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Inner Wheel für Piratinnen?
Dienstag, 08. September 2009
Kaum zeigt sich eine neue Partei am politischen Horizont, schon steht sie auf dem Prüfstand. Das ist legitim und auch gut so. Den Piraten, denen ich übrigens seit einigen Wochen schon angehöre, kann man sicherlich einiges vorwerfen. Chaotische Organisation zum Beispiel. Meine Mails sind oft genug auf irgendeinem Piratenserver im virtuellen Bermudadreieck verschwunden. Die erste Mitgliedsnummer, die man mir mitteilte, war verkehrt. Nicht optimal also, das erkennt auch ein Enthusiast, der generell geneigt ist, über viele Startschwierigkeiten hinwegzusehen.
Was man den Piraten meines Erachtens aber nicht vorwerfen kann, ist Frauenfeindlichkeit. Oder auch nur mangelndes Bewußtsein für die Bedürfnisse der Frauen, wie es Paula in ihrem Beitrag meiner Meinung nach impliziert. Zitat: ”Ich denke es ist die Aufgabe der Mitglieder der Piratenpartei sich Gedanken zu machen wie sie niedrigschwelligere Angebote machen können um Partizipation von im Alltag marginalisierten Gruppen zu erleichtern.”
Ja aber bitte was soll oder muß denn da erleichtert werden? Adressen, Programm, Wiki - wer kein Analphabet ist, kann all das mühelos einsehen. Der Mitgliedsantrag kann online ausgefüllt werden oder wahlweise auch als Hardcopy - leichter geht’s doch gar nicht? Zu den Treffen werden Rundmails an alle rausgeschickt - ich hatte bisher nicht den Eindruck, daß die Frauen da vorher aussortiert werden. Es sei denn, man hätte Ute nicht als weiblichen Vornamen erkannt und ich sei somit zufällig durchs Raster gefallen. Oder anders gesagt: Mir fehlt bei dieser Feminismusdebatte der konkrete Vorwuf, den man der Piratenpartei in bezug auf Frauenfeindlichkeit macht oder auch nur machen könnte. Was genau läuft denn da angeblich schief? Werden Frauen irgendwo systematisch gemobbt? Werden sie zum Kaffeekochen abkommandiert, während der männliche Teil der Ortsgruppe debattiert? Wo genau ist das Problem? Bitte sagt es mir, denn ich verstehe es nicht.
Der Vergleich mit Körperbehinderten, die ohne Rampe an der Treppe ja auch nicht an den Treffen teilnehmen könnten, hinkt meines Erachtens schwer. Ein solcher Vergleich legt nahe, daß Frauen alleine dadurch, daß sie Frauen sind, mit unabänderlichen Behinderungen zu kämpfen haben. Haben sie aber nach meiner Erfahrung nicht, und schon gar nicht in der Piratenpartei. Ein Rollstuhlfahrer kann nicht einfach beschließen, daß er jetzt mal eben aufsteht und zu Fuß die Treppen hochläuft. Eine Frau, deren einzige “Behinderung” darin besteht, zwei X-Chromosomen zu haben, kann aber durchaus mit der Faust auf den Tisch hauen und sagen: “Nee, ich koche keinen Kaffe und ich stenographiere auch kein Protokoll. Sondern ich stelle mich zur Wahl, und das und das und das sind meine Anliegen und Vorschläge.” Falls das denn überhaupt nötig sein sollte.
Ich bin absolut nicht der Ansicht, daß die Partei den Frauen mit einer Frauenquote oder ”niedrigschwelligen Angeboten zur Partizipation” einen Gefallen täte. Das wiederum würde nämlich implizieren, daß Frauen die normalen “Hürden” nicht bewältigen können, um sich parteipolitisch einzubringen. Auf einige von ihnen mag das sogar zutreffen. Aber liegt das an der Partei? Ich meine: Nein. Ihnen also “entgegenzukommen” wäre in meinen Augen herablassend den Frauen als Gesamtheit gegenüber. Das wäre frauenfeindlich.
