetzt gesagt wird, die böse Gesellschaft (zu der ich schließlich auch gehöre) sei mit schuld, wenn Typen wie er ein krummes Ding drehen, fühle ich mich ehrlich gesagt reichlich vergackeiert.
Ich finde, @lichtecho wirft schon die richtigen Fragen auf.
Warum sind diese Titel so wertvoll/wichtig?
Der Ladendiebstahlvergleich trifft insofern nicht, als der “Schwund” schon von vornherein in die Preise der anderen Produkte eingerechnet wird, Ladenbesitzer mithin sogar vom Phänomen profitieren.
Ich glaube dass gerade auf twitter so viel davon die Rede ist liegt daran, dass wir alle mal auf Unis waren, mehr oder weniger erfolgreich, und dass die Generation von Guttenberg (also ich auch) gerade so an einer Scharnierstelle des Digitalen Zeitalters studiert haben - teils nur mit Bibliothek und gegen Ende dann schon mit Google, während die Professoren noch nichtmal wussten, in welcher Art vin Laden man ein Modem kauft.
Wir kennen also die Verlockung, “aus dem Netz” irgendwas zu nehmen, Kommata zu verändern und die Luft anhalten, alle selber.
Der Unterschied: die meisten von uns haben das auf dem Hausarbeitsstadium sein gelassen.
Guttenberg nicht, und ich würde sogar allerhand dafür verwetten, dass er keine Silbe davon selber geschrieben hat sondern hat schreiben lassen. Doppelt dumm für ihn.
Ja, die Uni hat betrügen lassen, aber das impliziert eine wissende Handlung, von der ich nicht ausgehe.
Ich denke nicht, dass für ihn andere Maßstäbe gelten sollten als für jeden anderen Studenten, der immerhin exmatrikuliert wird, wenn er betrogen hat.
Den Titel aberkennen heißt ja nicht, dass er kein Minister mehr sein darf. Vielleicht sollte man das trennen.
Okay, vielleicht verstehst Du mich falsch, weil ich das Wort “uns” benutze. Damit meine ich ja nicht Dich oder mich, also nicht uns beide persönlich
Tatsache ist, dass Guttenberg beim Volk sehr gut ankommt (immernoch) und wenn man sich Focus- und andere Artikel von vor dem Plagiat in Erinnerung ruft, dann war da immer die Rede von der Sehnsucht der Deutschen nach einen adligen Strahle- und Saubermann, einen neuen JFK, einen jungdynamischen unideologischen Macher mit dem richtigen Gesicht für die Regenbogenpresse und dann auch noch Doktortitel. Guttenberg bedient also geschickt ein Bedürfnis und so haben wir (also nicht wir beide, sondern das Volk) uns an der Nase herumführen lassen - und nicht nur wir, sondern auch sein Doktorvater, der in den höchsten Tönen von ihm spricht.
Wir sind uns einig, dass die Schuld von Guttenberg fest steht. Diskusionwürdiger als seine Schuld ist für mich die Frage der Verhältnisse, die das möglich machten.
Die Frage und das Problem ist doch nicht, daß “DieGesellschaft” so gallig auf Titel ist! Ein Doktortitel war bisher und ist zum Glück noch ein Qualitätsmerkmal für geistige Leistung. Vergleichbar mit Sicherheitsstandards, DIN-Normen etc. Wer einen Doktortitel erreicht, darf sich zu Recht Hoffnungen machen, entsprechend gut qualifizierte und Bezahlte Jobs und Posten zu bekommen. Aber nur, weil der Großteil dieser Titel auf Ehrlichkeit basiert und daher verläßlich ist.
Wer aber Standards fälscht, gefährdet dieses System und das Vertrauen, das in es gesetzt wird. Derjenige ist ein Problem für die Gesellschaft, aber seine Unehrlichkeit ist kein gesellschaftliches Probem. Sondern ein höchst persönlches. Das Einzige, was hier zum Betrügen zwingt, ist die eigene Gier.
Wer bei Abiturarbeiten, Dissertationen oder auch bei Sicherheitsstandards schummelt, oder sie unterläuft, um daraus einen persönlichen Vorteil zu ziehen, mißbraucht Vertrauen, macht Karriere unter Vorspiegelung falscher Tatsachen und macht nicht nur sich, sondern auch seine Entourage unglaubwürdig. Wenigstens auf ein Mindestmaß an Informationen über unsere Volksvertreter möchte ich mich noch verlassen können.
