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Schnipp-schnapp—alles ab!

Schaltet am Samstag am besten Euer Radio ein und hört die Nachrichten nach einem Amoklauf in Dortmund ab! Am Samstag gehe ich nämlich mal wieder zum Friseur.

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich gehe (im Ernst!) lieber zum Zahnarzt als zu Europas Figaros. Denn nach einem Zahnarztbesuch weiß ich, daß wieder etwas in Ordnung gekommen ist, das vorher nicht in Ordnung war. Nach einem Friseurbesuch sieht das (und ich selbst… ) immer schon ganz anders aus. Gar nix ist dann mehr in Ordnung.

Nun kann man seine Haare ja leider nicht ewig vor sich hinwachsen lassen. Irgendwann werden sie zippelig und ungleichmäßig, und dies selbst zu beheben, ist ein Ding der Unmöglichkeit. OK, was die Symmetrie betrifft, kann ich mich bei den meisten Friseuren auch nicht beschweren. Bei der Länge selbst jedoch… Au weh!

“Kopf schön gerade halten!”
Mit Gewalt wird mir der Kopf in den Nacken gerissen, so daß ich nicht mehr mein Spiegelbild, sondern nur noch die Lampen über mir sehe. Ich bin geneigt, dahinter Absicht zu vermuten, denn so nimmt man mir jede Möglichkeit zur Qualitätskontrolle und rechtzeitigen Beschwerden. Wo käme man denn auch hin, wenn der Kunde selbst entscheiden dürfte, wie er anschließend aussehen möchte…? Danach wird mir zur Sicherheit die Hälfte der Haare einfach nach vorne ins Gesicht gekämmt, so daß ich gar nichts mehr sehe. Und dann geht es gnadenlos zur Sache, es wird geschnipselt, bis die Ohren und das Nackenfell in ernste Gefahr geraten; jeder Wider- oder Einspruch meinerseits hat nur eins zur Folge: Vor Schreck rutscht der Schlächterin die Schere aus, und der darauffolgende Ausgleichsversuch führt zu einer weiteren Kürzung meiner ohnehin nicht allzulangen Haarpracht.

Auf Kinnlänge will ich sie haben, und auf Kinnlänge sind sie später auch. Aber nur, wenn ich weiterhin in den Himmel starre! Senke ich den Kopf auf normale Sichthöhe, hängen die Haare auf den Ohrläppchen, also auf Nasen-, nicht Kinnhöhe! Und ich könnte wieder einmal einen Mord begehen—an dieser schwachsinnigen Tussi nämlich, die mit Schere, Bürste und Kamm bewaffnet dummdreist grinsend hinter mir steht und auch noch ein Lob von mir erwartet.

ERSCHLAGEN KÖNNTE ICH SIE!!!

Ich habe in meinem Leben erst einen Friseur gehabt, der mir die Haare auch auf die Länge schnitt, die ich vorher angegeben hatte. Und der sitzt in Buffalo… Alle anderen, aber auch wirklich alle, haben regelmäßig ein halbes bis ein Dutzend Zentimeter mehr abgeschnippelt als ich wollte. Sind die alle blind? Oder zu blöd? Oder gilt bei denen inoffiziell nicht das metrische System? Setzen sie Zentimeter mit Inch gleich? Oder gar mit Fuß?

Am Samstag ist es wie gesagt mal wieder so weit, neuer Friseur, neues Pech. Denn ich ahne bzw. befürchte schon wieder das Schlimmste. Und deshalb werde ich mir diesmal mit rotem Filzstift rechts und links eine Markierung auf den Hals malen, bis wo ich die Haare abgeschnitten haben will. Im Ernst! “Bis hierhin und nicht weiter”, gewissermaßen. Und gnade Gott dem Figaro, der es wagt, diese Grenze auch noch zu überschneiden!

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