Hier und da.
Ich könnte jetzt einen langen Eintrag darüber verfassen, daß Tobias am Tag vor unserer Abreise nach Schottland krank wurde, Marc am ersten Tag in Edinburgh dann auch, zeitgleich Schwiegermutter und Tochter zu Hause ebenfalls. Daß die Tagesmutter sich mal wieder einen Klops geleistet hat, der Kindergarten von zeitweiliger Schließung bedroht ist, unser Vorgarten durch die Telekom aufgebuddelt werden muß wird, und überhaupt.
Aber mir geht jetzt gerade anderes im Kopf herum. Gratwanderungen zwischen den eigenen und fremden Grenzen, zum Beispiel. Oder auch (andere Baustelle) die Frage, wie man es schafft bzw. ob man überhaupt auch nur versuchen sollte, zwei Menschen miteinander zu versöhnen, von denen man beide Seiten ganz gut verstehen kann, weil man selber schon auf beiden Seiten gestanden hat. So ähnlich jedenfalls. Menschen, die sonst vielleicht den Punkt verpassen, wieder miteinander anzuknüpfen, obwohl so viel Sympathie vorhanden ist. Es tut mir leid um die beiden, denn es scheitert meines Erachtens nicht an den Personen als solchen, sondern an Mißverständnissen, die durch Schweigen zustande kamen. Und somit durch zu viel Interpretationsspielraum. Aber ich weiß nicht einmal, ob es mir überhaupt zusteht, mich da einzumischen. Höchstwahrscheinlich nicht, trotz bester Absicht. Darum werde ich es lassen.
Bleiben wir also beim Thema Grenzen. Da Mails, SMS, Anrufe etc. momentan ausscheiden, nutze ich jetzt einfach mal mein Blog und hinterlege einen Text zur Selbstabholung - wann auch immer. Falls überhaupt. Deshalb pinne ich den Eintrag für eine Weile hier oben fest. Nicht, um Dir ein Gespräch aufzunötigen oder eine Reaktion zu erzwingen. Ich weiß ja gar nicht, ob und wann Du das hier jemals liest. Sondern um wenigstens eine Chance zu erhalten, Dich wissen zu lassen, daß ich so sehr hoffe, es wird nichts zwischen uns stehen. Daß Du auf jeden Fall immer willkommen bist. Um Dir die Möglichkeit zu geben, quasi kurz mal in meinen Kopf zu schauen, wenn Du gerade die Kraft und die Nerven dazu hast. Ohne daß ich dafür in Deine Mailbox, Dein Territorium eindringe.
Ich ahne nur ansatzweise, was in Dir momentan alles vorgehen muß. Ich habe oft versucht, es mir vorzustellen, versuche es immer wieder, aber alleine die mir bekannten “Handlungsfäden” sind schon so schwer zu fassen. Und ich bin sicher, selbst diese Menge ist nur die Spitze des Eisbergs.
Was in den Augen einiger wie ein Ende bzw. ein Neuanfang für Dich aussehen mag, erscheint mir weder als das eine noch als das andere. Dabei würde ich Dir beides so sehr wünschen. Ich weiß nicht, wo Du die Kraft für all das hernimmst. Und nein, sie kann und muß nicht auch noch für mich und eine Aussprache ausreichen. Da gibt es wirklich Wichtigere(s). Viel Wichtigeres. Ich ahne also, warum Du schweigst. Glaube ich zumindest. Auf jeden Fall jedoch habe ich es akzeptiert und werde es respektieren. In der Hoffnung, vielleicht irgendwann wieder von Dir zu hören.
Ja, ich war verletzt. Weil Deine Formulierung meinen Wert als Mensch in Frage zu stellen schien, wo es doch theoretisch so viel einfacher und unmißverständlicher gewesen wäre, Deinen eigentlichen Wunsch auszusprechen. Was Du aber wohl genau deshalb nicht getan hast, weil Du mich eben gerade nicht verletzen wolltest. (Dabei hätte es das gar nicht.)
Und dann kam die Erinnerung wieder. An Situationen, in denen es mir schon zu viel war, auch nur einen Telefonhörer hochzuheben, obwohl sogar meine damalige beste Freundin oder meine Großmutter an der Strippe war. In denen ich froh war, wenn ich es so gerade schaffte, meinen Job zu erledigen, die Wohnung leidlich sauberzuhalten und den Kühlschrank mit dem Nötigsten zu füllen. In denen einfach kein Platz für die Wünsche und Gedanken anderer war, weil ich schon an den eigenen fast erstickt bin. In denen das, was ich eigentlich sagen wollte, nicht zu dem gepaßt hat, wie ich es sagte. In denen ich allen gerecht werden wollte und nicht wußte, ob ich mich für diesen Versuch verfluchen sollte oder für meine Unfähigkeit, es tatsächlich zu schaffen. Keine schöne Situation. Kein schönes Gefühl…
Es tut mir leid. Erstens, daß ich viel zu schnell und viel zu heftig reagiert habe. Ich schätze, Du ahnst vermutlich längst, daß ich selber momentan nicht mehr kann. Was Du nicht weiß, ist, daß zu allem Überfluß selbst mein bisher bester Freund mich in letzter Zeit immer wieder verletzt - und ich nicht weiß, warum. Ich war einfach fix und fertig, als es dann so aussah, als hätte ich auch für Dich keinen Wert mehr. Es ist zu viel auf einmal für mich. Trotzdem ist es keine Entschuldigung für meine übereilte Reaktion, die ganz außer acht ließ, wie es Dir im Moment geht. Ich würde das alles so gerne bereinigen, weiß aber nicht, wie. Der morgige Tag macht es ja auch nicht unbedingt einfacher.
Zweitens tut es mir leid für diesen ganzen blöden Schlamassel ringsherum. Ich hoffe, es kommt wirklich bald endlich ein echtes Ende und ein echter Neubeginn für Dich.
In diesem Sinne: Take your time. Ich bin hier. Und da, wenn gewünscht.
Ich würde mich wirklich sehr, sehr freuen, irgendwann wieder von Dir zu hören und zu erfahren, wie es Dir/Euch in der Zwischenzeit ergangen ist.
Was auch immer Dich nun erwarten mag: Tausend liebe Wünsche begleiten Dich.