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Von Käfigen und Narren

Dienstag, 13. Oktober 2009

Kreatives, spontanes Spiel in verschiedenen sozialen Situationen.

Das hat Wikipedia sehr nett auf den Punkt gebracht. Hallenspielplätze sind eine Fundgrube für Soziologen und Satiriker gleichermaßen, wie ich am Wochenende anläßlich der Geburtstagsfeier unseres Sohnes feststellen durfte.

Von den Erfahrungen, die bereits der Kinderdok seinerzeit so hübsch dokumentiert hat, wollen wir heute mal nicht sprechen. Werfen wir stattdessen einen Blick in den Käfig Bereich mit den überdimensionalen legoähnlichen Noppen-Bausteinen.

Szenario: Vier Gruppen, jeweils bestehend aus mindestens einem Erwachsenen und einem Kind. Alle mit dem Bestreben, ein Häuschen zu errichten, in dem das jeweilige Kind stehen kann. Des weiteren eine beträchtliche, nichtsdestotrotz jedoch begrenzte Anzahl von Bausteinen.

Nachdem nun jede Gruppe mit einigen Steinen den Grundriß ihres Häuschens festgelegt und mit ein paar weiteren Reihen quasi festzementiert hatte, wurde schnell klar, daß die Steine nie und nimmer ausreichen würden, um sämtliche geplanten Bauwerke inklusive Dach fertigzustellen. Insbesondere für das ambitionierte Riesenprojekt der vierten Gruppe, deren Grundriß gut ein Drittel des Bau-Areals einnahm, sah es ziemlich mau aus. Nun sollte man ja meinen, daß - wenn schon die Kinder nicht auf die Idee kommen - doch zumindest einer der Erwachsenen eine Kooperation mit einem der anderen Bauherren vorschlägt. Weit gefehlt.

Gruppe 1 verläßt bald darauf den Ort des Geschehens. Gruppe 2 nutzt die Gunst der Stunde, um sich das hinterbliebene Fundament flugs unter den Nagel zu reißen, während Gruppe 3 - die mit dem größten Grundriß - in der Zwischenzeit einen guten Teil der im Spielbereich erreichbaren losen Steine zusammenrafft und in ihrem Rohbau bunkert, bis dieser fast überquillt. Ringsum sieht es mittlerweile ausgesprochen aufgeräumt aus; die Klötze sind fast aufgebraucht. Gruppe 4 baut unbeirrt mit den Steinen weiter, die in ihrer Reichweite liegen und von Gruppe 3 noch nicht annektiert wurden. Ihr Haus ist wenig später halbvollendet und wird nach einem kurzen Check der aussichtslosen Lage einfach als Klettergerüst genutzt. Gruppe 3 hat inzwischen alle gebunkerten Steine verbraucht und versucht nun mehr oder weniger heimlich, zusätzliche Steine bei der verbliebenen noch bauenden Gruppe zu entwenden. Statt vielleicht doch nochmal die Größe des Grundrisses zu überdenken…

Am meisten gewundert hat mich allerdings die Tatsache, daß es bei genauem Hinsehen die Erwachsenen waren, die 1. den meisten Ehrgeiz und 2. die meiste “kriminelle” Energie in den Bau gesteckt haben. Interessanterweise haben sich ihre Kinder relativ bescheiden verhalten, während ausgerechnet die Generation der Erziehenden Steine stibitzt, gerafft und gehortet hat.

Ich weiß noch nicht so genau, was ich alles aus diesem Erlebnis gelernt habe. Ich weiß aber ziemlich genau, was diese Kinder lernen. Und daß kein einziges der Häuser komplett fertiggestellt wurde, versteht sich von selbst.

Pfui, aber leider typisch. Statt gemeinsam ein schönes, großes Haus zu bauen, ackert jeder fein für sich, nicht ohne permanent ein missgünstiges Auge auf den “Nachbarn” zu werfen. Und wehe, ein Obstbaumzweig hängt über den Zaun. Und wehe, man feiert länger als bis 22 Uhr. Deutschland, deine armen Kinder. :-(

Textzicke  am  13.10.09

Tja, so sieht’s aus. Aber Schuld sind natürlich nur die Computerspiele…

Fischer  am  13.10.09

Klingt irgendwie nach Weltpolitik… oder freier Marktwirtschaft… soziologisch ist der Mensch
eben doch noch nicht aus Steinzeit raus… im Ernstfall geht es erstmal um die eigene Höhle…

bezeichnend für die geistige Entwicklung der Gesellschaft an sich…

Linus  am  13.10.09

@Textzicke: Ich habe mich auch gefragt, wie es da wohl zu Hause zugeht.

@Fischer: ... die natürlich von Kindern geschrieben wurden. ^^

@Linus: Das waren so ungefähr auch meine Gedanken.

Ute  am  13.10.09

Schuld ist doch das Killer-Szenario? Oder?

jump  am  13.10.09

Und sicherlich reden alle Beteiligten regelmäßig mit ihren Freunden darüber, wie schlimm es doch ist, dass “die da oben” es nicht schaffen, einfach mit dem Krieg aufzuhören und eine Welt zu errichten, in der nicht jeder nur an sich denkt.
Schön beobachtet!

Muriel  am  15.10.09

Echt arm.
Aber mir ist das im Juni am Strand schon aufgefallen. Kaum angekommen wird erstmal ein großer Halbkreis um den Strandkorb gezogen. In 8 von 10 Fällen- jede Altersklasse.
Dann schön einen Wall errichten oder doch zumindest mit Muscheln sein Reich markieren.
Die Menschen (oder die Deutschen? Ist das ein nationales Problem oder ist dieses “Zäune ziehen” auch im Ausland so stark vertreten?) und ihre Grenzen....
Erst mal ICH und dann kommt lange nichts.
Ich weiß nicht, warum in unserer Gesellschaft so ein Egomanes Denken herrscht.

liebe Grüße
my

My  am  16.10.09

Ich hab mal vor Jahren in Spektrum der Wissenschaft einen Artikel über Spinnen gelesen die untypischerweise gemeinsame Netze bewohnten und auch keinerlei Agressionsverhalten gegeneinander zeigten. Eine friedliche WG mit einem riesigen Gemeinschaftsnetz halt. Mit dem Übergroßem Netz konnten sie auch beträchtliche Beutetiere fangen was das Größenverhältnis anging und stürzten sich dann auch immer zu mehreren auf ein solches um es zu überwältigen.
Überraschenderweise dauerte es aber immer erheblich länger bis ein solches Beutetier “verzehrt” war wie bei anderen gleich großen Spinnen die einzeln lebten und solch einen Fang machten.
Das erscheint zunächst paradox.
Aber: Die einzelne Spinne injiziert dem Opfer eine riesen Ladung Verdauungssekrete die sie energieintensiv hergestellt hat und saugt diese nach dem Verdauungsprozess wieder mitsamt dem aufgelöstem Opfer wieder auf.

Die Spinnen in der Freßgemeinschaft geben aber nur sehr wenig energieintensiven Verdauungssaft ab, da sonst die Nachbarn davon profitieren könnten. Wenig Verdaungssaft abgeben, viel verdautes Opfer auslutschen = Vorteil. Und weil sich alle gegenseitig mißtrauen und nur tröpfchenweise “investieren” lässt die “Rendidete” halt wesentlich länger auf sich warten. smile)

Und die sind länger auf diesem Planeten.

corax  am  18.10.09

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