Gleichberechtigung bedeutet für mich, daß die Partei sich mir und meinem Versuch, mich einzubringen, nicht aktiv in den Weg stellt und meine Fähigkeiten nicht herabwürdigt - genau wie bei jedem Mann. Meiner Erfahrung nach tut sie das auch nicht. Meiner Erfahrung nach sind Frauen durchaus willkommen, und zwar in unbegrenzter Anzahl. Sie müssen nur wollen. Und ein klein wenig Grips mitbringen. Das sollte ja wohl kein Problem sein. Nur auf eine Extraeinladung werden sie wohl lange warten können. Auch das ist Gleichberechtigung.
Word!
Das voreingestellte http:// in der URL-maske nervt.
Glück auf!
Oh, sehr gut geschrieben. Also nicht, dass ich Dir das nicht zugetraut hätte^^
Aber in letzter Zeit kann man sich als Blogger schon mal öfter heftig an den Kopf hauen. Auch bei der von Dir kommentierten Debatte. Freut mich, immer mal wieder eine Stimme der Vernunft zu lesen, sonst krieg ich auch noch nen Rappel. Sollte ich den trotzdem kriegen, kannste mich ja wieder einnorden^^
@Corax: Wenn ich das weglasse, hauen mir manche Muttis ihre URLs ohne http rein und ich muß die Links alle von Hand reparieren.
@Sören: Danke. Freut mich!
Danke, musste mal gesagt werden, und zwar nicht von Männern. Nebenbei: http://antjeschrupp.com/2009/09/03/kann-eine-feministin-piraten-wahlen/ - Antje Schrupp hat recht, kann eine Feministin nicht, weil die Piraten postfeministisch sind. Stört mich auch nicht weiter. ist wie die Frage, ob ein Netzsperrenbefürworter Piraten wählen könnte…
Nein Frauen sind nicht behindert aber viele sind dazu erzogen ihre Meinung und Fähigkeiten geringer zu schätzen als die der Anwesenden vor allem Männer. Die Fähigkeiten der Frauen werden übrigens auch von Männern durch die Bank weg geringer eingeschätzt. Das ist eine systemische Behinderung die die Beteiligung von Frauen durchaus erschwert.
Und mir ist immer noch nicht klar warum es so schwierig ist z.B. ein Treffen speziell für Neumitglieder und Interessierte zu machen? Das wäre so ein niederschwelliges Angebot. Alternativ auch Mentoren oder Mentorinnen für Neumitglieder oder Interessierte, egal welcher genetischen, geschlechtlichen oder gender Konfiguration.
Ich kann mir nicht vorstellen dass die PP die ganzen brillianten Köpfe die da drausen rumlaufen und sympathisieren einfach ignorieren will nur weil sie sich nicht trauen die Treppe hoch zu laufen. Sorry das entspricht nicht meinem Verständnis davon was es heißt partizipation zu ermöglichen.
vielen dank für diesen beitrag! diese unsägliche debatte pp vs. feministen hat mir inzwischen einen ganzen strauß stacheliger federn wachsen lassen. ich möchte ab und an gar nicht glauben, wie tief in sämtlichen klischees über frauen manche femiblogger waten (scheinbar ohne es zu merken), und die abwesenheit solcher klischees den piraten zum vorwurf machen. verkehrte welt…
@Jokerine: Entschuldige, wenn ich etwas verwirrt bin, aber wenn man mir anbieten würde, mir als Neumitglied einen Mentor an die Seite zu stellen, würde ich mich bei einer _Partei_ ernsthaft fragen, ob die noch alle Tassen im Schrank haben.
