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Hochzeitsbericht

Freitag, 19. Dezember 2003

Den Freitag ließen Marc und ich recht entspannt und ruhig angehen—hatte Marc doch bis halb drei morgens noch die CDs für die Hochzeitsfeier gebrannt, nachdem wir erst gegen 22:00 Uhr aus “Herr der Ringe” zurückgekommen waren. (Männer! Immer alles auf den letzten Drücker! *g*) Jedenfalls besorgten wir uns am Morgen erst einmal Brötchen für’s Frühstück, nahmen auf dem Weg nach Hause bei einem Marktstand ein paar Tannenzweige für die Weihnachtsdeko mit und schauten noch eine Runde fern.

Nach dem Frühstück wurde es dann langsam Zeit, das Auto zu packen. Gottseidank hatten wir vorab eine Liste all dessen erstellt, was wir mitnehmen mußten, die immer wieder ergänzt wurde, wenn uns wieder einmal ein neuer Punkt einfiel. Sonst hätten wir vermutlich die Hälfte zu Hause vergessen. Irgendwann gegen 13:00 Uhr war es jedoch geschafft: Alle “Hochzeitszutaten” waren im Auto verstaut und es ging los in Richtung Blomberg. Dort angekommen erlebten wir unsere erste schöne Überraschung: Das Hotel hatte uns statt des von uns gebuchten Standardzimmers die sogenannte “Kuschelsuite” spendiert. Ein lauschiges, hübsches Apartment mit Himmelbett, Luxus-Badezimmer und sogar einer eigenen Sauna. Traumhaft! grin

Da einige unserer Gäste bereits angekommen waren und der Rest uns nach und nach per Handy über ihre baldige Ankunft informierte, organisierten wir kurzfristig noch ein gemeinsames Kaffeetrinken—bei dem allerdings mehr Hopfensaft als Kaffee konsumiert wurde. *g* Der Service des Hotels bzw. Restaurants war übrigens auch in diesem Punkt wirklich hervorragend. Mal eben schnell vierzehn Leute irgendwo gemütlich zum Kaffee unterzubringen, obwohl dies nicht angemeldet war, ist schon klasse, das muß man dem Hotel lassen. Immerhin waren auf der Burg gleichzeitig auch noch zwei weitere Hochzeitsgesellschaften sowie die Herrenhandballmannschaft aus Ljubljana zu Gast.

Nach und nach ging das Kaffeetrinken ins Abendessen über, und gegen 18:00 waren wir alle im Kaminrestaurant versammelt. Dicke Burgmauern, ein großes Kaminfeuer, ritterliche Raumdekoration, köstliches Essen… Es war wunderschön und unser Freund und “Kameramann” Michael schoß natürlich fleißig Fotos mit seiner eigens für die Hochzeit reaktivierten Spiegelreflexkamera. Dummerweise konnte er es nicht lassen, uns alle aus Spaß immer dann ins Visier zu nehmen, wenn wir gerade besonders dumm aus der Wäsche schauten. Nach einem besonders “gelungenen” Schnappschuß fragte ich also grinsend, ob Michael denn sicher sei, daß sich auch ein Film in der Kamera befinde? Große Augen und betretenes Schweigen waren die Antwort. Wir anderen brachen in schallendes Gelächter aus. Michael ist von Beruf Regisseur! Tjaja, schon schlecht, wenn man nur noch Digicams gewöhnt ist bzw. nur die armen Kameramänner herumkommandiert, statt selbst etwas zu tun… *grinsbreit* Immerhin waren wir aber froh, daß das nicht erst während oder gar nach der Hochzeit selbst bemerkt worden war. wink So gibt es von diesem Abend zwar im Verhältnis weniger Fotos als vom Rest des Wochenendes, es war aber wenigstens gewährleistet, daß dieser Fehler niemandem mehr unterlaufen würde.