Lass mich bitte noch einen Punkt einbringen, auf den ich komme, weil Du auf Twitter geschrieben hast: “Es ist kein gesellschaftliches, sondern ein persönliches Problem, wenn sich jemand mit unlauteren Mitteln etwas aneignet.”
Vergleich das mal bitte mit Berlusconi: Die Italiener haben schon immer gewusst, dass er ein Schwein ist, aber es war ihnen (mehrheitlich) egal oder sie fanden es sogar irgendwie cool und haben geglaubt, ein Spitzbube (verniedlichend) ist das, was Italien gerade braucht. Nun dreht sich der Wind. Plötzlich heißt es: “Italien ist kein Bordell” und man echauviert sich über den Lüstling Berlusconi, hält ihn für untragbar, obwohl er sich wahrscheinlich immer gleich verhalten hat über die Jahre. Es ist somit schon die Gesellschaft, die bestimmt, ob ein Mittel als unlauter gilt oder nicht.
Ich könnte mir vorstellen, dass die Mehrheit der Leute sich von Guttenberg lieber weiter blenden lassen wollen, als dass sie ihm den Betrug übel nehmen. Wir werden ja sehen.
Guttenberg hat abgeschrieben bzw. jemand beauftragt das zu tun. Daran brauchen wir nicht mehr zweifeln oder?
Konsequenz eines Plagiats in der Doktorarbeit ist soweit mir bekannt IMMER Aberkennung des Doktortitels.
PUNKT
Das wäre alles was zum aktuellen Fall zu sagen wäre.
Alles andere sind die Schlüsse und Folgen, die man daraus zieht.
Man kann fragen, ob das für einen Politiker ein Grund ist, von Ämtern oder allg. der politischen Karriere zurückzutreten.
Man kann fragen, ob das im Angesicht der allgemein niedrigen Meinung über Politiker einen Unterschied macht.
Man kann auch fragen, ob das jetzt besonders schlimm oder weniger schlimm ist im gesellschaftlichen Kontext.
Und natürlich kann man das aus verschiedenen Perspektiven der persönlichen oder politischen Zu- bzw. Abneigung kund tun.
An seinem Plagiat ändert das nichts.
Höchstens daran, wie man mit vorsätzlichen Verfehlungen von Personen des politischen Deutschlands weiterhin umgeht.
Persönlich hatte ich nie Sympathie oder Vertrauen und werde das auch zukünftig nicht haben.
Vorher lag es primär an seiner politisch gesellschaftlichen Gesinnung.
Jetzt kommt noch seine erwiesene Unehrlichkeit hinzu.
Der Vorfall wird auf jedenfall keine Meinungen ändern, nur Fronten verhärten.
Wie gesagt, die Mehrheit (der Bevölkerung) wird da nichts zu sagen haben. In den Mann wurden von Parteiseite aus schon zu viele Mittel und Maßnahmen gesteckt, um ihn als Thronfolger aufzubauen, als daß man ihm bei der nächsten Wahl einen schlechten Listenplatz verpassen würde. Der wird wieder ins Parlament kommen, selbst wenn kein Mensch für ihn persönlich stimmt.
Bei Berlusconi war der Bevölkerung auch in den vergangenen Jahren klar, daß er sich unlauter verhält. Angeklagt wurde er ja oft genug. An der Defnition von “unlauter” hat sich m.E. nichts geändert. Geändert haben sich die Gesetze, deren Neufassung Berlusconi dann jeweils mal eben schnell zu seinen Gunsten durchpeitschte. Es hat sich inzwischen nur die Bereitschaft reduziert, sich das bieten zu lassen, und seine S3xaffäre war der Tropfen, der das Faß zum Überlaufen brachte. Die Alternativlosigkeit, die bisher zu seinen Wiederwahlen geführt hat, wiegt inzwischen nicht mehr so schwer in Anbetracht dessen, was Berlusconi seinem Land an Schaden zufügt. Aber ich denke, der ist ein anderes Thema - und eigentlich nicht Gegenstand meines Eintrags.
