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Megafail

Die Atom-Ethikkommission setzt sich zusammen aus Vertretern der Regierung, Wissenschaftlern, ...  und… äh… Kirchenvertretern!? Kirchenvertretern!
ohh

Kann mir bitte jemand sagen, was zum Geier die da verloren haben? Wenn ich mich nicht völlig irre, ist Deutschland kein theokratischer Staat. Geschweige denn, daß der Klerus bei irgendeiner Wahl auf dem Wahlzettel vertreten wäre. Sie sind also weder demokratisch legitimiert, noch haben sie den nötigen Sachverstand in dieser Angelegenheit. Ich erinnere nur daran, daß sie erst 1992(!) offiziell zugegeben haben, daß Galileo (*1564) recht hatte und die Erde um die Sonne kreist, statt umgekehrt. Und die wollen in Fragen der Atomenergie mitentscheiden? Geht’s noch?

Ich empfinde es im besten Fall als gedankenlos, noch viel eher aber als bodenlose Frechheit, ausgerechnet den bei wissenschaftlichen Fragen völlig rückständigen Kirchen (siehe Reproduktionsmedizin) in solchen Angelegenheiten ein Mitspracherecht einzuräumen, das direkten Einfluß auf die Entscheidungen des Parlamentes und die zukünftige Energiepolitik des ganzen Staates hat. Vor allem, solange Umweltorganisationen wie der BUND außen vor bleiben. Unglaublich, sowas!

Die Aufgabe der Kirche ist es ja gerade die konservative Stimme abzubilden. Wäre sie nicht da, man könnte sich die ganze Kommission auch schenken.

Ein Grossteil der Bevölkerung sieht in der Kirche eine moralische Instanz, welche Ihnen helfen soll ihre ethischen Wege zu erforschen.
Ich weiß das die Atomfrage auch in der Kirche heiß diskutiert wird. Ich würde nicht von vornherein vermuten das die Kirche pro-Atom ist.



@Taunide: Ich verstehe leider nicht, was Du meinst. Kannst Du das näher erläutern? Inklusive Legitimierung? Warum die Kirche, aber nicht die Umweltorganisationen?



Ein Großteil der Bevölkerung hält auch die Bild für eine lesenswerte Zeitung einfach weil ihre Wahrheiten so bequem sind. Kirche als moralische Instanz vielleicht die ersten hundert Jahre…Einfaltspinsel!



... oder die Humanisten?



Soll wohl heißen, wenn die Kommission zum Schluss kommt “Atomkraft nein Danke” werden die C-Wähler dadurch beruhigt das ja auch die Kirche nein gesagt hat. Dadurch wird der Umstieg von der alten Meinung erleichtert.



@technollogie: Das wäre zwar taktisch verständlich, aber wie ich auf Twitter schon sagte: Es gibt absolut keinerlei Legitimierung für die Beteiligung der Kirche an parlamentarischen Entscheidungsprozessen.

Ich kann verstehen, daß man den Sachverstand von Wissenschaftlern “extern einkauft” - aber wozu ausgerechnet Kirchenmoral? Noch dazu unter Ausschluß anderer, m.E. ausgewogenerer moralischer Instanzen wie z.B. dem Humanismus? Wieso sind die Kirchen “mehr wert” - ohne Sachverstand, und in Anbetracht ihrer Geschichte & Taten? Das hängt mir echt zu hoch.



Es bezweifelt doch niemand, dass Kirchgänger auch diskutieren, aber dad tut überhaupt nichts zur Sache. Kirche und Staat sind bei uns - aus guten Gründen - getrennt; ein ‘Großteil’ der deutschen scheren sich auch wenig um die angebliche moralische Instanz der beiden großen christlichen Kirchen. Sie sind schlicht keine Gruppe, die regelhaft in jeder Diskussion gefragt werden MUSS.

Es gibt keinerlei Grund Pröbste und Pfarrer zu Offiziellen in physikalischen, biologischen oder gesellschaftlichen Fragen zu bestellen. Wer seine Meinung von der Kanzel hören möchte, darf das gerne. In der ohnedies überflüssigen Atomstromkommission erwarte ich Physiker, Umweltschutzverbände und Arbeitnehmervertreter, keine Pfaffen - letztere bedürfen einer extrem guten Begründung.