Gegen 23 Uhr verließ ich die gemütliche Runde, während Marc noch blieb. Mein Kleid mitsamt Zubehör mußte schließlich noch aus seiner Hülle befreit und lang aufgehängt bzw. vielleicht sogar noch kurz übergebügelt werden. (Hierbei erwies sich die unverhofft große Suite als ausgesprochener Glücksfall. In einem Standard-Hotelzimmer hätte ich weder die Schleppe noch den Schleier jemals gescheit ausbreiten können, ohne dabei die Bewohner des Zimmers aus- oder einzusperren. Je nachdem…) Zudem war ich langsam auch müde und wollte doch am folgenden Tag wenigstens einigermaßen ausgeschlafen sein. Dank der ausgesprochen ruhigen Umgebung und des breiten, gemütlichen Himmelbetts gelang dies auch bestens. King-Size-Matratzen haben definitiv eine Menge für sich. *g* Ich schlief wie ein Bär im Winterschlaf bis sieben Uhr am Samstagmorgen.


Samstag, 20. Dezember 2003

Samstag morgen war ich entgegen meiner Erwartung immer noch nicht aufgeregt. Weil mein zukünftiger Göttergatte partout nicht aus dem Bett fand und wir doch noch einiges zu tun haben würden, nahm ich es auf mich, morgens um halb acht durch das wie ausgestorbene Städtchen zu stiefeln und nach einem Geldautomaten zu suchen. Da man uns die Rechnung zuschicken würde, hatten wir am Vorabend beschlossen, dem Servicepersonal sowie der Küche das Trinkgeld kurz vor Ende der Feier selbst zu überreichen und uns bei der Gelegenheit auch persönlich zu bedanken. Nach meiner Rückkehr konnte ich dann auch Marc endlich überreden, aus den Federn zu steigen und sich am Rest der Vorbereitungen zu beteiligen. *g* Immerhin wollte die Friseurin schon um 11:30 Uhr im Hotel erscheinen, um aus meinen Flusen eine brauchbare Hochzeitsfrisur zu basteln. Da hieß es vorher gut durchdenken, wer was wann wo deponieren oder abholen bzw. wer wann wo erscheinen sollte. Eins ist aber klar: Ohne die Hilfe unserer Trauzeugen Lars und Silke wäre uns das alles nie so reibungslos gelungen! An dieser Stelle also mal ein großes DANKESCHÖN an die beiden! grin

Gegen 13:00 Uhr verschwand Marc in deren Zimmer, während Silke mir beim Kampf mit dem Kleiderungetüm behilflich war (bzw. erst einmal das Ende der “Malerarbeiten” abwartete *g*). Die Frau, die mir um 13:30 Uhr aus dem Spiegel entgegensah, schien mir eigentümlich fremd. War ich das wirklich? Alle Wetter… Ja, ich gebe zu, in den ersten Minuten kam ich mir verkleidet vor. Wie ein Kind, das Prinzessin spielt. Nach und nach fand jedoch mein Ich den Weg zu meinem Spiegelbild und ich gewöhnte mich auch besser an das schwere, lange Kleid und an das Laufen und Drehen mit der Schleppe. Bisher hatte ich es ja immer nur minutenweise getragen. Es konnte also losgehen… Erst einmal hieß es Marc und die Blumen einsammeln. Eigentlich hatten wir geplant, diesen Gang in aller Heimlichkeit zu absolvieren, denn die Gäste sollen ja die Braut nicht vor dem eigentlichen Trautermin sehen. Wie es der Zufall wollte, begegneten wir aber so ziemlich all unseren Gästen bei unserer langen Prozession quer durch die Burg. Gestört hat mich das dann allerdings gar nicht—ich habe nur noch gestrahlt.

