Sponsorenlauf
Ich muß ja zu meiner Schande gestehen, daß ich als bekennende Sportignorantin erst durch den neunjährigen Sohn meiner Tagesmutter das erste Mal überhaupt mit sog. “Sponsorenläufen” konfrontiert wurde. Sein Handballverein hat einen solchen veranstaltet, und ich sollte für den guten Zweck spenden. Naja, gut, der Junge ist ein sehr Netter, die Eltern auch - also habe ich einfach mal meinen Fritz-Wilhelm unter das Papier gesetzt, daß der Junge für seinen Lauf soundsoviel Euro von mir bekommt. Der Betrag kam mir allerdings recht niedrig vor, aber nun gut.
Nach der Veranstaltung bekam ich dann die Quittung für meine Dummheit: Soundsoviel Euro sollten für jede Runde bezahlt werden - nicht für den Lauf insgesamt. Und dieser Betrag wurde vom Sportverein festgelegt, nicht vom Spender! Das geht dann ja doch unter Umständen ganz schön ins Geld. Und ich frage mich ehrlich gesagt, was das soll?
Ganz davon abgesehen, daß die Kinder offenbar untereinander vergleichen, wer wieviele Sponsoren “rekrutiert” hat und mit wievielen Runden also wieviel Geld “verdient”, vergeht mir persönlich auf diese Weise die Lust aufs Spenden. Ich gehöre wahrscheinlich eher nicht zu den Ärmsten der Bevölkerung, aber auch ich muß mit meinem Geld haushalten. Da ist es für micht nicht einzusehen, warum ich für Spendenzwecke quasi einen Blankoscheck ausstellen soll.
Ich fürchte, bei der nächsten Veranstaltung dieser Art (vermutlich werden es nach Saskias Einschulung nächstes Jahr noch mehr werden), bekommt der jeweilige Kandidat von mir einen Pauschal- bzw. Höchstbetrag, dessen Höhe selbstverständlich ich festlege. Und wer das nicht in Ordnung findet, bekommt eben gar nichts.
Wir hatten zwar keine Sponsorenläufe, mussten aber “Wanderwegschokolade” verkaufen, dh. Schokoriegel, deren Erlös für den Erhalt der Schweizer Wanderwege eingesetzt wurde.
An sich löblich, aber man kann sich ja denken, wie sehr sich 14-jährige Mädels in der Zweiergruppe an die Weisung halten “nie trennen, alles gemeinsam machen” - wir sind eine die linke, die andere die rechte Strassenseite in die Mehrfamilienhäuser reinmarschiert. Hätte uns da einer gepackt, die andere hätte nicht mal gewusst, in welchem Haus man verschwunden ist…
Und ich habe die Zeitungssammelei für die Klassenkasse gehasst, weil der Lehrer mich angemacht hat, dass ich nur ein Bündel mitgebracht habe. Ähm ja? Ich hatte ja nur einen Schulweg von einer Stunde? Wie soll ich da mehr als ein Bündel zusätzlich zu den Schulsachen transportieren?
Oder der (nach subtiler Beeinflussung durch den Lehrer) in demokratischer Abstimmung gefasste Klassenbeschluss, als Klasse ein Patenkind in Afrika zu übernehmen - dafür sollte jeder monatlich 5 Franken spenden. Das war mein gesamtes Taschengeld, was ich auch sagte. Ich denke, der Lehrer hat mir einfach nicht geglaubt. Also haben meine Eltern diese 5.- übernommen, damit ich nicht als “Verweigerer” dastehe.
Meiner Meinung nach werden Kinder da missbraucht - sie lernen dabei meiner Meinung nach nämlich nicht, sich für einen guten Zweck einzusetzen, sondern es geht darum, die Erwachsenen unter Druck zu setzen, um entweder ihr Kind nicht als unsozial abgestempelt zu sehen oder weil die Kleinen ja so niedlich sind (wie du schreibst “ist ja ein netter Kerl”) das Geld rauszulocken.
