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Sagen Sie doch mal…

... Herr Sauerland, für wie blöd halten Sie den deutschen Durchschnittsbürger eigentlich?

Sie wollen nicht zurücktreten, weil Sie nur als OB an die Akten kommen, die für die Aufklärung notwendig sind? Habe ich Sie da richtig verstanden?

Momang… Sie behaupten doch, von den Warnungen und Bedenken im Vorfeld nichts gewußt zu haben. Da aber einer der größten Gegenbeweise für diese Behauptung inzwischen schon lange im Web kursiert und somit theoretisch jeder Grundschüler darauf Zugriff hat, läßt dies nur zwei Schlüsse zu:

1. Sie wußten es sehr wohl. Dann besteht aber wohl kaum Hoffnung, daß ausgerechnet Sie zur Aufklärung der Vorgänge beitragen werden.
2. Sie haben dieses Dokument tatsächlich nie gelesen. Was aber befürchten ließe, daß sie auch andere für die Aufklärung relevante Dokumente gar nicht erst kennen und ihren Stab nicht im Griff haben

So oder so dürfte Ihre Mithilfe bei den Ermittlungen inzwischen völlig überflüssig geworden sein. Es gibt ohnehin kein Dokument, an das die Staatsanwaltschaft nicht auch ohne Ihre Hilfe drankäme. Noch dazu ist die Stadt Duisburg dank der Beharrlichkeit, mit der Sie an Ihrem Sessel kleben, de facto mittlerweile handlungsunfähig. Nicht einmal die Tatsache, daß inzwischen selbst der Bundespräsident Ihnen einen Rücktritt nahelegt, scheint Sie zu interessieren. Einen OB hat Duisburg im Grunde jedoch nicht mehr, denn ein Bürgermeister, der sich auf einer offiziellen Trauerfeier wegen des Zorns der Bürger nicht blicken lassen kann, ist keiner mehr.

Sie sind nicht mehr tragbar, und Sie sind auch keine Hilfe bei der Aufklärung. Sie haben schon in Ihrer allerersten Stellungnahme nach dem Unglück die Schuld am Tod den Opfern selbst in die Schuhe geschoben und sich bis heute nicht für diese Behauptung entschuldigt. Sie haben es bisher nicht einmal auf die Reihe bekommen, den Opfern und Angehörigen Seelsorger ihrer eigenen Stadt an die Seite zu stellen. Das mußten Köln, Düsseldorf, Essen und private Organisationen übernehmen. Gibt es ein größeres Armutszeugnis für einen Möchtegern-Noch-Oberbürgermeister?

Vielsagend auch die Tatsache, daß Sie sich komischerweise nur wenige Stunden nach ihrer obigen Rücktrittsweigerung stattdessen mit einer Abwahl einverstanden erklärt haben, obwohl Sie doch angeblich so wild darauf sind, den Zugriff auf die Akten zu behalten. Über Ihre Pensionsansprüche nach einem Rücktritt verglichen mit denen nach. einer Abwahl reden wir also mal lieber nicht. Das hat der Bund der Steuerzahler schon übernommen. Und mehr muß wohl auch gar nicht gesagt werden.

Alleine die Tatsache, dass in seiner Stadt in der er der OB ist gestern der Toten gedacht wurde bei der die Vertreter der höchsten Ämter Deutschlands anwesend waren und er als OB nicht, macht klar: er ist nicht mehr Bürgermeister dieser Stadt.



Also ehrlich! Ist schon eine bodenlose Frechheit dass er sich unter den gegebenen Umständen weigert zurück zu treten! Ich hoffe die ganze Angelegenheit wird noch schwere Konsequenzen für ihn haben.



@Creezy: Völlig richtig. Jemand, der schon Personenschutz beanspruchen muß, damit er von seinen eigenen Bürgern nicht gelyncht wird, will eben diese Bürger offiziell noch weiter vertreten? Ein Ding der Unmöglichkeit. In jeder Hinsicht.