@silentjay: Da bin ich ganz Deiner Meinung. Und was den angeblich herbeigesehnten adeligen Messias auf der politischen Bühne angeht: Wäre mir neu, daß die Deutschen sowas tatsächlich herbeigesehnt hätten. Der Mann erfuhr doch innerhalb von zwei Jahren eine Beschleunigung von Unbekannt auf Überflieger, und ich persönlich gehe davon aus, daß das zu 99% von der Partei lanciert war, nach dem Motto “neue Besen kehren gut”.
Ute, dein Statement
“Ein Doktortitel war bisher und ist zum Glück noch ein Qualitätsmerkmal für geistige Leistung. Vergleichbar mit Sicherheitsstandards, DIN-Normen etc. Wer einen Doktortitel erreicht, darf sich zu Recht Hoffnungen machen, entsprechend gut qualifizierte und Bezahlte Jobs und Posten zu bekommen. Aber nur, weil der Großteil dieser Titel auf Ehrlichkeit basiert und daher verläßlich ist.”
möchte ich so nicht stehen lassen.
Glaubst du wirklich, dass eine Dr.arbeit ein Qualitätsmerkmal für geistige Leistung ist??? Dann vergleich mal bitte die überwiegende Qualität der medizinischen Dr.arbeiten mit der eines Chemiker oder Physikers. Da liegen Welten dazwischen. Böse gesagt, könnten viele Leute auch ohne ein Medizinstudium eine medizinische Dr.arbeit schreiben, da es oftmals nur literaturbasierte Arbeiten sind, deren einzige “Schwierigkeit” im Auffinden und Zusammenschreiben von bekannter Literatur ist. In meinen Augen ist das keine geistige Leistung, maximal eine Fleißarbeit.
Sorry für den “Nebenkommentar”, hat ja eigentlich nichts mit der Debatte um die Arbeit von KT zu tun.
Gruß
Sybille
@Sibylle: Daß die Qualität von Doktorarbeiten zwischen den einzelnen Fachgebieten variiert, ist eine Sache. Das ist wohl ein bißchen wie mit den Abiprüfungen in Fächern wie Pädagogik oder Religion verglichen mit Mathe oder Chemie. Oder bei den Abiprüfungen in NRW verglichen mit denen in Bayern. Dennoch ist ein Abi oder ein Doktortitel eben ein Zeichen halbwegs fortgeschrittener Akademischer Bildung, und ein Abi in NRW ist immer noch mehr als ein Hauptschulabschluß in Bayern. (Hoffe ich. ^^) Beide sind Grundvoraussetzung für bestimmte weitere Laufbahnen - das macht sie ja gerade so begehrt bei den jeweiligen Kandidaten.
Bei den Juristen ist das Qualitätslevel der Dissartationen aber gar nicht sooo gering. Und Guttenberg ist Jurist! Als solcher einen Betrugsversuch zu unternehmen offenbart ja alleine schon a) eine gewisse Blauäugigkeit und vor allem b) einen Charakterzug, der ihn auch auf anderen Gebieten per se unglaubwürdig und vertrauensunwürdig macht. Da liegt ja der eigentliche Knackpunkt.
Ich denke was Sibylle schreibt ist schon wichtig und meiner Meinung nach für die Guttenberg-Diskussion nicht nebensächlich. Es gibt Studiengänge, da ist der Doktor praktisch Teil der Ausbildung und es gibt Felder, da ist er reine Zierde und somit eine Verlockung für Blender wie Guttenberg. Gäbe es für den Doktortitel einheitlichere Standards, dann könnte sich ein Blender wie Guttenberg oder die Ärzteschafft nicht in denselben Höhen hinauflügen, in der sich beispielsweise fleißige promovierte Naturwissenschaftler aufhalten.
@Lichtecho: Wie sähe das denn dann fachgebietsübergreifend aus? Hast Du einen Vorschlag?
Zudem: Eine Promotionsordung, die Betrugsversuche sanktioniert, gibt es ja bereits, und zwar überall. Was hier schiefgelaufen ist, liegt ja nicht am Anspruch des Fachgebiets, sondern an mißachteten Regeln, die längst in allen Fachbereichen gelten. Eine Standardisierung der Qualität würde am aktuellen Fall doch nichts ändern.