Witzigerweise war Marc noch nicht fertig, als Silke und ich im Trauzeugenzimmer auftauchten. Da soll mir noch einer sagen, wir Frauen wären immer diejenigen, die so lange zum Anziehen brauchen! Ich bekam also erst einmal nur meinen Brautstrauß angereicht, bevor sich die Tür wieder schloß. Die Blumen fielen nicht ganz so aus, wie geplant, waren aber sehr hübsch. Wir hatten eigentlich Sträuße ohne eingearbeiteten Draht und ohne Perlen vereinbart, und der Brautstrauß war auch etwas kleiner als besprochen. Zudem war der Zierdraht golden und paßte somit nicht so ganz richtig zu meinem Kleid mit dem silberfarbenen Besatz. Eh bien, tant pis… Das Farbschema Dunkelrot/Creme stimmte ansonsten, der Draht war ohnehin nur dünn & die Perlen nur vereinzelt, und da der Strauß trotz der geringeren Größe schon relativ schwer wog, war ich letzten Endes ganz froh, daß er nicht noch größer ausgefallen war. Mir wäre ja bei den Foto-Posen sonst die Hand abgebrochen! Hinzu kam: Der Strauß würde den Abend ja ohnehin nicht überleben. Jedenfalls nicht in meiner Hand. *g* Und dann ging die Tür wieder auf… Mein Schatz sah einfach umwerfend aus! Da er zwar mein Kleid kannte, ich jedoch seinen Anzug vorher nicht sehen durfte (Emanzipation einmal anders herum *g*), war es für mich, als würde man mir ein wunderschön eingepacktes Geschenk überreichen. Nur auf das Auspacken würde ich wohl noch warten müssen, stellte ich mit leisem Bedauern fest. *g* Na und sowas! Der Mann war nervös! wink Während ich mich noch immer fühlte, als sei ich lediglich auf dem Weg zu einer schönen Veranstaltung, auf die ich mich schon lange gefreut hatte. Was ja auch stimmte. Weiter ging’s also zum Treffpunkt für uns alle, der Kaminhalle der Burg. Nach den üblichen Formalitäten wurden wir dann ins Trauzimmer gebeten. Es war wunderschön geschmückt. Der Tisch des Standesbeamten sah durch die Tischdecken, Kerzenleuchter und Gestecke fast schon aus wie ein Altar, im Hintergrund hing ein geraffter Volant wie ein Rahmen an der Wand, der Kristalleuchter glitzerte von der Decke herab… Und ganz vorne stand die schöne Traukerze, die meine Eltern uns geschenkt hatten und die wir statt des Ringwechsels nach dem Ja-Wort gemeinsam anzündeten. Unsere Musik (”Somebody” von Depêche Mode, sowie “Per Me Per Sempre” von Eros Ramazzotti) erklang und der wichtigste Teil des Tages begann. Unser Standesbeamter hielt eine sehr schöne, aber ungezwungene, lockere Ansprache über das menschliche Miteinander, das Geben und Nehmen, das Nachgeben können und vielerlei mehr. Die Trauung war sogar ziemlich lustig und entspannt, da Marc und ich es uns natürlich nicht verkneifen konnten, uns an einigen Stellen ein vielsagendes Grinsen zuzuwerfen, was natürlich jeder bemerkte und auch jeder verstand. Alle unsere Gäste kannten bzw. kennen uns ja ziemlich gut. Als der Standesbeamte von “Nachgeben können” und “nicht immer auf dem eigenen Standpunkt beharren” sprach, wurde ich grinsend immer kleiner in meinem Sessel, während hinter mir herzliches Gelächter laut wurde. (Ich bin ziemlich sicher, mindestens Michael und meine Eltern dabei deutlich herausgehört zu haben. *g*) Tränen flossen nur bei einem Mitglied der Festgesellschaft, soviel ich später erfuhr. Marc und ich waren jedenfalls bester Laune und unsere Ja-Worte kamen laut und klar. Insgesamt dauerte die Zeremonie ca. 20 Minuten, an deren Ende ich zum