Wenn Insider nicht mehr raus finden
Zu den Vorteilen des Internet gehören die Informationen, die man durch die üblichen Medien wie Print und Rundfunk nie oder nur auf Umwegen erfahren würde.
Zu den Nachteilen des Internet gehört der Schrott, der durch die üblichen Medien wie Print und Rundfunk nie oder nur auf Umwegen je verbreitet würde.
Eines der haarsträubendsten Beispiele, die mir in jüngster Zeit untergekommen sind, ist die “Lügengrippe”. Dieser Seite zufolge sitzt in der Spritze, die bei der Impfung gegen die Schweinegrippe benutzt wird, ein winzigkleiner Chip, der dem zu Impfenden unbemerkt injiziert wird und anschließend nach Belieben von den Apparaten der Regierung manipuliert werden kann. Interessanterweise sind sich die Verbreiter dieses Gerüchtes über seinen exakten Verwendungszweck jedoch nicht einig. Heißt es auf der einen Seite noch “diese Nano-Teilchen funktionieren im Körper dann wie eine Festplatte im Computer und man könne damit alle möglichen Daten abspeichern und sich künftig die e-Card ersparen. Diese Maßnahme sei auch gedacht, um eine genaue Volkszählung zu ermöglich und zum Schutz der Babys. Man vermute nämlich, dass viele Mütter ihre Neugeborenen, von den Behörden unbemerkt, einfach wegwerfen.”, so ist auf der nächsten schon die Rede von tödlichen Frequenzen oder gar Giften, die dieser Chip aussenden soll, um die Bevölkerung zu töten. (Aber gut, im Zweifellsfall kann man diese Funktionen wohl auch kombinieren. ^^) Geschickt wird dabei in beiden Fällen die Frage umschifft, wer wohl mehr profitieren könnte: “Die Regierung” von so einem (kostspieligen!) Chip? Oder nicht doch vielleicht eher die Vertreter der Germanischen Neuen Medizin, die diese Webseiten samt ihrer abstrusen Behauptungen ins Web gestellt haben und nun hoffen, Kunden abfischen zu können, die der Schulmedizin und ihren chipverseuchten Spritzen hoffentlich verängstigt den Rücken kehren?
Gemeinsam haben diese Artikel eines: Sie berufen sich auf obskure Quellen wie Geheimdienste, Militär oder “die Medizin”, bei denen ein Normalsterblicher hoffentlich vor Ehrfurcht erstarrt und direkt jeglichen Gedanken an eine Überprüfung an den Nagel hängt. Ganz prima in diesem Fall auch der Tip auf der zweitgenannten Site: “Abos von Zeitungen und Zeitschriften abbestellen, die unkritsch (weil mainstream-abhängig) über die Schweinegrippe-Impfung berichten und sich für die Regierungs- und Pharmakonzernstrategien einbinden lassen.” (Man könnte ja herausfinden, daß an der Verschwörungstheorie nix dran ist. Gott bewahre!) Des weiteren packen sie den Leser bei der Ehre, indem sie ihn in einen vermeintlich elitären Kreis von noch vermeintlicheren Aufgeklärten aufnehmen: “Dieser erklärte ihr, er wisse von dieser geplanten Chipung, wie überhaupt alle aus der höheren Gesellschaftsschicht darüber Bescheid wüssten.” Wer würde sich nicht geehrt, erhaben und überlegen fühlen, wenn man ihm “Informationen” anvertraut, die sonst nur gehobenen Kreisen zugänglich sind? Wer würde gar noch zu widersprechen wagen? Eben.
Information oder Schrott - die Kunst besteht darin, das eine vom anderen zu unterscheiden. Offenbar fällt dies manchen Menschen etwas schwer. Das ist ja auch an sich nicht weiter schlimm. Schlimm wird es nur, wenn man bei der Analyse nach dem Motto vorgeht: “Alles, was irgendwem Böses unterstellt, muß zwangsläufig wahr sein.” Noch schlimmer wird es, wenn man alle Gegenargumente als unglaubwürdig abtut und seinen Gesprächspartner für uninformiert hält oder ihm gar unterstellt, er sei selbst ein Teil des Bösen. Die Diskussion mit einem Menschen, der so denkt, ähnelt dem Argument “Wenn Du nicht so verrückt wärst, würdest Du merken, wie verrückt Du bist.” Man kann denjenigen niemals überzeugen. Weil er gar nicht überzeugt werden will. Der Chipgläubige fühlt sich viel zu wohl in der Rolle des Insiders, der über Informationen verfügt, auf die nur eine vermeintliche Elite Zugriff hat. Und läuft vermutlich mit einer PayBack-Karte im Portemonnaie durch die Gegend, die dem Einzelhandel wunderschön detaillierte Informationen über sein Konsumverhalten übermittelt.
PS: 76 children dead of swine flu as cases rise. (Dank an @Fischblog für den Link) Ach ohje, Entschuldigung - ist ja von ‘nem Mainstream-Medium, und ich gehöre ja auch nur zur Mittelschicht…