Wie immer eine sehr treffende Analyse, Ute. Ich bin immer noch schockiert über die Vorfälle vom letzten Samstag - und noch mehr über das Verhalten von OB, Veranstalter und auch Polizei. Dass die nachts noch schlafen können, ist mir ein Rätsel. Wenn wir schon so schockiert sind - wie soll dieses Theater erst bei den Angehörigen der Toten und den vielen Verletzten ankommen?



@Bianka: Ich gebe zu, ich war/bin nicht schockiert. Ich trauere auch nicht, bin nicht mal traurig; ich bin nicht im wörtlichen Sinne betroffen und mein Leben geht schlicht weiter wie bisher. Mitgefühl mit den Angehörigen und Freunden spüre ich durchaus, aber das beeinträchtigt mich emotional nicht. Es war eben ein Unglück von vielen in den letzten Tagen, und auch wenn es in meiner relativen Nähe stattfand, hat es mit mir, meiner Familie und meinen Freunden nichts zu tun.

Der Filz und die Feigheit, die sich jetzt in der Politik offenbart und den Tod von 21 Menschen überhaupt erst zugelassen hat, macht mich allerdings ziemlich sauer. Das geht in der Tat die ganze Republik etwas an, und da muß sich etwas ändern. Sowohl bei den Regelungen für die Pension für Beamte, die plötzlich Wahlbeamte werden, als auch bei den Zuständigkeiten für derartige Massenveranstaltungen. (Auch wenn es letztendlich in den letzten Jahren dann doch nicht so viele Teilnehmer waren wie bisher behauptet.)



Sauerland hat doch Recht. Wieso soll er jetzt den schwarzen Peter nehmen und die Volkseele beruhigen? Wo ist der Rücktritt von Schaller aus der Geschäftsführung der Lovepavent GmbH, haben Polizeiführung schon mal Konsequenzen gezogen? Was da mit Sauerland gemacht wird, ist der öffentliche Mob. ... und immer schön an die Ethik appellieren.



Als was soll Schaller denn zurücktreten? Die Loveparade richtet er ja eh nicht mehr aus. Und was seine Fitnesstudios angeht: Da ist er der _Eigentümer_. Und bei der Polizeiführung wird durchaus auch ermittelt und Konsequenzen erwogen. Nur ist - im Gegensatz zum Fall Sauerland - beim Polizeichef die strafrechtliche Verantwortung relevant. Beim OB reicht jedoch schon die moralische Verantwortung aus. Seine Lügen und die Beschuldigung der Opfer sind wohl wirklich Grund genug, einen Rücktritt zu verlangen.

Andere haben das komischerweise kapiert, Innenminister Rudolf Seiters 1993 zum Beispiel, obwohl der auch nichts persönlich unterschrieben und nicht einmal jemanden belogen hatte. Oder auch Willy Brandt, der damals zurücktrat mit den Worten “Mein Rücktritt geschah aus Respekt vor ungeschriebenen Regeln der Demokratie und auch, um meine politische und persönliche Integrität nicht zerstören zu lassen.”

Aber davon ist bei Sauerland ja eh inzwischen nichts mehr übrig. Er ist das Paradebeispiel für den alten Spruch: “Und ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s völlig ungeniert.”



Sauerland ist zum Sündenbock gemacht worden:

taz.de/1/leben/medien/artikel/1/so-entsteht-regelrechter-hass/

So ähnlich sehe ich das auch.



Ja, das habe ich wohl gemerkt. *g* Der taz-Artikel ist jedoch auch nur eine weitere Meinung, kein Gegenbeweis. Und nun wieder nur die bösen Medien verantwortlich zu machen, ist meines Erachtens nicht sehr überzeugend. Die Wut war auch schon am ersten Abend vorhanden, nach dem Blödsinn, den er da abgesondert hatte. Zu seiner objektiven Entlastung können jedoch selbst diejenigen nichts stichhaltiges vorbringen, die ihn so vehement verteidigen. Und so wird es dann wohl bei zwei Meinungen bleiben.

Dennoch danke für das Gespräch.



PS: Lustig, daß direkt neben diesem verkrampft humanen Interview dann als weiterer Link zum Thema in exakt der selben Zeitung dieser Artikel auftaucht. *g* http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/buergermeister-will-seinen-sturz-abfedern/



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