ersten Mal mit “Frau Gerhardt” angeredet wurde und auch so unterschreiben mußte. Spätestens da stellte ich mir zum ersten Mal die Frage, ob die Sache mit den buchstäblich ellenlangen, glatten Fingerhandschuhen wirklich so eine gute Idee gewesen war. Anziehen, ausziehen, wieder anziehen, wieder ausziehen—es flutscht einem sonst so ziemlich alles durch die Hände mit den Dingern. Und dann noch mit neuem Namen unterschreiben… Ächz! Allerdings hatte nicht nur ich mit meiner Kleidung zu kämpfen. Meine Schleppe erwies sich nämlich für meinen nunmehr Angetrauten recht schnell als tückische Stolperfalle. Vielleicht sollte ich ähnliche Kleidung in Zukunft öfter einmal anziehen, damit Marc sich daran gewöhnt, neben einer echten Dame auch bitte würdevoll einherzuschreiten, statt die Stoffbahnen ihres Kleides als Surfbrett zu benutzen. *ggg* Zum anschließenden Sektempfang hatten wir den Standesbeamten auch noch hinzugebeten. Er erzählte uns, daß das Blomberger Standesamt mittlerweile ca. 80 Trauungen pro Jahr in der Außenstelle auf Burg Blomberg durchführt. Davon entfallen allerdings die wenigsten auf echte Blomberger. Die meisten Paare, die auf der Burg heiraten, kommen aus anderen Regionen Deutschlands, wie wir selbst ja auch. Auch die Verteilung auf die Monate im Jahr ist nicht hochzeitstypisch. Die beliebtesten Hochzeitsmonate auf Burg Blomberg sind der September und der Dezember. Es gibt also doch eine Menge Bräute, die gerne im Winter heiraten. grin

Unsere Rede als frischgebackenes Ehepaar fiel ähnlich aus wie die Trauung: Kurz, locker und flockig. Es folgten die ersten offiziellen” und arrangierten Fotos. (”Öööööhm, wo war hier noch mal der Selbstauslöser?” *g*). Die Burgdamen und -herren überreichten uns noch eine handgeschriebene Glückwunschkarte mit einem Polaroidfoto von Marc und mir, samt zweier Sektkelche mit gefrostetem Wappen der Burg und gratulierten uns sehr lieb und herzlich. Dann kam der Autocorso zum Spiegelsaal. Nun wird dem aufmerksamen Leser sicherlich nicht entgangen sein, daß sich bei unserer Hochzeit sowohl die Hotelzimmer als auch Restaurant und Standesamt in einem einzigen Gebäude befanden. Das hat logischerweise zum Vorteil, daß die Gäste sich im Normalfall trockenen Fußes von einem Raum zum anderen begeben können, selbst wenn es draußen Katzen hagelt. Jedoch, alas, es entgeht ihnen dadurch die Möglichkeit, das Gehör ihrer Mitmenschen durch ausdauernde und ausnahmsweise geduldete Betätigung einer Hupe nachhaltig zu beeindrucken. Ein aufmerksamer Gastgeber - in diesem Fall also Marc und ich - schafft hier natürlich Abhilfe. Es soll den Gästen doch schließlich an nichts mangeln! Marc und ich hatten also in den letzten Monaten kurzerhand vier ferngesteuerte Autos (mehr ging nicht, weil sich sonst die Fernbedienungen mit gleichen Frequenzen in die Quere gekommen wären) im Maßstab 1:10 besorgt und mit hochzeitstypischen Antennenschleifchen versehen. Einer der Wagen war überdies mit einer Miniversion eines Autoschmucks in unseren Hochzeitsfarben dekoriert. Diese Wagen enthüllten wir nun vor unseren Gästen, drückten jedem Pärchen noch eine Ballon-Quetsch-Hupe in die Hand und baten darum, uns traditionsgemäß zum Festsaal zu “chauffieren”. Schallendes Gelächter quittierte unsere Bitte. Das anschließend einsetzende Hupen-Getröte ließ die Burg in ihren Grundfesten erzittern und ich bin sicher, daß die restlichen