Weihnachtsoverkill
Am Sonntag fand in der hiesigen Gemeinde der obligatorische Adventsgottesdienst *) mit den Kindergartenkindern statt, inklusive anschließendem Kaffeetrinken. Und wenn ich ehrlich bin, bin ich heilfroh, daß damit der letzte Kindergarten-Weihnachtstermin endlich abgehakt ist. Von vier Adventswochenenden war an dreien irgendeine Kindergartenaktion geplant - zum Teil erst wenige Tage voher angekündigt. Singen auf dem Weihnachtsmarkt, Singen im Altenheim, Singen in der Kirche… Ich muß gestehen, bei aller Bewunderung für das Engagement der Erzieherinnen finde ich das derart gehäuft deutlich zuviel. Gerade in einer Zeit, in der man ja eh schon genügend Verpflichtungen hat und schließlich auch mal einen ruhigen Sonntag mit der Familie oder mit Freunden verbringen möchte. Noch dazu so kurz nach der üblichen St.-Martin-Bastelei und -Lauferei. Jedes Event für sich genommen mag ja ganz nett sein, und um die Kinder nicht zu enttäuschen, geht man halt in Spaghettimonsters Namen hin. Aber in dieser Konzentration ist es irgendwann reichlich nervig. Wie das alles funktionieren soll, wenn Saskia nächstes Jahr in der Schule ist und auch dort noch Feiern stattfinden, ist mir ein Rätsel. Da werden wir dann wohl radikal nach Wichtigkeit “aussieben” (müssen) und der Fairness halber pro Kind nur noch eine Veranstaltung besuchen.
Überhaupt stelle ich mehr und mehr fest, daß ich eher eine “Wissens-Mutter” denn eine “Bastel-Mama” bin. Wenn ich meinen Kindern Fragen beantworten, vorlesen, Dinge erklären kann, fühle ich mich wesentlich mehr in meinem Element als bei Basteleien, Backen, Singen & Co. Logisch, sowas mache ich bei Bedarf natürlich auch, zumindest mit meinen eigenen beiden. Bei entsprechenden Massenveranstaltungen mit vielen Kindern komme ich mir jedoch - um es mal mit Daniel Goedevert zu sagen - immer vor, wie ein Vogel im Aquarium.
Entsprechend sieht mein Engagement im Kindergarten auch aus: Es ist quasi nicht existent; es ist eine Welt, die mir trotz meiner eigenen Kinder irgendwie doch immer fremd ist und bleiben wird. Es gelingt mir partout nicht, das Ganze mit mehr als distanziert-verhaltenem Interesse zu betrachten. In der Schule hingegen kann ich mir schon eher vorstellen, Teil des Elternrates zu sein. Während Marc sich im vergangenen Jahr gerne im Kindergarten eingebracht hat, wird die Schule wohl “mein” Ding werden. Solange nur bitte niemand von mir gesteigerten Enthusiasmus für Weihnachtsfeiern verlangt…
———-
*) Alle Anwesenden sollten nach Anleitung des Pfarrers einen sechszackigen Stern auf ein rundes Stück Papier malen. “Runter, rüber, rechts und quer - Sterne malen ist nicht schwer” oder so ähnlich. Ich hatte jedenfalls am Ende trotz aller Mühen ein Pentagramm auf dem Blatt… *g*
Sonntags auch noch Kindergarten-Aktionen? Haben die Erzieherinnen kein Privatleben?
Meine Mutter war übrigens auch immer von der Nicht-Bastel-Fraktion, gebastelt und gemalt hat mein Vater mit uns. Und Backen war Familien-Teamwork: Muttern fabrizierte Teig und verliess den Ort des Geschehens. Vater wallte und stach aus, Kinder durften verzieren.
Vater und Kinder säuberten auch gemeinsam die Küche nach der Aktion.
Und fürs Wissen gabs jederzeit frei zugänglich ein neunbändiges Rororo-Lexikon.
@Irene: Wie begeistert die Erzieherinnen über so viele Veranstaltungen sind, kann ich nur raten. *g*