Konsumverhalten, verändertes
Blöd, aber ich weiß nicht mehr, wo ich vorhin den Link zu diesem Artikel gefunden habe. Aber wo auch immer es war (vermutlich Twitter?), ich kann der Autorin nur zustimmen.
Ich lade zwar nichts illegal herunter, aber wenn ich z.B. bei Amazon Musik online kaufe, dann auch nur einzelne Songs, die ich mir vorher ein paarmal in Endlosschleife gratis auf Youtube angehört habe. (Von Klassikaufnahmen jetzt mal abgesehen.) Der Knackpunkt ist doch, daß die neuen Medien inzwischen genau das Konsumverhalten ermöglichen, das man genaugenommen auch damals schon an den Tag gelegt hätte, wenn denn die technischen Voraussetzungen gegeben gewesen wären. Auch auf meinen alten, gekauften Vinylalben ist in vielen Fällen nur ein Song drauf, den ich wirklich haben wollte. Oder mit Glück auch zwei oder drei. Die anderen mußte man halt wohl oder übel in Kauf nehmen und somit mitbezahlen. Heute muß man das nicht mehr, und je eher sich die Musikindustrie daran gewöhnt und anpaßt, desto besser für sie, würde ich behaupten. Denn aus all dem jetzt zu folgern, der Umsatz würde wegen des Diebstahls einbrechen, halte ich für eine eklatante Fehleinschätzung. Die Industrie wird nur endlich mit der echten, unverfälschten Nachfrage konfrontiert. Daß die eben tatsächlich nicht so hoch ist, wie der unflexible Verkauf von ganzen Alben (oder überteuerten Maxi-Singles) über Jahrzehnte vorgegaukelt hat, ist doch nicht die Schuld der Konsumenten, sondern ganz alleine das Problem der Musikindustrie. Deshalb den nun flexibler gewordenen Konsumenten zu kriminalisieren, zeugt für mich von feinstem Scheuklappismus.
Und mal ehrlich: Musikpiraten als solche gibt es doch seit Erfindung des Tonbandes. Ich kann mich gut daran erinnern, daß früher, als ich noch in der Grundschule war (Mitte der 70er!), neben unserem Radio im Eßzimmer auch oft das Tonbandgerät und später ein Kassettenrekorder stand, der ans Radio angeschlossen war. Meine Mutter sammelte darauf immer die aktuellsten Hits für sich selbst bzw. die nächste Party. Nur konnte man das im Gegensatz zu Downloads aus dem Internet nicht kontrollieren. Das hat das Musikgeschäft aber weder besser noch schlechter gemacht als heute. Gefielen meiner Mutter dann allerdings von einem Interpreten immer mehr Songs, wurde übrigens durchaus auch bald das dazugehörige Album gekauft. Wer aber nur einen guten Hit landete und ansonsten Schrott produzierte, hatte eben keine Chance. Genaugenommen ist so ein Interpret heute sogar besser dran, denn er bekommt wenigstens über die Downloads den einen Song verkauft.
Wegen vereinzelter Songs ganze Alben erwerben? Wozu? Oder um den altbekannten Spruch abzuwandeln: Warum sollte ich für ein Glas Milch noch immer die ganze Kuh kaufen, wenn es nun endlich auch anders geht?