Hotelgäste uns für eine Abordnung wahlweise aus Dortmund-Aplerbeck oder Bedburg-Hau gehalten haben. Doch wie dem auch sei: Die Spielzeugautos waren der Hit des Abends. Wie bereits vorausgesehen. :o) Die feierliche Spielzeug-Prozession endete im Spiegelsaal der Burg, wo uns bereits unsere Hochzeitstorte erwartete. Da Röschen und Schleifen nicht so ganz unser Ding sind, ging im Vorfeld der Hochzeit folgende Auftragsbeschreibung an den Burg-Konditor: “Sie soll bestehen aus einer unteren, runden Etage mit Schoko-Sahne-Cremefüllung sowie einer oberen, dreieckigen Lage mit Sahne- oder Joghurt-Frucht-Cremefüllung (geschmackliche Verfeinerung nach Gutdünken des Konditors). Die Ummantelung soll aus glattgestrichener, steifer Sahne bestehen; die Spitzen des oberen Dreiecks sollen abschließen mit dem Rand der unteren Etage. Eine Skizze zum Design liegt diesem Schreiben bei. Für die Dekoration hätten wir folgenden Wunsch: Auf der oberen Etage der Torte befindet sich eine geöffnete Tür aus Marzipan. Das Tortenpärchen (8,0 x 5,5 x 8,0 cm, 166 g) soll so plaziert werden, dass es aussieht, als sei es soeben durch diese Tür getreten. Vor dem Pärchen sowie auf den Absätzen zwischen den beiden Torten-Stockwerken befinden sich diverse Haushaltsgegenstände, ebenfalls aus Marzipan. Generell soll der Eindruck entstehen, als stünde das Tortenpärchen in einer Wohnung, in der gerade eine Party stattgefunden hat (s. Skizze). Beispiele solcher Gegenstände sind bereits als nicht-eßbare Version in der gewünschten Größe (passend zum Tortenpärchen) beigefügt und können somit von Ihrem Konditor als Muster benutzt werden. Weitere stilistisch passende Gegenstände können nach Bedarf hinzugefügt werden.” Dies hier stand nun im Spiegelsaal und der nächste Lacher war fällig. Die Torte übertraf bei weitem unsere Erwartungen, wir waren begeistert! Beim Anschneiden hatte Marc die Hand oben. Tja, das könnte wohl eventuell daran gelegen haben, daß ich ihm erst einige Sekunden zuvor von der Bedeutung der Handpositionen erzählt hatte. Ach hätte er es doch nie erfahren… *g* Nach dem Kaffeetrinken wurde natürlich weiterhin ausgiebig mit den ferngesteuerten Autos gespielt. Mein Brautkleid erwies sich mit dem langen Rock nebenbei als ideale “Garage” bzw. Tunnel und die Herren hatten offenbar großen Spaß daran, die Fahrzeuge immer wieder darunter her zu schicken und unter dem Stoff die Scheinwerfer der kleinen Fahrzeuge aufblinken zu lassen. Männer! *LOL* Als sich die Räder ab und zu auch in meinem langen Schleier verfingen, bat ich meine Trauzeugin, mir beim Herausnehmen desselben zu helfen. Da wir dies natürlich abseits der Gesellschaft vornahmen, begegneten wir zudem einer der beiden anderen Bräute des Tages. Braut gratuliert Braut—das hat was. *g* Nach dem Kaffeetrinken mußte die Tafel umgedeckt werden, so daß sich eine Pause für uns alle ergab. Zunächst einmal waren Fotos auf dem Weihnachtsmarkt angesagt. Obwohl mir klar war, daß wir weder “normal” noch “mittelalterlich” aussahen, hatte ich dennoch nicht mit der Reaktion der Leute gerechnet. Wildfremde Menschen gratulierten uns, wollten mein Kleid von vorne und hinten betrachten, überschütteten uns mit Komplimenten, wir bekamen kleine Geschenke von den Standbesitzern und einer bat sogar darum, mich auf die Wange küssen zu dürfen. (Zitat: “Marc, wieso ist Dein Bart nie so schön weich?” *g*). Nach einiger