Ich habe ja nicht gesagt das es dieses legitimieren würde, es ist halt Taktik, damit kann ich dem Omachen das nach dem Kirchgang wählen geht erklären warum sie auf einmal auf die Politik der Langhaarigen Grünen schwenken soll, mit technologischen, physikalischen Erklärungen kommt man bei dieser Klientel halt nicht weiter.

Leider schleicht sich hier in Deutschland die Kirche immer noch zu oft in die Politik und Gesellschaft.



Wo wir schon mal dabei sind: In Rundfunkräte gehören auch keine Pfaffen.

Darüberhinaus ist der grösstenteils staatlich finanzierte Einfluss der Kirchen bei Kindergärten (als Betreiber), Schulen (Religionsunterricht) und Universitäten (Theologiestudium) höchst fragwürdig.

Und schliesslich zeigt der kommende Besuch des vatikanischen Vertreters des Wolkenpapas im Sommer inklusive Bundestagsrede besonders deutlich, wie sehr Staat und Kirche noch miteinander verknüpft sind.

Religion ist Privatsache? Leider noch nicht.



Wie gerade schon getwittert: Die gesamte Kommission hat keine wirkliche Legitimation. Das Parlament ist dafür gewählt, gerade auch solche schwierigen Themen zu diskutieren. Und genau da würde ich mir so eine Diskussion wünschen, und zwar nicht nur nach parteitaktischen Gesichtspunkten. Nach der eigenmächtigen Aussetzung des von ihr selbst initiierten Atomgesetzes bastelt sich Frau Merkel nun aber auch noch ein eigenes Zweitparlament.

Ich verstehe die Intention, dass diese Kommission eine möglichst breite Basis der Bevölkerung abbilden soll. Äh - das soll, glaube ich, das Parlament auch. Aber wenn das die Intention ist, gehören die Kirchen zweifellos da hinein, genauso aber wie Umweltverbände, die Jugendarbeit , Muslime, Atheisten und wasweißichnochalles.

Dass die Kirche im Ganzen als rückständig bezeichnet wird, finde ich schade und ziemlich klischeehaft. Und konservativ bin ich höchstens im “grünen” Sinn, dass ich mich für die Erhaltung unserer Welt einsetze, wo ich kann. grin

Ich bin übrigens durchaus auch dafür, Staat und Kirche auseinanderzuhalten. Deshalb werden wir als Christen aber trotzdem zu politischen Themen Stellung nehmen.



Nachtrag zu dem ersten Kommentar: Die evangelische Kirche ist schon seit langem gegen Atomkraft. Aus der katholischen Kirche habe ich da unterschiedliche Stimmen gehört, meines Wissens gibt es keine offizielle Position, aber schon lange eine große Mehrheit dagegen.



@Heiko: Bei Wissenschaftlern und Umweltverbänden sehe ich durchaus eine Legitimation. Sie bieten Wissen an, das dem Parlament nicht automatisch zur Verfügung steht, zur Entscheidungsfindung aber notwendig ist. Denn in allererster Linie ist die Frage der Atompolitik eine Frage der Sicherheit, und somit des Wissens. Nicht der Moral.



Gibt es eigentlich irgendwelche Informationen, wie die Zusammensetzung der Kommission erfolgt ist? (Will sagen, ich hab’ noch keine gefunden.)

Ich habe am letzten 31.12. aus sozialen Gründen die Neujahrsansprache von Frau Merkel gesehen. Sie bezeichnete die aktuelle, von ihr geführte Regierung als “christlich-liberal”. Das mit dem “liberal” können wir für den Moment mal ignorieren (das ist ein weites Feld, Luise), aber wenn sie das selbst glaubt, dass ihre Regierung unter anderem christlich sei (oder, um es sauberer zu formulieren, es für nötig oder angemessen hält, die Regierung so darzustellen), dann ist diese Kommissionsbesetzung doch nur folgerichtig.

Will sag, wenn sich bei einer Wahl ein Drittel der Wählenden für eine sich als christlich definierende Partei entscheidet, kommt halt sowas raus. Achja, und das war das schlechteste Ergebnis, was sie, abgesehen von 1949 bei einer Bundestagswahl hatten. Jaja, die Tendenz klingt, als würde es besser werden, aber verlass Dich nicht drauf.

