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Nachtrag zur Schuldebatte

Dienstag, 27. Juli 2010

Wer die elitären “Bildungsbürgertumeltern” dafür verantwortlich machen will, daß Migranten und Kinder aus armen Haushalten weniger oft Abitur machen, dem sei dieser Artikel über die Vorgehensweise der Arbeitsagentur ans Herz gelegt:

Zitat:
“Wie weit dürfen Jobcenter gehen? Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen kontrollieren sie die Zeugnisse von Schülern mit Hartz-IV-Eltern - und drohen mit Sanktionen, teils ohne Rechtsgrundlage. 16-Jährige fühlen sich bedrängt, eine Ausbildung zu beginnen. Dabei wollen sie weiter zur Schule gehen.”

Ja, am System muß sich was ändern. Aber das Schulsystem scheint mir da doch eher weniger betroffen. Denn das, was da oben beschrieben wird, kann auch keine Gesamtschule vom Kindergarten bis zum Doktortitel richten. Ebensowenig wie eine Gesamtschule die Vorurteile gegenüber Ausländern aus so manchem Lehrerkopf rausbekommen wird. Die da über die weiterführende Schule entscheiden dürfen, ohne sich abstimmen oder gar rechtfertigen zu müssen.

“Lehrgang zur technischen Mediengestalterin” - ob das wirklich zielführend ist, irgendwann aus Hartz IV rauszukommen?

Tim  am  28.07.10

Das ist doch gar nicht der Punkt, Tim. Der Punkt ist, daß auch Kinder aus HartzIV-Familien ein von der Verfassung garantiertes Recht auf freie Berufswahl und Selbstbestimmung haben. Der Staat meint aber wohl, seine finanziellen Interessen über dieses Grundrecht stellen zu dürfen und verbaut ihnen so zum Teil sogar den Weg zum Abitur. Und zwar nur bei Hartz-Kindern. Wenn meine Kinder Abitur machen möchten oder das Gleiche studieren wollten, würde kein Hahn danach krähen. Das ist übelste Diskriminierung. Gleichzeitig beklagt man sich aber mit Krokodilstränen darüber, daß Kinder aus armen Familien sowie Ausländer unter den Abiturienten zu selten vertreten sind. Das ist so bigott, daß einem übel werden könnte.

Ute  am  28.07.10

Auch die Eltern sind dabei aber ein Thema. Im (angeheirateten) Familienkreis wird zwei guten Schülern (mit Studienwunsch) äußerst dringlich nahegelegt, bloß eine Ausbildung anzufangen. Gründe: Abitur und Studium ist zu elitär, das braucht kein Mensch. Bei VW kann man auch so gut verdienen. Und: Die Eltern haben nun lange genug für die Kinder gesorgt und möchten auch mal wieder Geld für Reisen etc. haben.
Da kann dann wirklich keine Schule etwas ausrichten. Solche Dinge bekommen wir über eine Gesamtschule (auch) nicht gelöst…

Zwergelstern  am  28.07.10

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