Zeit wurde es allerdings etwas frostig und eine kräftige Brise kam auf. Wir beschlossen also, bis zum Abendessen noch ein wenig durch die Burg zu wandern, begegneten dabei einigen unserer Gäste, redeten ein wenig—und ehe wir uns versahen, war es schon Zeit zum Abendessen. Wenn es unseren Gästen so gut geschmeckt hat wie uns, kann man wohl von einem rundum gelungenen Essen sprechen! Die Burgküche hatte sich wirklich alle Mühe gegeben und alles sehr liebevoll vorbereitet. Vom wunderschön gedeckten Tisch bis hin zum schokoladigen Gruß auf den Desserttellern war alles einfach toll hergerichtet. (Hier noch eine Nahaufnahme des Tischgestecks.) Nur eins war schade: Daß das Fassungsvermögen meines Magens doch leider begrenzt war. (Zitat: “Hat schon mal jemand ein Brautkleid platzen gesehen?” *g*) Auf das Abendessen folgte das erste Spiel: Unsere Freunde Martin und Sandra hatten ein kleines Kästchen voller Kupfermünzen mitgebracht, kippten dieses vor unseren Augen auf dem Parkett aus, drückten uns zwei schwer lädierte Handfeger in die Hände und geboten uns, die Bescherung wieder zusammenzufegen. Den Kehrbesen fehlten jedoch bereits so viele Borsten, daß wir es genausogut mit Pusten hätten versuchen können. Ich kippte also kurzerhand den Stiel um 90 Grad und “kehrte” mit der harten Plastikseite. Leider ging unseren Gästen das dann aber zu schnell. Sie beschlossen, uns die Sache noch etwas schwerer zu machen. Ehe wir uns versahen, hatten sie sich die ferngesteuerten Autos gegriffen und lenkten diese kreuz und quer durch die bereits wieder zusammengefegten Münzen. Natürlich mit dem Resultat, daß diese wieder in alle Himmelsrichtungen davonflogen. Immerhin fuhr der schnellste der kleinen Wagen an die 20 km/h. Klein-Ute, nicht faul, sammelt also die Autos im Vorbeifahren ein und sperrt sie in den Rock ihres Kleides. Da lagen sie nun wie die Maikäfer auf dem Rücken und surrten wild aber nutzlos vor sich hin. *g* Marc und ich konnten also mehr oder weniger in Ruhe die Münzen zusammensuchen und letztendlich als Beute ergattern.
grin Ein zweites Spiel war das sogenannte Löffelspiel, das unsere Trauzeugen für uns arrangiert hatten. An zwei Löffeln werden zwei je gleichlange Schnüre befestigt. Nun sucht sich sowohl der Bräutigam als auch die Braut jeweils vier “Teammitglieder” aus der Hochzeitsgesellschaft aus. Mit dem Brautpaar beginnend muß nun jede Mannschaft der Reihe nach den Löffel irgendwo oben in die Kleidung einführen und unten wieder auffangen. Ist der letzte fertig, geht der Spaß in umgekehrter Reihenfolge wieder von vorne los. Sobald der Löffel wieder bei der Braut oder dem Bräutigam ankommt, müssen diese rasch die Schnur auf den Löffelstiel wickeln. Wer zuerst die Schnur wieder aufgewickelt hat, hat gewonnen. Das war dann der Moment, wo ich ausnahmsweise bereute, keinen Reifrock getragen zu haben. *g* Was natürlich auch nicht fehlen durfte, war der Hochzeitswalzer. Nach Blackmore’s Nights “Be Mine Tonight” drehte Marc mich durch den Saal—rechts herum, links herum, es war herrlich! Sogar ein kleines Video (1,5 MB) ist dabei entstanden, allerdings leider ein wenig dunkel. Man kann das Braut- bzw. Tanzpaar jedoch noch als solches erkennen. grin Der Brautstraußwurf gestaltete sich etwas unorthodox. Nur drei Fangwillige hatten sich gefunden—und ich benötigte drei Versuche, um den Strauß wenigstens andeutungsweise in die