Wenn wir schon dabei sind, noch schnell, damit ich nicht so einseitig rational klinge, eine Verschwörungstheorie: Deswegen wird doch das Bildungssystem zurückgeschraubt, damit die Stimmanteile der §&%/$§$ wieder besser wird.



@Heiko: Das ist schön, daß sich auch die Kirchen eine Meinung bilden. Aber was ist die Grundlage dafür? Auch sie werden doch auf Expertenwissen zurückgreifen müssen. Somit ist ihre Meinung aber in der Kommission redundant, weil aus zweiter Hand - die der Wissenschaftler jedoch nicht. (Und dazu rechne ich jetzt der Einfachheit halber auch die Umweltverbände.)



Ich halte Sicherheit (auch die Sicherheit der künftigen Generationen) für eine eminent moralische Frage. Insofern könnten die Kirchen da auch was zu sagen. Aber viel mehr als “Atomkraft ist bäh” können sie dann auch wieder nicht beitragen. wink
Als Zuarbeit fürs Parlament sind Experten verschiedener Fachrichtungen natürlich in Ordnung. Wie gesagt, Merkels Intention war wohl sich quasi einen repräsentativen Querschnitt Deutschlands zu holen. In diesem Fall: Kirche ja, aber eben auch noch viele andere, die nicht drin sind.
Und wenn es neben den Sicherheitsfragen auch noch um ethisch-moralische Fragen geht: Was muten wir nachfolgenden Generationen zu? Stellen wir deren Sicherheit für unsere Bequemlichkeit aufs Spiel? Können wir z.B. eine geringere Stromversorgunssicherheit in Deutschland verantworten und dafür schneller aussteigen? - bei solchen Fragen hat Kirche, wie gesagt: neben anderen, durchaus etwas zu sagen. Und auch gute Leute dafür.
Den Konsens, den Merkel jetzt so verzweifelt sucht, hatten wir allerdings schon. Bis zum 31.12.2010. :-(



@Zero Ich finde auf die Schnelle erstmal auch nur das hier: http://www.dw-world.de/dw/article/0,,14965810,00.html

Was das große C im Namen der Regierungspartei angeht, würde es mich wundern, wenn das für den Großteil ihrer Wähler oder auch der Parteimitglieder tatsächlich noch eine beachtete Bedeutung hätte. Mein Eindruck ist da eher, daß es eben als mehr oder weniger nichtssagender Namensbestandteil betrachtet und ansonsten ignoriert wird - wie in der Politik dieser Partei ja auch. Da kann uns’ Angela reden, wie sie will - das C nimmt ihr doch keiner ab.



@Heiko: Tja, nach dieser Argumentation müßten Merkel & Co die Kirche auch in Fragen der Haushalts- und Finanzpolitik befragen. Zum Beispiel bei den Zahlungen an Griechenland etc. Rentenschwund &, Überschuldung - auch das trifft ja die folgenden Generationen. Und wenn die Kirchen beteiligt werden sollen, dann eben auch viele andere, deren Einschätzung schließlich nicht weniger wert ist… Ich denke, was mich hier auch ärgert, ist die Tatsache, daß ausgerechnet der Kirche eine Art Moralmonopol zugesprochen wird, das sie schlichtweg nicht hat.

Letzten Endes läuft es halt doch wieder darauf hinaus, daß sich nur diejenigen Beteiligen sollten, die dafür ein nachweisbares Mandat haben und/oder über Wissen verfügen, das sie als Entscheidungsfinder mehr qualifiziert als den Stammtisch-Laien. Bei der Kirche sehe ich ersteres eben - wie gesagt - überhaupt nicht gegeben und zweifle letzteres stark an.



PS: Daß man sich die ganze Kommission & deren Diskussion im Grunde sparen könnte, weil wir den gesuchten Konsens bis letztes Jahr längst schon hatten, steht ja nochmal auf einem anderen Blatt…



Zu dem C hatte twitgeridoo gestern doch einen Link getwittert
http://www.belauscht.de/?p=2815

Naja wink



Der Bischof ist der Herr Marx, der “Das Kapital” geschrieben hat.
http://www.amazon.de/Das-Kapital-Ein-Plädoyer-Menschen/dp/3426783606/
Das fand ich ja einst einen gelungenen Scherz.