@Irene: Ähnlich scheint es ja auch bei Kuchenverkäufen etc. zu laufen. Da werden anscheinend nicht mehr mal die Zutaten vom Taschengeld gekauft, sondern es wird ganz selbstverständlich vorausgesetzt, daß die Eltern das machen und auch den Kuchen backen. Verkauft wird dann vom Hausmeister (wegen Hygiene und so) und kaufen sollen es dann wieder die Eltern - für sich selbst oder ihre Kinder.
Sollten meine beiden mal mit sowas um die Ecke kommen, schicke ich sie erstmal in den Supermarkt und dann mit Frau Barcomi in die Küche. ^^
Da fällt mir ein: als ich 13 war, gabs einen Bazar in unserer Schule. Unsere Handarbeitsklasse hat sich auch beteiligt und Lätzchen genäht. Wenn die Käufer gewusst hätten, dass die Frottee-Teile der Lätzchen aus ausrangierten langen Unterhosen des Ehemanns unserer Lehrerin bestanden *rofl*
ROTFL!
Ich mache das auch nur noch mit einer festen Endsumme oder gar nicht. Die Nachbarstochter hat mich zum ersten Mal als Sponsor rekrutiert und mir war das ganze System auch ein wenig unklar und am Ende sollte ich eine Summe zahlen, bei der mir irgendwie anders wurde…
@Irene: Ähnlich scheint es ja auch bei Kuchenverkäufen etc. zu laufen. Da werden anscheinend nicht mehr mal die Zutaten vom Taschengeld gekauft, sondern es wird ganz selbstverständlich vorausgesetzt, daß die Eltern das machen und auch den Kuchen backen
@Ute
war das bei euch anders ? so war das schon immer bei uns. Eltern werden gebten zu backen und dann verkaufen die Schüler bzw die Eltern (zB beim Schul od KiGafest)
LG Bine
@Sabine: Finde ich absolut unmöglich, sowas. Wenn die Schüler beschließen, etwas sammeln/spenden zu wollen, dann muß die Spende meiner Ansicht nach auch von ihnen kommen, und nicht den Eltern aus den Rippen geleiert werden. Es kann doch nicht sein, daß die Schüler oder auch Lehrer festlegen, daß das und das gemacht werden soll, letztendlich aber alle Sach-, Zeit- und Geldspenden an den Eltern hängenbleiben, die gar nicht gefragt wurden? Ich spende schließlich schon da, wo ich das für richtig halte.
Meine Freundinnen und ich haben früher selber die Kuchen in den Küchen unserer Eltern gebacken. Wir haben vorher die Zutaten selbst gekauft (vom eigenen Geld) und auch hinterher die Küche wieder aufgeräumt. Wie sonst soll sich denn einem Kind auch erschließen, daß eine Spende grundsätzlich Verzicht auf bzw. Einsatz von eigenen Mitteln bedeutet?
Interessante Diskussion. Bei uns waren und sind bisher die ganzen Veranstaltungen Elternsache ( ich lass mich dazu jetzt nicht aus).
Über den Rest muß ich noch ein bisschen nachdenken. ich wäre nie auf die Idee gekommen, von meinem Kind zu verlangen, die Zutaten für einen Kuchen für zB das Schullandheim selbst zu kaufen…. bei uns sind Backzutaten eh immer vorhanden. Wie sich das ganze mit Patenschaften von SChulklassen verhält weiß ich noch nicht. Hier wird sowas eher nicht gemacht ( weil da zuviele Eltern dagegen sind). wie gesagt, ich geh mal denken
Lg SaBine
Klar habe ich auch immer die Zutaten zumindest für einen einfachen Kuchen zu Hause. Aber dann möchte ich auch explizit vorher gefragt werden, ob ich Lust habe, einen Kuchen zu backen und beizusteuern. Und ich erwarte, daß auch ein Nein ohne Gemaule akzeptiert wird. Und das ist dann _meine_ Spende, nicht die meiner Kinder.
Es kann aber meines Erachtens nicht angehen, daß Eltern, Erzieher, Lehrer oder meine Kinder selbst über meinen Kopf hinweg entscheiden, daß ich einen Kuchen zu machen habe, weil _sie_ etwas spenden möchten.
