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Heute mal ketzerisch

Wenn man von einer Mutter liest, daß sie ein schwerkrankes und behindertes Kind zu Hause betreut, tut einem das in der Seele weh, weil man ahnt, wie schwer und wie aufreibend das sein muß.

Wenn man allerdings über einen Zeitraum von vier Jahren (so lange lese ich schon mit) niemals auch nur ein einziges Sterbenswörtchen dieser Mutter über ihre beiden anderen Kinder liest, dann macht man sich schon so seine Gedanken. Sie berichtet ausschließlich über das behinderte Kind und dessen Nöte, Fort- und Rückschritte. Noch nie habe ich einen Beitrag von ihr über die zwei anderen Kinder gelesen. Geburtstage, Einschulungen, Weihnachtsfeiern, Freizeitaktivitäten - all das scheint gar nicht stattzufinden bzw. für sie gar nicht erwähnenswert zu sein. OK, diese zwei Kinder machen der Mutter im Verhältnis offenbar keine Sorgen, ist mir schon klar. Aber es ist auch keine Freude, keine Anteilnahme an ihrer Entwicklung und ihren Fortschritten zu erkennen. Eine Homepage, und zwar eine reichlich umfangreiche, hat nur das behinderte Kind. Die beiden anderen wurden zwar mit je einer einzelnen Unterseite bedacht. Es gibt sie dort quasi nur als “Geschwister von XY”.

So langsam frage ich mich, ob die beiden mir nicht fast noch mehr leid tun müßten als das eigentliche Sorgenkind.

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