(Aber das tut hier nix zur Sache. Sorry für die Ablenkung.)



@Zero: Das “Belauscht”-Ding hatte ich gerade heute nachmittag noch selbst gelesen! LOL! Was das Buch angeht, scheinen die Leser ja geteilter Meinung über die Qualität zu sein. *g*



Im Endeffekt ist die Auseinandersetzung mit Ideologien anscheinend ein Thema, das uns nicht so schnell verlassen wird. Natürlich hoffe ich darauf, dass sich die Altersverteilung der CxU-Wähler irgendwann auswirken wird. Aber geh’ in eine Buchhandlung, oder, nein, besser an einen Zeitschriftenstand, und vergleiche die wissenschaftlichen Publikationen mit denkbehindertem/denkbehinderndem Schund, so spricht die schlichte Menge gegen übermäßige Hoffnung auf generelle Besserung. (Wie Günter Gauss mal formulierte: “Die Indoktrinierung des westlichen Alltags lässt sich als Zerstreuung konsumieren.”)



Ah, ich sehe gerade, Florian hat diese Diskussion aufgegriffen: http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2011/04/wurde-jesus-abschalten.php



Vertreter der christlichen Kirchen in Deutschland als Mitglieder einer Ethikkommission? Ja, Kirche sollte bei Ethik mitreden dürfen. ABER:  Die Entscheidung, ob und wie lange wir noch tickende Zeitbomben zur Energiegewinnung nehmen sollen, sollten die Menschen bestimmen können,  die in diesem Land leben, und nicht ein paar wenige, die sehr wahrscheinlich von der Atom-Lobby beeinflusst werden.



Deutschland ist ein sekulärer aber kein laizistischer Staat wie z.B. Frankreich.
In Deutschland gibt es keinen verfassungsmäßigen Ausschluss einer Kooperation zwischen Staat und Kirche.

Das führt dazu, dass sich die Kirche in allen möglichen Bereichen Einflussbereiche sichern konnten, die auch noch staatlich finanziert werden. Wie kann gerechtfertigt werden, dass einige meiner Kollegen (ich bin Lehrer) verbeamtete Religionslehrer sind, die auch noch an staatlichen Universitäten ausgebildet worden sind und 2 Staatsexamen für das Fach Religion erworben haben? Ein unfassbarer Zustand, denn der Ersatz des Faches Religion durch ein Fach wie Ethik oder Philosophie wäre ohne weiteres möglich, hätte den Effekt, dass wir über Islam-Unterricht gar nicht mehr diskutiren bräuchten, weil wir ein wertoffenes Fach hätten, das jeder moralischen Vorstellung gerecht werden kann und sich sogar mit Religionen auseinandersetzen kann.

Aber zurück zum Ethikrat. Ich kenne die aktuelle Zusammensetzung nicht, aber ich meine mich zu erinnern, dass in einem der Ethikräte der letzten Jahre nicht ein einziger Philosoph saß. Jetzt mögen viele sagen, dass könne nur von Vorteil sein, falls man Ergebnisse haben wolle. Aber gerade das zeichnet die Philosophie gegenüber der Kirche und irgendwelchen Verbänden aus: Eine philosophische Diskusssion ist ergebnisoffen und nicht programmatisch/ideologisch orientiert. Genau das erfüllt eine Kirche nicht - und wie Ute schon sagte, von wem wurden die legitimiert?



@Herr Schwarzmüller: Tja, beim Religionsunterricht bin selbst ich zwiegespalten. Einerseits möchte ich schon, daß meine Kinder etwas über die in den letzten Jahrhunderten einflußreichste Religion in ihrem Lebensraum erfahren. Sie ist immerhin der Schlüssel zum Verstehen vieler Kunstwerke in Malerei, Musik, Literatur etc., mit denen sie hoffentlich in ihrem Leben oft konfrontiert werden.

Andererseits möchte ich jedoch nicht, daß ihnen irgendeine Religion als zu glaubende Wahrheit präsentiert wird (sieht der Unterricht zwangsläufig so aus?), sondern eben als sachliche Information, was es mit der Kirche auf sich hat, wie ihre Geschichte verlief, welche anderen Religionen es gibt. Das gehört als Teil der westlichen Kulturgeschichte meines Erachtens durchaus in den Lehrplan, auch an staatlichen Schulen.

