Von Käfigen und Narren
“Kreatives, spontanes Spiel in verschiedenen sozialen Situationen.”
Das hat Wikipedia sehr nett auf den Punkt gebracht. Hallenspielplätze sind eine Fundgrube für Soziologen und Satiriker gleichermaßen, wie ich am Wochenende anläßlich der Geburtstagsfeier unseres Sohnes feststellen durfte.
Von den Erfahrungen, die bereits der Kinderdok seinerzeit so hübsch dokumentiert hat, wollen wir heute mal nicht sprechen. Werfen wir stattdessen einen Blick in den
Bereich mit den überdimensionalen legoähnlichen Noppen-Bausteinen.
Szenario: Vier Gruppen, jeweils bestehend aus mindestens einem Erwachsenen und einem Kind. Alle mit dem Bestreben, ein Häuschen zu errichten, in dem das jeweilige Kind stehen kann. Des weiteren eine beträchtliche, nichtsdestotrotz jedoch begrenzte Anzahl von Bausteinen.
Nachdem nun jede Gruppe mit einigen Steinen den Grundriß ihres Häuschens festgelegt und mit ein paar weiteren Reihen quasi festzementiert hatte, wurde schnell klar, daß die Steine nie und nimmer ausreichen würden, um sämtliche geplanten Bauwerke inklusive Dach fertigzustellen. Insbesondere für das ambitionierte Riesenprojekt der vierten Gruppe, deren Grundriß gut ein Drittel des Bau-Areals einnahm, sah es ziemlich mau aus. Nun sollte man ja meinen, daß - wenn schon die Kinder nicht auf die Idee kommen - doch zumindest einer der Erwachsenen eine Kooperation mit einem der anderen Bauherren vorschlägt. Weit gefehlt.
Gruppe 1 verläßt bald darauf den Ort des Geschehens. Gruppe 2 nutzt die Gunst der Stunde, um sich das hinterbliebene Fundament flugs unter den Nagel zu reißen, während Gruppe 3 - die mit dem größten Grundriß - in der Zwischenzeit einen guten Teil der im Spielbereich erreichbaren losen Steine zusammenrafft und in ihrem Rohbau bunkert, bis dieser fast überquillt. Ringsum sieht es mittlerweile ausgesprochen aufgeräumt aus; die Klötze sind fast aufgebraucht. Gruppe 4 baut unbeirrt mit den Steinen weiter, die in ihrer Reichweite liegen und von Gruppe 3 noch nicht annektiert wurden. Ihr Haus ist wenig später halbvollendet und wird nach einem kurzen Check der aussichtslosen Lage einfach als Klettergerüst genutzt. Gruppe 3 hat inzwischen alle gebunkerten Steine verbraucht und versucht nun mehr oder weniger heimlich, zusätzliche Steine bei der verbliebenen noch bauenden Gruppe zu entwenden. Statt vielleicht doch nochmal die Größe des Grundrisses zu überdenken…
Am meisten gewundert hat mich allerdings die Tatsache, daß es bei genauem Hinsehen die Erwachsenen waren, die 1. den meisten Ehrgeiz und 2. die meiste “kriminelle” Energie in den Bau gesteckt haben. Interessanterweise haben sich ihre Kinder relativ bescheiden verhalten, während ausgerechnet die Generation der Erziehenden Steine stibitzt, gerafft und gehortet hat.
Ich weiß noch nicht so genau, was ich alles aus diesem Erlebnis gelernt habe. Ich weiß aber ziemlich genau, was diese Kinder lernen. Und daß kein einziges der Häuser komplett fertiggestellt wurde, versteht sich von selbst.