Was zuviel ist, ist zuviel.
Es sieht wohl ganz so aus, als müßten wir eine neue Location für die Taufe unserer Kinder suchen, denn die “Vorbesprechung” gestern war schlicht und ergreifend eine Katastrophe. Noch nie bin ich in einem Restaurant derart herablassend und unverschämt behandelt worden.
Angefangen mit einer fast einstündigen Verspätung des Bankettmanagers, weiter über komplett nichtvorhandene Vorbereitung seinerseits, bis hin zu gönnerhaft-dreistem Gehabe und einem als Non-plus-Ultra angepriesenen Mini-Raum mit Bahnhofsatmosphäre war wirklich alles dabei. Unter anderem auch das völlig absurde Angebot, unsere Gäste sollten doch bitte vom normalen Sonntagsbuffet des Restaurants mitessen - zusammen mit ca. 300 anderen Personen, mit denen wir als Festgesellschaft gar nichts zu tun haben! Wie überaus stilvoll und feierlich!
Sicher, für ihn wäre das toll. Ist ja auch eine Frechheit, als Gast Service zu erwarten, wo es im Do-It-Yourself-Verfahren doch viel rentabler für das Restaurant wird. Geradezu dummdreist war sein Kommentar, als er überhaupt endlich mal zu der Besprechung erschien. Marc und ich hatten uns in der Zwischenzeit eine Kleinigkeit zu essen bestellt. Was meint dieser Mensch zu uns: Seine Verspätung sei doch vielleicht ganz willkommen gewesen. (sic!) Woraufhin ich eisig lächelnd erklärte, es habe sich im Grunde leider nur um eine Verlegenheitslösung gehandelt, denn bei so viel Verspätung hätten wir anschließend keine Zeit mehr zum Abendessen. (Immer hübsch nach dem Motto: “Lächeln ist die beste Art, dem Gegner die Zähne zu zeigen.” *grins*)
Mit der eigentlichen Raumbesichtigung ging die Tragikomödie weiter. Auf meinen Hinweis, die Tische könnten aber leider nicht wie vorgeschlagen in Achtertische aufgeteilt werden, weil alleine die Täuflingseltern und die Paten insgesamt zehn Personen seien, die man schlecht trennen könne, pflaumte dieser Mensch mich in schönstem Schulmeisterton an, wie ich das denn bitte sonst machen wolle? Ähm… Hallo…? Konstruktive Vorschläge zur Problemlösung sind in diesem Fall doch wohl sein Metier, nicht meins???
Im Gegensatz zu ihm hatte ich jedoch in der Tat einen Vorschlag, wie ich die Tische besetzen und arrangieren wollte. Meine Idee kam offenbar gut an; Dollarzeichen leuchteten in seinen Augen auf. Hatte der Herr Bankettmanager doch entdeckt, daß er - wenn er jetzt nur dreist genug vorging - den vorgesehen Raum mit einer Trennwand dritteln konnte. Im ersten Drittel (und zwar dem denkbar häßlichsten, noch dazu im Eingangsbereich) sollten wir zusammengepfercht werden. Auf die restliche Fläche hoffte er nun wohl noch eine weitere Gruppe zwängen und somit weitere Kapazitäten freischaufeln zu können. “Unser” Drittel pries er uns als “Kaminzimmer” (Kachelofen, außer Betrieb und kaum als solcher erkennbar), als erste Wahl, als geradezu das Sahnestück des ganzen Hauses an. *vogelzeig*
Nun bin ich zwar selbst studierte Ökonomin und habe somit durchaus ein gewisses Verständnis für gesundes Profitdenken, aber spätestens da war bei mir das Maß voll. Ich unterhielt mich in Anwesenheit dieses Herrn kurz mit Marc und kam mit letzterem ganz ungeniert überein, daß dies alles absolut nicht das sei, was wir uns vorgestellt hätten. Darauf folgte eine hochnäsige Erläuterung des Bankettmanagers, der von uns verschmähte Raum(bruchteil) würde aber sehr oft explizit von den Restaurantbesuchern verlangt. Klar. 90er-Jahre-eiskalt-Mobiliar, der bereits erwähnte “Kamin”, 70er-Jahre-Kneipensteinfußboden und auch sonst die Gemütlichkeit und das Ambiente einer Tiefkühltruhe. Wer das explizit reserviert, spekuliert vermutlich nur auf eins: Durch die nahegelegene Eingangstür schnellstmöglich wieder flüchten zu können.
Kurz und gut: Je mehr der Mensch auf uns einredete und uns quasi als Banausen darstellen wollte, weil wir sein unschlagbares Angebot nicht zu schätzen wußten, desto eisiger wurde mein Lächeln und desto entschlossener wurde ich, dieser Farce ein baldiges Ende zu bereiten. Sobald sein Redestrom es also zuließ, erklärte ich das Projekt mit dem Kommentar “Nun ja, über Geschmack läßt sich wohl nicht streiten” endgültig für gestorben, bedankte mich höflich für seine “Mühe” und verließ mit Marc zusammen die gastliche Stätte.
Für die beiden hier offenbar regelmäßig mitlesenden Dortmunder (ein gelegentliches Outing wäre nett ;o) ) und sonstige Ortskundige: Es handelt sich um das bekannte Haus mit Jugendstilhalle an der B 236, kurz hinter der Dortmunder Stadtgrenze.
Nachtrag:
48 Stunden und einige Telefonate später
Na bitte, wer sagt’s denn! Location, Menü, Torte(n) und Blumen sind unter Dach und Fach. Jetzt müssen im Grunde nur noch die Einladungen entworfen und verschickt werden.
Organisieren macht Spaß. Hatte ich das hier schon mal erwähnt? :o)