Das ist ja nettes Spenden, wenn man einfach beschließt, daß gespendet wird, die eigentliche Bürde aber jemandem auferlegt, der vielleicht ganz woanders oder gar nicht spenden möchte. Ist ja fast schon wie bei den Politkern - man verfügt ohne Rückfrage über Geld und Zeit anderer Leute und bildet sich dann auch noch ein, selber was Gutes getan zu haben. Das ist für mich weder nachvollziehbar noch unterstützenswert.
@SaBine: “Hier wird sowas eher nicht gemacht (weil da zuviele Eltern dagegen sind)” - wie Ute schreibt: bei uns wurden die Eltern gar nicht gefragt, weil ja wirklich erwartet wurde, dass wir das vom Taschengeld zahlen.
Allerdings muss ich zugeben, dass zu jener Zeit (1978/79) in Bern immer noch Arbeiterkinder im Gymnasium eine Seltenheit und auch von den Lehrern ungern gesehen wurden. Mindestens selbständig waren die Eltern, wenn nicht Akademiker. Da waren 5 Franken (ein Mars-Riegel kostete damals 0.50, so als Vergleich) monatlich ein Klacks, viele hatten 30, 40 oder 50 Franken Taschengeld, damals schon (allerdings inkl. Kleidergeld).
Ich finde auch, wenn man Spenden/Geld generieren will, kann man mit den Kindern gemeinsam etwas erarbeiten, was verkauft werden kann. Da passt meinetwegen sogar so ein Sponsorenlauf dazu, das Kind leistet ja etwas.
Sonst eben sowas wie die besagten Unterhosen-Frottee-Lätzchen, oder Kuchen in der Schulküche gemeinsam gebacken.
OT:@Ute: komischerweise fragt es mich bei der Sicherheitsabfrage wirklich jedes Mal die gleiche Rechenaufgabe ab… kann das noch Zufall sein?
@Irene: Ich habe nur die eine Rechenaufgabe definiert. *g*
Hmm, ich kenne es so, dass wir (bzw. die anderen Sponsoren) entschieden haben wie viel Cent oder Euro wir pro gelaufenen Kilometer geben. Und dann war es auch in Ordnung 10 Cent einzutragen. Zu der anderen Diskussion: Ich habe immer die Backzutaten gespendet aber den Kuchen haben die Kinder selbst hergestellt und anschließend die Küche geputzt. Selbstverständlich!
Mir waren die Sponsorenläufe unbekannt, doch als der veranstaltende Lions Club dafür in der Schule Werbung machte, hat er durchaus erwähnt, dass der angegebene Betrag pro Runde gilt. Und dass man auch einen Fixbetrag ausmachen kann. Und dass sich die Kinder die Seele (o. dergl.) aus dem Leib rennen, um möglichst viel aus dem armen Sponsor herauszuholen. Insofern ganz ok.
Leider hatte der Veranstalter auch darüber informiert, wozu das erlaufene Geld benutzt werden soll: Um in der Schule das auszugleichen, was die Eltern in der Erziehung versäumt haben. Insofern (nämlich als Elternbeschimpfung) etwas bescheuert.
@Berghofen_rulez: Hä? Wie soll denn Geld ausgleichen, was an Erziehung fehlt? Haben die Schüler randaliert und mußte deshalb neues Mobiliar gekauft werden?
Ansonsten finde ich den Ansatz mit dem Fixbetrag schon wesentlich besser als den des Sportvereins, den ich eingangs erwähnt hatte.
Z.B. Zusätzliche Betreuer im Unterricht, um die konzentrationsunfähigen Kinder mitzunehmen. Und konzentrationsunfähig sind sie natürlich deshalb “heutzutage”, hieß es, weil ja die Eltern sie zu viel fernsehen (chatten, telefonieren, such Dir was aktuell Teuflisches aus) lassen.
Dies ausgerechnet denjenigen Eltern aufzutischen, die am Elternabend in einer recht engagierten Schule teilnehmen (und nicht, wie in anderen Schulen hier in der Gegend, zu 95% zu Hause bleiben), war ziemlich instinktlos, wenn nicht sogar dämlich. Den Eltern war jedenfalls klar, dass IHREN Kindern das erlaufene Geld nicht zugute käme.
Oha, ich sehe schon, ich kann mich für die Schulzeit meiner Kinder auf einiges gefaßt machen… ^^