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Mission accomplished

Ein Kaufhaus am Samstagmorgen. Kinderabteilung. Ich suche nach Unterbekleidung für Saskia, während sich aus dem Seitengang ein junges Paar mit einem Baby von ca. einem viertel Jahr nähert. Das Kind weint unaufhörlich. Wenn es meins wäre, würde ich sagen, es hat Schmerzen. Ich drehe mich um und stelle fest: Dieses Kind hat höchstwahrscheinlich Schmerzen. Es sitzt mit dem Gesicht voran in einer Tragehilfe vor dem Bauch des Vaters und das rechte Bein liegt innerhalb der Tragehilfe mit dem Schienbein auf, so daß der Unterschenkel horizontal herausragt und das gesamte Kind ganz schief in der Gegend hängt. Die Mutter hat nun gemerkt, daß irgendetwas nicht stimmt und macht sich an den Schulterriemen der Tragehilfe zu schaffen, während ihr Mann das Baby mal hierhin und mal dahin ruckelt. Das Kind schreit weiter.

Als absehbar ist, daß sich seltsamerweise keiner von beiden mal das Baby an sich anschaut, spreche ich das Paar an.

“Entschuldigung, aber ich glaube, Ihrem Kind tut was weh. Gucken Sie doch mal, das rechte Beinchen…”

Die Mutter packt das Bein und versucht es in die richtige Stellung zu bugsieren. Das Kind schreit weiter, in einer nun noch schrilleren Tonlage. Die Mutter öffnet den Latz der Tragehilfe, der Vater hebt das Baby hoch. Es hört auf zu schreien. Sie setzen es wieder hinein, in die gleiche Position wie zuvor, nur daß das Bein ein klein wenig besser positioniert ist. Das Kind schreit erneut. Die Eltern gucken ratlos. Ich erwähne ganz vorsichtig: “Wissen Sie, Kinderärzte empfehlen eigentlich, daß die Kinder mit dem Gesicht zum Bauch der Eltern gucken, damit das Hüftgelenk nicht deformiert und bei Jungen der Hodensack nicht gequetscht wird. Ist auch besser für den Rücken vom Kind. Schauen Sie mal, sehen Sie, wie der Latz hier unten geschnitten ist? Zu Ihrem Bauch hin schmaler als der Teil, der nach vorne zeigt.”

Erneut ein ratloser Blick: “Meinen Sie?”
Ich versuche es mit einem Vergleich und sage freundlich: “Nun ja, stellen Sie sich mal vor, Sie müßten 10 Kilometer auf einem Fahrrad fahren, wo Ihnen jemand die Spitze des Sattels nach hinten gedreht hat und den breiten Teil nach vorne?”

In den Augen des Vaters leuchtet die Erkenntnis auf wie eine Supernova. Der Latz wird wieder geöffnet, das Kind herumgedreht - und schon lehnt es sich mit dem Kopf an die Brust des Vaters und ist still. Das Bein hat an der schmalen Stelle der Tragehilfe nun genügend Raum, um in normaler “Anhockstellung” herauszuschauen. Auch die Mutter guckt erleichtert. Ich wünsche den beiden noch ein schönes Wochenende und suche weiter nach Unterbekleidung.

Manchmal ist Einmischen doch nicht verkehrt…

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