Reichweite dieser Kandidatinnen zu befördern. Beim ersten Versuch landeten die Blumen fast auf der Theke der Bar, beim zweiten Mal weit oberhalb der potentiellen Fängerinnen an der Saalwand (nur gut, daß der Spiegel heil blieb… Uff!), doch beim dritten Mal erwischte eine unserer Freundinnen wenigstens die Bändchen des Straußes und bremste ihn somit in seiner Flugbahn, woraufhin er ihr natürlich direkt lautstark zuerkannt wurde. (Vielleicht hatte man aber auch einfach Angst, ich könnte sonst bei weiteren Würfen noch komplett den Saal zerlegen. *g*) Plötzlich ein Anruf auf Michaels Handy. Unsere gemeinsamen Freunde Sigi und Kerstin wollten zur Hochzeit gratulieren. Was macht Ute bei Übernahme des Handys? Klar, sie meldet sich laut und deutlich mit… ihrem Mädchennamen. Und merkt es nicht einmal! *LOL* Nun, die Gesellschaft hatte wieder einmal etwas zu lachen und der Spaß konnte weitergehen. grin Und dann war da noch die Dame auf dem Stillen Örtchen. Sie kam zur Tür herein, sah mich am Waschbecken stehen und rief “Huch, eine Braut!!!”. Nun ja, ich gebe zu: Eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Burggespenst war vorhanden. *g* Um Mitternacht ließen wir eine Goulaschsuppe und nochmals die Torte servieren, doch der Hunger hatte sich nach dem opulenten Abendessen bei allen in Grenzen gehalten. Es wurde noch ein wenig getanzt, geredet und natürlich Autorennen veranstaltet *g* Gegen zwei Uhr morgens löste die Gesellschaft sich langsam auf. Marc und ich zogen uns als Letzte auf unser Zimmer zurück und konnten es uns nicht verkneifen, doch noch die Sauna anzuwerfen. grin Anschließend überreichten wir uns gegenseitig unsere Hochzeitsgeschenke. Eigentlich wollte Marc mir dann auch noch feierlich den Ring anstecken, doch schnell mußten wir feststellen, daß der noch im Jackett des Trauzeugen steckte—und somit um diese Uhrzeit unerreichbar war. *LOL* Am nächsten Morgen holten wir jedoch alles nach, nachdem wir erst einmal ein paar Stunden tief und fest geschlafen hatten. Sonntag, 21. Dezember 2003 Der Wind hatte über Nacht weiterhin stark zugenommen und einen Teil des mittelalterlichen Weihnachtsmarktes davongepustet. Das war natürlich sehr ärgerlich für die Standbesitzer und schade für uns, denn eigentlich wollten Marc und ich dort noch ein Geschenk für Marcs Patenkind besorgen. Die Standbesitzer waren jedoch schon um acht Uhr dabei, alles wieder zusammenzupacken, bevor noch mehr beschädigt wurde. So setzten wir uns nach dem Frühstück noch kurz mit allen Gästen auf eine Tasse Kakao oder ein Bier zusammen, ließen die Hochzeit lachend Revue passieren und fuhren schließlich nach Hause. Nach einer kurzen Aufräumaktion machten wir uns daran, die vielen hübsch verpackten Geschenke und die vielen Glückwunschkarten auszupacken. Immer abwechselnd, eins Marc, eins ich. Wir waren überwältigt, denn wir sind wirklich sehr reich beschenkt worden. Nicht nur materiell. Alle Gäste hatten sich viele Gedanken und uns alleine schon durch ihr Erscheinen ein wunderschönes Geschenk gemacht: Eine wirklich einmalige Hochzeit! Besonders bedanken möchten wir uns bei allen Angestellten des Burghotels Blomberg, die diesen Traum überhaupt erst ermöglicht haben. Ihr Engagement und Verständnis sind einfach unbezahlbar. Wir wissen auch schon, wo wir den 20. Dezember 2004 verbringen werden… grin

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