Ich trete doch einer Partei bei, weil ich halbwegs begriffen habe (oder meine begriffen zu haben), was ihr Anliegen ist, und weil ich eben da mitmischen oder zumindest meine Unterstützung signalisieren möchte. Wenn ich an dem Punkt noch einen Mentor brauche, wenn ich nicht mal den Mund aufbekomme, um im Bedarfsfall den Ortsvorsitzenden einfach anzuhauen und zu fragen: “Hey, was war das, wie geht das, wie machen wir sowas?” - dann bin ich schlicht fehl am Platz. So viel Eigeninitiative muß schon sein. Ich bin ja schließlich kein Sextaner, der in der ersten Schulwoche noch einen Paten braucht, weil er sich nicht traut, vielleicht auch mal einen Oberprimaner zu fragen.
Und nach meiner Erfahrung sind die Piraten übrigens ausgesprochen aufgeschlossene Leute, die man jederzeit alles fragen kann und wo man auch zügig eine brauchbare Antwort und Hilfestellung bekommt. Das geht völlig unbürokratisch und am konkreten Bedarf orientiert.
Nur: Die Leute da verwalten die Mitgliedszahlungen und -Nummern noch per Hand, so sehr sind sie vom Ansturm der Neumitglieder überrannt worden. Soviel ich weiß, kennen sie den Frauenanteil bisher noch nicht einmal genau. Da kann man wohl kaum erwarten, daß sie ein Fraueneinsteigerprogramm zur Prio I erheben, von dem nicht einmal erwiesen ist, ob man es tatsächlich benötigt.
Schau dir deinen Aufnahmeantrag nochmal genau an. Vielleicht fällt dir ja auf, wieso wir den Frauenanteil nicht kennen
Ich stimme dir voll und ganz zu!
Die meisten Feministinnen heutzutage wollen offensichtlich nicht gleichberechtigt werden, sondern bevorzugt. DAS ist keine Gleichberechtigung und meines Erachtens sexistisch, nicht die Piratenpartei!
Gleichberechtigung heißt nicht Benachteiligung der Männer.
Liebe Grüßle
Shampie
Ute mir ist schon klar das du dir mit nem Patenpiraten an der Seite doof vorkommen würdest. Ich persönlich fand es gut dass ich bei uns Leute hatte die sich inoffiziell meiner angenommen haben und mir erklärt haben warum die Gräben so verlaufen wie sie verlaufen, wer mit wem kann und wer welche Positionen und Eigenheiten hat. Vielleicht braucht ihr das wirklich nicht, vielleicht braucht ihr das noch nicht. Die Zeit wird’s zeigen.
Die Piratenpartei erhebt das Geschlecht auf dem Aufnahmeantrag nicht, deswegen kann man nur nach der Besetzung der gewählten Posten gehen. Da siehts aber besser aus als in den Vorständen der Dax-Unternehmen. Also wat will ich mehr. Ich werde mich bei euch nicht einbringen, nicht bei euch eintreten und euch nicht wählen, da ich meine politische Heimat woanders habe. Was solls also.
Ich hatte zwei schlechte Tage an denen mir im Büro mal wieder ne ordentliche Ladung Frauenfeindlichkeit entgegen geschwappt ist und deshalb habe ich sehr empfindlich auf die Posts zum und gegen Feminismus und Piratenpartei reagiert, besonders auf die Kommentarsektionen. Ute, ich wünsche dir das ihr die Lösungen habt für dieses Land und dass ihr sie umsetzen könnt. Ich wollte weder dich noch @Fischblog ablehnen, da ihr, auch wenn ich dich nicht persönlich kenne, mir wichtig seid. Ich habe es unachtsam getan und das tut mir Leid.
@Jokerine: Das Problem ist doch aber gar nicht das mangelnde Hilfsangebot, das Du aus mir unerfindlichen Gründen beklagst. Das Problem ist… im Grunde gar nicht vorhanden. Denn wer Hilfe braucht - ob Männlein oder Weiblein - bekommt sie bei den Piraten auch. Ist zumindest meine Erfahrung. Das reicht doch, oder nicht?
