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Inner Wheel für Piratinnen?

Kaum zeigt sich eine neue Partei am politischen Horizont, schon steht sie auf dem Prüfstand. Das ist legitim und auch gut so. Den Piraten, denen ich übrigens seit einigen Wochen schon angehöre, kann man sicherlich einiges vorwerfen. Chaotische Organisation zum Beispiel. Meine Mails sind oft genug auf irgendeinem Piratenserver im virtuellen Bermudadreieck verschwunden. Die erste Mitgliedsnummer, die man mir mitteilte, war verkehrt. Nicht optimal also, das erkennt auch ein Enthusiast, der generell geneigt ist, über viele Startschwierigkeiten hinwegzusehen.

Was man den Piraten meines Erachtens aber nicht vorwerfen kann, ist Frauenfeindlichkeit. Oder auch nur mangelndes Bewußtsein für die Bedürfnisse der Frauen, wie es Paula in ihrem Beitrag meiner Meinung nach impliziert. Zitat: “Ich denke es ist die Aufgabe der Mitglieder der Piratenpartei sich Gedanken zu machen wie sie niedrigschwelligere Angebote machen können um Partizipation von im Alltag marginalisierten Gruppen zu erleichtern.

Ja aber bitte was soll oder muß denn da erleichtert werden? Adressen, Programm, Wiki - wer kein Analphabet ist, kann all das mühelos einsehen. Der Mitgliedsantrag kann online ausgefüllt werden oder wahlweise auch als Hardcopy - leichter geht’s doch gar nicht? Zu den Treffen werden Rundmails an alle rausgeschickt - ich hatte bisher nicht den Eindruck, daß die Frauen da vorher aussortiert werden. Es sei denn, man hätte Ute nicht als weiblichen Vornamen erkannt und ich sei somit zufällig durchs Raster gefallen. Oder anders gesagt: Mir fehlt bei dieser Feminismusdebatte der konkrete Vorwuf, den man der Piratenpartei in bezug auf Frauenfeindlichkeit macht oder auch nur machen könnte. Was genau läuft denn da angeblich schief? Werden Frauen irgendwo systematisch gemobbt? Werden sie zum Kaffeekochen abkommandiert, während der männliche Teil der Ortsgruppe debattiert? Wo genau ist das Problem? Bitte sagt es mir, denn ich verstehe es nicht.

Der Vergleich mit Körperbehinderten, die ohne Rampe an der Treppe ja auch nicht an den Treffen teilnehmen könnten, hinkt meines Erachtens schwer. Ein solcher Vergleich legt nahe, daß Frauen alleine dadurch, daß sie Frauen sind, mit unabänderlichen Behinderungen zu kämpfen haben. Haben sie aber nach meiner Erfahrung nicht, und schon gar nicht in der Piratenpartei. Ein Rollstuhlfahrer kann nicht einfach beschließen, daß er jetzt mal eben aufsteht und zu Fuß die Treppen hochläuft. Eine Frau, deren einzige “Behinderung” darin besteht, zwei X-Chromosomen zu haben, kann aber durchaus mit der Faust auf den Tisch hauen und sagen: “Nee, ich koche keinen Kaffe und ich stenographiere auch kein Protokoll. Sondern ich stelle mich zur Wahl, und das und das und das sind meine Anliegen und Vorschläge.” Falls das denn überhaupt nötig sein sollte.

Ich bin absolut nicht der Ansicht, daß die Partei den Frauen mit einer Frauenquote oder “niedrigschwelligen Angeboten zur Partizipation” einen Gefallen täte. Das wiederum würde nämlich implizieren, daß Frauen die normalen “Hürden” nicht bewältigen können, um sich parteipolitisch einzubringen. Auf einige von ihnen mag das sogar zutreffen. Aber liegt das an der Partei? Ich meine: Nein. Ihnen also “entgegenzukommen” wäre in meinen Augen herablassend den Frauen als Gesamtheit gegenüber. Das wäre frauenfeindlich.

Gleichberechtigung bedeutet für mich, daß die Partei sich mir und meinem Versuch, mich einzubringen, nicht aktiv in den Weg stellt und meine Fähigkeiten nicht herabwürdigt - genau wie bei jedem Mann. Meiner Erfahrung nach tut sie das auch nicht. Meiner Erfahrung nach sind Frauen durchaus willkommen, und zwar in unbegrenzter Anzahl. Sie müssen nur wollen. Und ein klein wenig Grips mitbringen. Das sollte ja wohl kein Problem sein. Nur auf eine Extraeinladung werden sie wohl lange warten können. Auch das ist Gleichberechtigung.

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