Und nun steht mein älteres Kind kurz vor der Einschulung und ich weiß nicht, ob Ethikunterricht all diese Aspekte auch abdeckt, oder ob ich mein Kind doch in den Religionsunterricht schicken muß, damit es davon etwas mitbekommt? Ist schon irgendwie blöd… Auf der einen Seite darf der Indoktriniertung auf Staatskosten kein Raum gegeben werden, auf der anderen Seite darf der bisherige Einfluß der Kirche nicht geleugnet werden. Zwickmühle.



@Ute: Ich würde meinem Kind die Entscheidung in Bezug auf den Religionsunterricht überlassen, denn zumindest in meiner Kindheit war mit der Nichtteilnahme immer auch die Entscheidung verbunden irgendwie anders zu sein (das gleiche Problem noch extremer gibt es dann wieder bei der Konfirmation). Ich fürchte auch nicht, dass Kinder indokriniert werden, aber letztlich ist der Religionsunterricht in Hinsicht auf seine Ziele (Werte vermitteln) kein optimaler Weg. Und da ich protestantisch erzogen wurde, weiß ich nicht, wie in einem katholischen Religionsunterricht z.B. Themen wie PID oder Abtreibung behandelt würden.
Und nochmal: Es wäre so einfach, diesen Religionsunterricht abzuschaffen. Meistens hieße das aus Kostengründen aber leider die Entscheidung zwischen Religion oder Ethik/Werte und Normen/Philosophie. Und da es nicht so viele Philosophielehrer gibt und die Kirche bei Bedarf einfach einen Kirchenmitarbeiter schicken kann, ist die Schule mit der Religion ganz zufrieden und wer das nicht will, wählt es ab - und bekommt eben keine Werte vermittelt, sondern irgend eine Beschäftigungsmaßnahme verordnet.
Das Argument mit der christlichen Kultur finde ich interessant. Dem ist schwer zu begegnen. Andererseits sind auch unheimlich viele kulturelle Einflüsse auf die griechisch-römische Antike zurückzuführen (Odyssee). Und dann wäre da auch noch der Geschichtsunterricht, der in Bezug auf die Religionen auch immer wieder zwangsläufig auf die (un-)christlichen Ideen der jeweiligen Epochen eingeht - wenn ich jetzt mal so auf die Schnelle die letzten 2000 Jahre Weltgeschichte durchgehe, dann würde ich fast ketzerisch sagen: Der Geschichtsunterricht korrigiert die Sicht der Schüler auf die Religion, die sie im Religionsunterricht präsentiert bekamen wink



@Herr Schwarzmüller: Ja, stimmt, ich habe meinen Kindern auch schon erklärt, daß & warum der Freitag eigentlich “Freyas Tag” heißt und was es mit den alten Germanen und ihren Göttern auf sich hat. Auch deren und anderer Einfluß auf die hiesige Kultur ist nicht zu leugnen und muß berücksichtigt werden, ganz klar.

Ein Schlüsselerlebnis hatte meine Tochter wohl vorgestern, als ich meinen Kindern das Buch “Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel” vorlas. Darin kam folgende Passage zum Thema “Sintflut” vor, die diekt mit erkennendem Lachen quittiert wurde und seitdem immer wieder Gesprächsthema wird:

“Was haben denn die Menschen so Schlimmes getan, daß sie alle ertrinken mußten?”, wollte das kleine Ferkel wissen. “Sie haben andere Götter angebetet!”, antwortete der Rabbi. “Ach, es gibt noch andere Götter?”, fragte der Igel erstaunt. “Nein!”, sagte der Rabbi. “Die Menschen haben sich das bloß eingebildet. In Wirklichkeit gibt es diese Götter ebenso wenig wie blau-grün gestreifte Gespenster…” “Aha”, sagte das kleine Ferkel. Es dachte eine Weile nach. “Wenn die Menschen sich Götter einbilden können, woher wissen wir dann, daß du dir deinen Gott nicht auch einbildest?”

Ich denke, welches Fach auch immer die Lütte in der Schule haben wird, es ist zumindest der Grundstein für eine kritische Einstellung zum Thema Gottesglaube und absolutistische Religion gelegt. Und das ist für mich erstmal die Hauptsache.



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