Tja nun,...
... das ist wieder mal und immer noch so eine Sache mit dem Bloggen. Wenn ich mein Archiv von hinten bis vorne so querlese, stelle ich fest, daß dieses Blog immer unpersönlicher wird und ich eigentlich mehr über “Externes” aus den Medien oder über Fundstücke etc. blogge, denn über die Dinge, die hier so vorgehen und/oder mich beschäftigen.
Das liegt zum einen daran, daß sich seit meinem ersten Blogeintrag vor mittlerweile fast 11 Jahren die Leserschaft geändert hat. Im Gegensatz zu damals weiß heute praktisch mein gesamtes Umfeld von meinem Blog.
Da wird z.B. von einer Seite das Blog regelmäßig nach ganz bestimmten Infos gescannt. Die hier aber nichts zu suchen haben und die hier also schlicht nicht auftauchen werden. Soll diese Angelegenheit doch bitte die Zeit erledigen, nicht ich.
Und da wird von zig anderen Seiten die Entwicklung meiner Kinder mitverfolgt, während mich meinerseits bei immer mehr Kinderthemen die Gewißheit überkommt, daß auch sie nicht für jedermann bestimmt sind, sondern höchstens für den engsten Familien- und Freundeskreis. Nicht, weil sie Schlimmes über meine Kinder beinhalten, sondern weil schlicht nicht jeder alles wissen muß. Das Kinderblog werde ich daher demnächst schützen oder offline nehmen müssen. Spätestens, wenn Saskia in ein paar Monaten in die Schule kommt und nicht mehr absehbar ist, welche ihrer Kameraden hier bald mitlesen können.
Eigentlich ist diese zunehmend unpersönliche Art von Blog nicht das, was ich selbst gerne hätte und womit ich angefangen habe. Das hier war mal so eine Art virtuelles Zuhause für mich. Inzwischen ist es eigentlich nur noch ein virtueller Vorgarten.
Also nur noch Aquarien- und Nähmaschinenblog behalten? Ich weiß noch nicht recht… Nach so langer Zeit würde mir doch etwas fehlen. Aber vielleicht wäre das dann nur der vorübergehende Entzug von etwas, das man eigentlich nicht mehr so wirklich
gebrauchen kann?
Ich halt es weiterhin so: Was ich meinem Friseur (ok, das ist nun meine beste Freundin *g*) oder der Zeitungsfrau erzähle, kann auch ins Blog.
Und wenn man sich dabei auf die schönen Seiten des Lebens beschränkt und zwischendurch (damit es nicht zu sehr nach vorgetäuschte heile Welt aussieht) mal einen gebrochenen Zeh oder einen unverfänglichen Schnupfen einfließen lässt, ist das doch vollkommen ok. Zumindest was die Kinder angeht.
Wir Blogger können unser Geschreibsel und die daraus resultierenden Konsequenzen ja ganz gut einschätzen. Und dass wir unseren Kindern irgendwann peinlich sind, steht ohnehin schon fest, egal ob wir bloggen oder nicht. ![]()
Ich finde es schade, dass in so vielen Blogs nur noch gestellte Fotos von Dekozeugs gezeigt werden oder nur noch hinter Passwörtern zu lesen ist.
Ein bißchen Einblick in das, was die anderen bewegt, finde ich immer wieder schön. Das zeigt einem so oft, dass es anderen Müttern auch nicht anders geht, und dass andere Menschen auch ihre Problemchen zu tragen haben und sie bewältigen können.
Die wirklich wichtigen Sachen macht man ohnehin offline mit den Menschen, die man mag, klar. Daher sehe ich mein Blog auch nur als kleinsten Ausschnitt. Wer deshalb meint, uns “richtig” zu kennen, liegt leider falsch.
Du wirst Deinen Weg schon finden.
@Tanja: Klar, wirklich kennenlernen kann man durch ein Blog niemanden. Aber wenn mir relativ fremde Leute anfangen, Blogeinträge, die den Namen eines ganz bestimmten Familienmitglieds enthalten, drölfzigmal in Folge anzuklicken, dann wird’s für alle unfreiwillig Beteiligten doch langsam unangenehm.
Ich weiß auch mittlerweile nicht mehr, wie ich mit dem Archiv umgehen soll. Ist jetzt nicht dramatisch, aber auf die Dauer soll da nicht mehr jeder drin stöbern können.
Schade. Sag ich jetzt mal als langjährige Leserin. Dein Blog war (ab 2003) das erste, was ich wirklich regelmäßig las - weil ich den (oft ironischen) Schreibstil so toll fand und gern über deine Beiträge geschmunzelt habe. Dass es seit einigen Monaten immer unpersönlichere und auch immer weniger Beiträge wurden, ist mir aufgefallen und eine Zeit lang habe ich nur noch sporadisch hier rein geschaut. In letzter Zeit hatte ich den Eindruck, es wird wieder “besser” (also aus meiner Sicht) - ich mag die Geschichten aus eurem Alltag, allerdings kann ich deine Bedenken verstehen. Ich weiß nicht, wie ich in deinem Fall handeln würde, denn einerseits finde ich den Austausch, der auch durch Blogs stattfindet, schon toll, andererseits geht es natürlich um den Schutz eurer Privatsphäre. Schwierig.
Ich wünsche dir, dass du den richtigen Weg findest.
@Graugrüngelb: Das “Kinderzimmer” führe ich bis zu Saskias Einschulung im September ja auch weiter. Danach werde ich mal sehen, wie’s weitergeht.
Ich denke, die Situation hier ist momentan eher eine Ausnahmesituation. Das gesteigerte Interesse an bestimmten Infos wird sich hoffentlich mit der Zeit legen, und ich gehe davon aus, daß ich dann auch wieder halbwegs normal über den Alltag schreiben kann. Mir ist es ja auch wurscht, wenn jemand Infos über mich selbst sammelt. Aber wenn es um die Privatsphäre eines anderen & dessen Partner geht, die ja hier nicht wirklich den Inhalt beeinflussen können, dann muß ich eben zumindest zeitweilig die Notbremse ziehen.