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Yorkshire Pudding

Am 31. Juli 2007 schrieb ich hier ins Blog:

“Manchmal schleudert einem das Leben Überraschungen entgegen wie ein Wurmloch ein Raumschiff aus einem unbekannten Quadranten.

So liest man dann plötzlich nach über 20 Jahren eine Nachricht von der ersten großen Liebe. Der, von der man damals geglaubt hat, man käme nie darüber hinweg. Der, von der man damals geglaubt hat, man könnte nie verzeihen. Der, die man erst nach knapp drei Jahren überwunden hatte.

Und dann stellt man fest, daß sich hinter der anfänglichen Verwunderung nur Freude versteckt. Und der Wunsch, sich mal zusammenzusetzen, die Familien einander vorzustellen und endlos zu quatschen.”

P., Jahrgang 1961, hatte mich 1986 für seine jetzige Frau sitzengelassen und - bei einer Fernbeziehung zwischen Dortmund und Leeds - lange nicht den Mut gefunden mir zu beichten, daß die Beziehung vorüber war und er sich neu verliebt hatte. In eine Frau seines Alters, eine Kollegin. Ich erfuhr es durch Zufall und über einen Dritten. Lange, lange, lange hat es gedauert, bis ich an P. auch nur denken konnte, ohne daß mir eine rotglühende Metallkugel in den Magen rutschte, der Mund trocken wurde und ich am liebsten auf eine unbewohnte Insel verschwunden wäre. Seine Briefe und Fotos haben auf unserem Balkon damals lichterloh gebrannt. Trauer, Enttäuschung, Machtlosigkeit, Wut, Nichtbegreifen - all das brannte mit.

Dann schrieb P. im vergangenen Sommer im Web in mein Gästebuch. Ich hätte zunächst fast nicht registriert, um wen es sich bei dem Kommentator handelte, aber als ich es begriffen hatte, antwortete ich direkt. Und bekam meinerseits ein paar freundliche Zeilen zurück. Zwei Tage später schrieb ich ihm eine Mail zu seinem Geburtstag. Sie bestand eigentlich nur aus der Überschrift, einem Smiley und der Unterschrift. P. war platt, daß ich das Datum überhaupt noch wußte. Und schrieb zurück. Etwas mehr als zuvor. Aus unserem ersten Mailkontakt letztes Jahr wurde auf diese Art erst ein langsames Herantasten, dann ein ziemlich explosiver “Meinungsaustausch” - im wahrsten Sinne des Wortes - und anschließend ein ausgesprochen entspannter, interessanter und in beide Richtungen warmer Kontakt, der bis heute andauert. P. hat zwei nun fast erwachsene Söhne und seine Frau scheint ausgesprochen sympathisch zu sein. Die beiden lieben sich immer noch. Aber selbst wenn das nicht der Fall wäre, so denke ich, daß es schon in Ordnung war, wie es damals kam. Über das Wie könnte man streiten, aber mit dem Resultat bin ich heute mehr als einverstanden.

Es ist nun über ein Jahr später und vielleicht wird aus meinem Wunsch von 2007 in 2009 sogar Wirklichkeit. Wer hätte das gedacht? Ich am allerwenigsten.

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