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Mein Name steht schon darunter. >>
Tasaarvo - zur Kehrseite der finnischen Medaille.
Donnerstag, 22. Juli 2010
“Dass man schwache Schüler niemals bloßstellen darf, geht finnischen Lehrkräften im Laufe ihrer Ausbildung sozusagen in Fleisch und Blut über. Anders zu sein ist erlaubt. Aber nur, wenn ja, wenn anders eben schwächer bedeutet. Dass ein Kind, das immer wieder Stunden bei der Speziallehrerin braucht, deswegen gehänselt würde, habe ich nie gehört. Heißt anders aber in irgendeinem Sinne stärker, fähiger als die anderen, dann gelten andere Regeln. Es gibt zwei Gebiete, auf denen man besser sein darf als die anderen: Musik und Sport. Mobbing riskiert aber in einer durchschnittlichen finnischen Schule, wer in den eigentlichen Lernfächern glänzt, und dagegen scheint kein Kraut der Psychologen und Kuratoren gewachsen zu sein. Wer deutlich besser ist als andere, sollte sich eigentlich schämen, es gehört sich nicht das ist die Botschaft, die schon aus vielen mehr oder minder subtilen Signalen hervorgeht, erst recht aber aus Lehrerbosheiten wie Was glaubst du eigentlich, was du bist?
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Tasaarvo heißt für viele nicht einfach Gleichheit der Chancen. Ihnen schwebt vielmehr Gleichheit der Resultate vor. Als am 13.5.2002 die frischen Ergebnisse der alljährlichen Schulevaluation publiziert wurden und sich ein erhebliches Gefälle zwischen Schulen innerhalb je ein und derselben Region herausstellte (der durchschnittliche Punktwert der Schüler lag in manchen Schulen bei 40, in anderen bei 85; die Skala lief bis 100), erklärte Jukka Sarjala, damals noch Leiter des Zentralamtes für Unterrichtswesen, dies stehe geradezu im Widerspruch zum finnischen Grundgesetz! Es würde den hier gesetzten Rahmen sprengen, die Hintergründe einer derartigen Abstrusität aufzuhellen. Fest steht nur: Der oberste Chef des Schulwesens freute sich nicht darüber, dass es manchen Schulen gelungen war, Spitzenleistungen hervorzubringen. Er fand es vielmehr skandalös, dass sie so viel besser waren als manche andere.
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Dass die Vernachlässigung begabter Schüler Verschwendung gesellschaftlicher Ressourcen bedeutet, liegt auf der Hand. Für Politiker sollte das ein Argument sein. Es gibt aber noch ein ganz anderes, und das sollte eigentlich jedem Pädagogen das Gewissen rühren: Es ist die Situation, zu der die Schule ein unterfordertes Kind verdammt. Die Vorkämpfer der integrierten Gesamtschule behaupten unverdrossen, dass ein guter Lehrer in binnendifferenziertem Unterricht allen gerecht wird und dass die Lehrkraft eben versagt hat, wo dies nicht gelingt. Und durchaus üblich ist es in deutschen Schulen (wie auch in finnischen), in der Stunde Aufgaben unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades zu stellen. Da dividieren dann z. B. die Arbeitsgruppen, in denen die Zweierschüler sitzen, mit gemischten Brüchen, während sich die Schwächeren mit Aufgaben vom Typ 3/4 : 1/4 abmühen. Und dagegen ist ja auch nichts einzuwenden. Nur: Das ist die schiere Karikatur einer Binnendifferenzierung im eigentlichen Sinne des Wortes, einer also, die wirklich den Bedürfnissen unterschiedlich begabter Kinder gerecht würde. Ich mache mich z.B. anheischig, lernstarke Schüler im Rahmen eines auf ihre intellektuellen Ressourcen zugeschnittenen Unterrichts dazu anzuleiten, selber herauszufinden, wie man mit Brüchen dividiert, statt es ihnen zu erklären. Das kostet Zeit. Die hätte ich aber, weil diese Kinder hinterher viel weniger Zeit zum Üben brauchen als die Schwächeren. Jedoch: Weder ich noch irgendjemand anders kann innerhalb einer unausgelesenen Gruppe den Schwachen den Weg erklären und zugleich den Starken die Möglichkeit lassen, ihn selber zu finden. Jede Schule, die vorzugsweise oder ausschließlich die Bedürfnisse der Schwachen und des Mittelfeldes im Auge hat, tut den Begabteren Unrecht. Sie enthält ihnen de facto die Möglichkeit vor, ihr Potential zu entwickeln und so voranzuschreiten, wie sie es eigentlich könnten. Und sie bestraft sie mit doppelter Langeweile, wenn sie das trotzdem auch nur halbwegs schaffen, sei es auf eigene Faust oder dank elterlicher Unterstützung.
Quelle: http://www.finland.de/dfgnrw/dfg043a-pisa11.htm
Eigentlich müsste man eine Differienzierung schon ab der 1. Klasse fordern. Die Vorraussetungen sind schon in der Grudnschule gross. Von Kindern, die Lesen können bis zu Kindern, die noch nicht einmal deutsch beherrschen.
@Alicja: Wem sagst Du das… *seufz* Wenn ich mich im Kindergarten so umschaue, wer in ein paar Wochen in die Schule kommt, frage ich mich auch, wie ein Lehrer einem solchen Sammelsurium gerecht werden soll.
Ein Lehrer? Eher wohl eine Lehrerin. Das Grundschullehramt ist weiblich - und um es vorsichtig auszudrücken: Gerade in den Grundschulen sind Lehrkräfte nicht immer so motiviert und qualifiziert, wie es nötig wäre.
Wenn es um die deutsche Schullandschaft geht, bin ich froh, dass ich keine Kinder habe die ich hier zur Schule schicken muss. So wie es jetzt ist, töten die Schulen jegliche Motivation und beschränken das Potential jeden Kindes in großem Maße. Es ist in der Massenabfertigung keine Differenzierung möglich.
In meinem Leben bin ich zwei Schulen begegnet die überhaupt ansatzweise die Möglichkeit hatten ihre Schüler differenziert zu fördern. Eine war eine 1300 Schüler starke Highschool in den USA. Dort gab es für jedes Fach drei Level in die man einsortiert wurde. Dann gab es auch noch förderklassen für sehr schwache Schüler und welche für sehr begabte Schüler. Darüber hinaus gab es eine Integration mit Berufschulen und Universitäten um jeden Schüler möglichst in das für ihn angemessene Niveau einzuordnen und nach Interessen zu fördern.
Die Andere Schule war eine 15 Schüler starke Waldschule in der mit den Kindern individuelle Lernpläne ausgemacht wurden und sie sich den Stoff selber aneignen sollten, dazu holten sie sich Hilfe wie sie es für nötig erachteten und hatten wöchentliche Termine mit den Fachlehrern um den Fortschritt zu überprüfen. Das ist natürlich nicht das richtige Modell für alle Schüler, aber für meine Cousine war es und für mich wäre es das auch gewesen.
Eine Schulreform, bzw. ein Umdenken im Bereich Bildung ist dringend nötig. Gesamtschule im Modell wie ich es in den USA erlebt habe finde ich eine gute Sache. So wie es der zitierte Text beschreibt nicht.