Kleine Kafkaesque
Die Kinderbetreuung von Saskia und Tobias wird finanziell von der Stadt nicht unerheblich bezuschußt. Mittlerweile in einem Umfang, den wir uns nie hätten träumen lassen. Aber fangen wir mit der Geschichte besser ganz von vorne an:
Nach drei Jahren Elternzeit fing ich im Februar 2008 wieder an zu arbeiten. Tobias und Saskia wurden bei einer Tagesmutter untergebracht. Zunächst für eine zweiwöchige Probezeit mit halber Stundenzahl. Dies wurde von der Stadtkasse entsprechend berechnet. Als allerdings dann die Betreuung auf die volle Stundenzahl ausgedehnt wurde, bekamen wir mit der neuen Rechnung als Erstes eine Mahnung über den Vollzeitbetrag - für die Probezeit! Dies konnte geklärt werden, die Zahlungen liefen normal weiter.
Im August 2008 kam Saskia von der Tagesmutter in den Kindergarten. Unerfahren wie wir waren, wußten Marc und ich zunächst nicht, daß Betreuungskosten ab dann nur noch für ein Kind berechnet werden. In diesem Fall für Saskia als das “teurere” Kind. Irgendwann im November bekamen wir allerdings wieder eine Mahnung für ich weiß nicht mehr welche angeblich nicht geleisteten Zahlungen, die allerdings sehr wohl von uns überwiesen worden waren. Mein Mailverkehr zur Klärung dieser Angelegenheit endete mit der Erkenntnis seitens der Stadtkasse, daß wir nicht nur keine Mahnung zu bekommen hatten, sondern generell schon zu viel Geld überwiesen hatten - nämlich für beide Kinder, statt nur für Saskia. Man hatte da wohl etwas mit den Kassenzeichen durcheinandergebracht. Es folgte also ein Schreiben, daß wir in den kommenden Monaten bitte unsere Zahlungen erst einmal einstellen sollten, bis unser Guthaben bei der Stadt aufgebraucht sei. Die Kinder wurden auf ein gemeinsames Kassenzeichen eingetragen.
Gesagt - getan, der Dauerauftrag wurde von uns auf Eis gelegt, mit der Absicht, ihn wiederaufzunehmen, sobald die Differenz Null erreicht. Das wäre im Februar gewesen.
Im Dezember wechselten wir Tobias’ Tagesmutter. Der alte Vertrag wurde gekündigt, zeitgleich ein neuer, identischer, mit der neuen Tagesmutter abgeschlossen, beginnend im Januar. Theoretisch hätte sich an den Forderungen der Stadt absolut nichts ändern dürfen.
Vor ca. 10 Tagen erreichte uns eine Zahlungsaufforderung der Stadt Dortmund, in der die Beträge für die Betreuung plötzlich erhöht und auf Tobias’ Namen abgerechnet wurden, mit einem ganz neuen Kassenzeichen. Gleichzeitig wurden wir aufgefordert, die fünf oder sechs angeblich noch ausstehenden Kindergartenbeiträge für Saskia nachzuzahlen. Mit dem alten Kassenzeichen. Wir verstanden überhaupt nichts mehr. Bevor wir jedoch überhaupt alle Unterlagen auswerten, die bisher erfolgten Zahlungen zusammenrechnen und mit dem noch vorhandenen Überschuß verrechnen konnten…
... überwies uns die Stadt Dortmund diese Woche 2.000,- wegen in der Vergangenheit zuviel geleisteter Zahlungen. Das sind mehr oder weniger die kompletten Betreuungskosten für beide Kinder seit August. Die ja aber ohnehin schon erstattet worden waren, indem wir im November gebeten wurden, den Dauerauftrag auf Eis zu legen!
Auf Marcs nun komplett verwirrte Rückfrage wurde ihm telefonisch von der Mitarbeiterin mitgeteilt, sie wisse auch nicht, warum das passiert sei. Aber da solle er am besten gar nichts unternehmen.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Wir werden das Geld natürlich auf Aufforderung umgehend zurückzahlen. Da wir allerdings der Stadt kein Geld schulden und eine Klärung der Angelegenheit zudem gescheitert ist (Zitat: “Freuen Sie sich doch einfach!”), warten wir lieber die explizite Aufforderung ab. Denn wenn wir nun hingehen und von uns aus 2.000 Euro überweisen, wird das Chaos garantiert noch schlimmer. Und ehrlich gesagt sind wir beide mittlerweile zu dem Schluß gekommen, daß es nach dermaßen viel Hickhack nicht länger unsere Aufgabe sein kann, immer und immer wieder die Fehler der Stadtkasse auszugleichen oder deren chaotische Buchführung überhaupt auch nur ansatzweise zu durchschauen.
“Freuen Sie sich doch einfach”? Machen wir. Bis zur bald erfolgenden Rückforderung, nehme ich an. Längstens aber bis zu Tobias’ Kindergarteneintritt im Sommer. Ich mag mir nur mit Grausen ausmalen, was für einen Schwachsinn die Stadtkasse dann wieder verzapfen wird. Aber bis dahin kassieren eben wir die Zinsen, nicht die Stadt. Bei der es mich langsam nicht mehr wundert, daß sie nicht genug Geld hat.