Pipi Langstrumpfs neue Abenteuer
Nun muß ich doch mal von meinem gestrigen Friseurbesuch berichten. Es war ja geplant, trotz der vielen noch verbleibenden Zeit (4 Monate) schon mal eine Probefrisur zu basteln, die ich dann nach Blomberg sozusagen mitnehmen kann, für die dortige Friseurin. Angeblich machen sie in dem Laden von gestern viele Brautfrisuren… Und etwas ganz Exquisites war mir breits bei der Terminvereinbarung versprochen worden.
Nun, was soll ich sagen, es war ein Fiasko allererster Kajüte! Ich hatte mein kleines Diadem mitgenommen, einen Schleier und die Bilder von mir im Brautkleid. Dann ging es los. Erstmal die Frisur wieder normal in Form bringen. So weit, so gut. Das hat noch geklappt. Rundum Kinnlänge, ein paar Stufen wachsen noch raus, aber das sieht man kaum noch. Doch dann…:
Ich hatte gerade noch die Chance, meine Fotos & Utensilien vorzuzeigen und darauf hinzuweisen, daß ich etwas klassisch-weibliches mit einem romantischen Touch haben möchte; jedenfalls keine “flippig-moderne” Frisur. Schon erntete ich einen ungläubigen Blick. Ja, also, meine Haare wären ja so fein, da würde ja wohl sowieso nichts drin halten. Hochstecken geht nicht. Aufdrehen geht auch nicht, die dicken Wickler halten nicht und mit den dünnen wird’s nicht gut. Häh??????? Klein-Ute versteht nur noch Bahnhof. Sogar ich schaffe es schließlich, mir meine Haare so aufzudrehen, daß es einigermaßen gut aussieht und einen Tag lang hält! Sogar mit einem Lockenstab haut das hin! Ob ich’s ihr mal beweisen soll? Doch die Tirade ging schon weiter: Alles streng nach hinten kämmen geht auch nicht, hält angeblich ebenfalls nicht… Meine Haare wurden währenddessen von zweifelnd-mißbilligenden Händen hin- und hergeschoben, hochgehoben, glattgezogen, verwuschelt und wieder gekämmt.
Dann der Schrei nach Hilfe:“ELFRIDÄÄÄÄÄÄ (Name von der Redaktion geändert), was meinst Du denn dazu? Brautfrisur mit den Haaren!?!?!?” Ich merke schon: Genaugenommen müßte ich mir eine Glatze rasieren. Mit meinen Haaren frei herumzulaufen, ist in den Augen dieser Friseurin offensichtlich eine keratine Todsünde. Aufhängen sollte man Leute wie mich—aber bitte nur mit Tüte über dem Kopf! Brautfrisur! Für sowas wie mich! Nein, wie vermessen! Daß mich mit den Haaren überhaupt jemand heiratet, grenzt wohl schon an ein Wunder.
Elfriede kam, sah—siegte aber auch nicht. Denn die absolute Krönung des gestrigen Tages war dann ihr Vorschlag: Ehe ich mich versah, waren die ersten Strähnen gepackt, eng am Kopf anliegend hochgezwirbelt und oben mit kleinen Greifern befestigt. Die Haarspitzen standen kranzförmig vom Oberkopf ab, und in diesen Kranz sollten dann Diadem und Schleier gestopft werden—die reinste Pipi-Langstrumpf-Frisur! Kein bißchen weiblich oder romantisch, noch nicht einmal festlich! Sondern einfach nur kindisch und albern. Noch dazu schien zwischen den Strähnen die Kopfhaut durch. Ich starrte einen Moment ungläubig in den Spiegel und wartete dann eigentlich nur noch auf den Vorschlag, die durchscheinenden Kopfhautstreifen grün und pink zu färben oder ähnliches.
Und dann hat’s mir gelangt. Ich bat untertänigst darum, die normale Alltagsfrisur wieder herzustellen, weil ich mir das alles erst noch überlegen müsse. Demut lag in meiner Stimme und machte deutlich, daß ich die unausgesprochenen Hinweise der Experten verstanden hatte—und überhaupt erst einmal meine Daseins- und Heiratsberechtigung überdenken mußte, bevor ich meinen Anblick nochmals diesem erlesenen Team zumuten wollte.
Dem Entlassungsgesuch wurde zwar stattgegeben, jedoch mit einem Blick, der eindeutig besagte, daß ich die Kreativität und das Wohlwollen dieses überaus genialen Friseurladens offenbar nicht richtig zu schätzen wisse und genaugenommen auch gar nicht verdiene. Wenn ich jetzt ginge, bräuchte ich nie wieder angekrochen zu kommen…
Na, von mir aus. Jetzt bin ich nur mal gespannt, was die Friseurin in Blomberg zu der Sache zu sagen hat… In vier Wochen geht die Geschichte also weiter—stay tuned!