Muß man erst ein offizielles Getöse darum machen und sich ein “Hier werden Sie geholfen” auf die Fahne schreiben, damit der Vorwurf der Frauenfeindlichkeit entkräftet werden kann? Wie gesagt: Ich empfinde das Problem als von Außenstehenden konstruiert und bei näherer Betrachtung nichtexistent.
“Die” Lösungen haben die Piraten sicher nicht. Aber wohl doch ein paar brauchbare, die sie zu den anderen in den Pool werfen können. Im Alleingang kann wohl niemand den Karren aus dem Dreck ziehen.
Übrigens braucht’s ein klein wenig mehr als einen kritischen Kommentar oder einen kontroversen Blogeintrag, damit ich mich abgelehnt fühle. Ich schätze Dich und Deine Blogs sehr. (Sonst würden sie ja da rechts nicht in der Blogroll stehen
) Was mich angeht, gibt es jedenfalls absolut nichts, was Dir leid tun müßte.
Also was mir Leid tut ist das mein Verhalten dem eines typischen Concerntrolls entspricht. Solltest du nicht… Steht in der Mitte des Antifeminist-Bingo (http://hoydenabouttown.com/20080218.1460/antifeminist-bingo-2/) Und na ja von mir selber erwarte ich mehr. Aber immerhin hab ich was gelernt
Und jetzt geh ich arbeiten und die Welt retten mit meinen tollen arschigen Molekülen die nicht so wollen wie ich.
Was spezielle “Frauenangebote” angeht, finde ich diesen Lösungsansatz generell etwas bedenklich. Denn er basiert ja schon auf der Prämisse, daß Frauen “irgendwie anders” sind. Mit diesem Eingeständnis zementiert man aber doch genau die Denkweise in den Köpfen von Männern (und auch den Frauen selbst, b.t.w...), die man da eigentlich endlich rausbekommen möchte. Catch 22, würde ich sagen.
Ahoi Ute,
danke für Deinen Beitrag, ich habe meine Frau zum letzten Landestreffen mitgenommen. Ihr erster Eindruck stammte vom Stammtisch Koblenz, da meinte sie, wir wären chaotisch. Nach dem LPT meinte sie, wir wären gut durchorganisiert. Eine Grüne war da und fragte was wir tun würden, dass Frauen in den Vorstand kämen. Ähm mein erster Gedanke war: “Hallo, gehts noch? Ich dachte in unserer Generation haben wir den Scheiß doch nicht mehr nötig.” Ich finde es in Ordnung, wenn eine Frau die Getränke oder das Essen bezahlt. Meine Frau hatte wohl den gleichen Gedanken. Mag sein, dass zur Emanzipation gehört Wünsche zu äußern aber nur aufgrund eines Geschlechts, einer Rasse oder Nationalität ist in meinen Augen unverschämt. Ich möchte bevorzugt werden weil ich eine deutsche schwarze Frau bin ist im 21. Jahrhundert nicht mehr zeitgemäß. Wenn aber jemand kommt, ich möchte bevorzugt werden, weil meine Idee gut und einleuchtend ist, wird mein Gehör finden.
Vielleicht liegt es auch an der Sprache. Alleine die Artikel der und die sollten einfach ersetzt werden durch: Das. Wirklich?
Wie sexistisch manche Frauen sind, zeigt mir, dass sie sich Piratinnen nennen. Ja, das ist meiner Meinung nach sexistisch. Liebe PIRAT Ute, die Sprache ist sexistisch und rassistisch. Das ist bekannt, alles Gut ist Weiß und alles Schlechte ist Schwarz.
Ich bin postfemministisch, wir haben eine Frau an der Spitze der Regierung und ich lasse keinen herablassenden Kommentar ab, wegen dem Geschlecht sondern eher wegen der Einstellung.
Frauen in Spitzenpositionen ist für mich selbstverständlich.
Grüsse Bernd
Der Beitrag ist eine echte Wohltat nachdem einige Bloggerinnen da offenbar ungefiltert EMMA-Standpunkte über die “bösen rechtsradikalen kinderschändenden matcho-Piraten” übernommen haben